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Flutkatastrophe in Pakistan:Land unter

Pakistans Regierung erweist sich im Kampf gegen die Jahrhundertflut als unfähig. Das Land braucht tiefgreifende politische Reformen. Um gegen die Taliban zu bestehen und um sein schlechtes Image loszuwerden.

Tobias Matern

Jeden Tag Horror-Nachrichten aus Pakistan. Zwischenbilanz der Flutkatastrophe am Montag: 1500 Tote, 20 Millionen Obdachlose, Milliardenschäden. Die Großstadt Jacobabad (knapp 400.000 Einwohner) ist in Gefahr. Kanzlerin Angela Merkel reagiert mit Sorge und Anteilnahme auf die Jahrhundertflut. Tobias Matern kommentiert.

Die Überlebenden der Flutkatastrophe versuchen, die raren Hilfgüter zu ergattern - den Glauben an ihre Regierung haben sie längst verloren.

(Foto: AP)

Er ist Krisen aller Art gewohnt, kennt das Leid der Menschen nach Katastrophen in der ganzen Welt. Aber "nichts ist wie das hier", sagt UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nach dem Besuch in einem Lager für Flutopfer in Pakistan.

Das Wort Jahrhundertkatastrophe ist ziemlich abgenutzt, für die Zustände in dem muslimischen Staat aber gibt es keinen anderen Begriff. Die ersten Kinder sind an Hunger gestorben, weil Helfer noch nicht in alle Krisengebiete vordringen können. Tausende Dörfer sind von der Karte verschwunden. Millionen Tagelöhner und Farmer, die von einer Mahlzeit zur nächsten denken, empfinden nun selbst wenige Bissen Nahrung als puren Luxus. Für lange Zeit wird es eine Illusion für sie bleiben, in kargen, aber wenigstens eigenen vier Wänden zu wohnen. Millionen Pakistaner haben nichts mehr - bis auf ihre Wut, die stetig wächst und sich mehr und mehr gegen die Regierung in Islamabad wendet.

Pakistan leidet auch an seinen überkommenen Strukturen

Kein Land der Welt wäre nach einer Katastrophe dieses Ausmaßes so einfach in der Lage, die Krise in den Griff zu bekommen. Zu viele Teile des Landes sind versunken, zu viele Menschen betroffen. Aber Pakistan offenbart in dieser Situation seine strukturellen Schwächen besonders deutlich. Seit der Unabhängigkeit von den britischen Kolonialherren vor mehr als 60 Jahren hat es keine durchgreifende Landreform gegeben. Der Feudalstaat nährt eine kleine, egoistische Schicht von Bonzen, die sich um die Belange ihrer abhängig Beschäftigten nicht kümmern, sondern vor allem ihren eigenen Vorteil mehren.

Aus dieser Schicht rekrutiert sich die politische Klasse, die es nun nicht schafft, die begrenzten Mittel zur Hilfe der Opfer fair zu verteilen. Sie ist nicht einmal in der Lage, wenigstens zu Beginn einer solchen Katastrophe angemessenes Mitgefühl zu zeigen. Der Präsident tourte erst einmal durch Europa, anstatt sich in einem Flüchtlingslager sehen zu lassen. Der Satz von UN-Generalsekretär Ban ist vielleicht auch auf dieses Verhalten gemünzt.

Trotz aller berechtigten Kritik an der politischen Führung wäre ihre Ablösung nach dem altbekannten pakistanischen Muster aber nur ein weiterer Rückschlag für das Land, das bereits vom Kampf gegen den Terrorismus ausgezehrt ist. In ihrer Wut fordern einige Menschen wieder eine Armee-Regierung, die es in der Geschichte des Landes bereits viel zu oft gegeben hat. Das Militär bestimmt allemal die Außen- und Sicherheitspolitik im Atomstaat Pakistan nach Belieben. Gäste aus Washington und anderen Hauptstädten bevorzugen einen Termin beim General statt beim Minister.

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