Frankreich:Der etwas andere Afrika-Gipfel

Frankreich: Emmanuel Macron in Ouagadougou, Burkina Faso, im November 2017. In einer Rede vor Studenten versprach er damals eine neue Afrika-Politik.

Emmanuel Macron in Ouagadougou, Burkina Faso, im November 2017. In einer Rede vor Studenten versprach er damals eine neue Afrika-Politik.

(Foto: LUDOVIC MARIN/AFP)

Präsident Macron will die Beziehung zu dem Kontinent grundsätzlich ändern. Zum großen Treffen in Montpellier darf diesmal kein einziger Staatschef kommen.

Von Thomas Kirchner, München

Alles neu, alles anders: Nach dieser Devise versprach Präsident Emmanuel Macron bei Amtsantritt, nicht nur Frankreich und die europäische Politik umzukrempeln, sondern auch die Beziehungen seines Landes zu Afrika. Auch hier stand am Anfang eine programmatische Rede: In Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, legte Macron Ende 2017 vor Studenten dar, wie er sich eine intensivere und vor allem ehrlichere Zusammenarbeit vorstellt. Ein neuer Umgang mit der kolonialen Vergangenheit samt Rückgabe von Kulturschätzen sollte dazugehören. Und völlig "neu" ist nun auch der "Gipfel Afrika-Frankreich", der an diesem Freitag in Montpellier stattfindet.

Man habe das Design dieser Veranstaltung, die es seit 1973 gibt, einfach mal umgedreht, heißt es aus dem Élysée-Palast. Kein Staatschef aus Afrika wird also kommen, keiner dieser eher älteren Herren, die zum Teil seit Jahrzehnten über ihr Land herrschen oder sich gerade an die Macht geputscht haben. Stattdessen ist die Zivilgesellschaft eingeladen. Und die Jugend. Unter den 3000 Teilnehmern sind mehr als 1000 junge Afrikaner, ein Drittel von ihnen Unternehmer, dazu Wissenschaftler, Blogger, Aktivisten, Künstler.

Mit Franzosen und Mitgliedern der Diaspora werden sie in Workshops sprechen: über Politik, Wirtschaft, Kultur, Bildung, aber auch über den Sport, einschließlich gemeinsamer Fuß- und Basketballspiele. Und natürlich wird auch Macron selbst anwesend sein, der am Nachmittag im Plenum mit Jugendlichen aus zwölf afrikanischen Staaten diskutiert.

Entwurf und Vorbereitung des Programms überließ der Élysée dem in Deutschland gut bekannten kamerunischen Intellektuellen Achille Mbembé. Eine nicht ganz unriskante Entscheidung, ist Mbembé ("Politik der Feindschaft") doch führender Vertreter der Theorie des Postkolonialismus, der gerade Frankreich oft ins Visier nimmt. Dessen Beziehung zu Afrika ist noch immer eine spezielle. Paris redet in vielen Ländern entscheidend mit, aufgrund kolonialer Verstrickungen, machtpolitischer Interessen und auch schlicht, weil mehr als 120 Millionen Afrikaner Französisch sprechen. Wie heikel das alles ist, zeigen aktuell die gescheiterte Intervention in Mali oder der Verbalkrieg mit Algerien.

Ein Treffen mit 54 Staatchefs soll es nächstes Jahr geben

Der letzte reguläre Gipfel hatte 2017 stattgefunden, vor der Ära Macron. Dass er diesmal so anders aussehen wird, hat auch mit der Pandemie zu tun. Sie verhinderte, dass man wie geplant 2020 in Bordeaux zusammenkam, im klassischen Format mit 54 Staatschefs. Das soll im nächsten Jahr auf europäischer Ebene nachgeholt werden.

Kein Wunder, dass dieser andere Gipfel auch Kritik hervorruft. Der "neokoloniale Geist" sei trotz aller Effekthascherei nicht gewichen, kritisieren die Organisationen Attac und Survie. Sie verweisen auf die "Irrwege" der französischen Entwicklungshilfe, die wirtschaftliche "Dominanz" sowie die französische Militärpräsenz in Afrika. Das wollen sie auf einem Gegengipfel ansprechen.

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