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Fall Kiesewetter im NSU-Prozess:Mord aus Vergeltung?

Michèle Kiesewetter

Wurde nur 22 Jahre alt: Die von Neonazis ermordete Polizistin Michèle Kiesewetter.

(Foto: dpa)

Wurde die Polizistin Michèle Kiesewetter aus Rache erschossen? Der Anwalt der Familie will das jetzt prüfen lassen. Außerdem soll ein Brettspiel die judenfeindliche Gesinnung des Terror-Trios belegen.

Die Anwälte der Opferfamilien im NSU-Prozess wollen noch einmal genau ermitteln lassen, ob die ermordete Polizistin Michèle Kiesewetter bei ihren Einsätzen als Bereitschaftspolizistin mit Rechtsradikalen zusammengetroffen ist und möglicherweise aus Rache getötet wurde.

Rechtsanwalt Thomas Kienzle wies auf eine ganze Reihe von Demonstrationen rechtsradikaler Gruppen hin, bei denen Kiesewetter in den Monaten vor ihrer Ermordung eingesetzt war - nicht nur in Stuttgart, Heilbronn und Pforzheim, sondern auch in Göttingen. In Niedersachsen lebte aber auch Holger G., ein enger Vertrauter der Rechtsradikalen Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, sowie weitere Neonazis, die Kontakt zum NSU hatten.

Die Bundesanwaltschaft geht dagegen davon aus, dass Kiesewetter zufällig Opfer der Täter wurde. "Es drängt sich auf, dass die Auswahl der Polizistin Michèle Kiesewetter als letztes Opfer mit ihrer Diensttätigkeit in Zusammenhang stand", sagte Kienzle und beantragte, ihre Dienstpläne danach zu durchforsten und auch zu klären, ob die Polizistin einmal als Zeugin gegen einen Rechtsradikalen vor Gericht aufgetreten war. Diesem Antrag schlossen sich fast alle Nebenkläger an.

Zudem soll nun im Prozess auch das Spiel "Pogromly" gezeigt werden, das Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt vor ihrem Untertauchen gebastelt hatten: Ein Spiel, in dem nach dem Muster von Monopoly nicht Geld gescheffelt, sondern zur Judenhatz aufgerufen wird und deutsche Städte "judenfrei" gemacht werden sollen.

Der Kölner Anwalt Reinhard Schön will damit zeigen, dass Beate Zschäpe schon vor ihrem Abtauchen in den Untergrund eine "gefestigte rechtsradikale Ideologie" vertreten hat. Es sei die "identische Einstellung", die sie auch durch das Verschicken des Bekennervideos mit Paulchen Panther gezeigt habe. Dies sei ein starkes Indiz, dass sie auch in der Zwischenzeit nicht anders gedacht habe, sagte Schön. Auch diesem Antrag schloss sich die Mehrheit der Nebenkläger an.