Europawahl-Nachlese:Polen: Junge Leute wählen Europa-Feinde

Am Wahltag ist in Polen einiges passiert: Der ehemalige kommunistische Diktator Wojciech Jaruzelski ist gestorben und die beiden stärksten Parteien im polnischen Parlament haben ihre Dominanz erneut bestätigt und je 19 Sitze im Europäischen Parlament errungen.

Doch nachdem die ersten Umfragen nach Verlassen der Wahllokale veröffentlicht worden waren, ging es fast nur noch um das Ergebnis der europafeindlichen Partei Nowa Prawica (Neue Rechte), die schließlich vier Sitze erringen konnte. Deren Parteivorsitzender Janusz Korwin-Mikke, ein durchaus umstrittener Mann, gilt als polnische, aber zugleich intelligentere, radikalere und noch europafeindlichere Version von Nigel Farage. Für den Fall, dass seine Partei Sitze im Europaparlament gewinnt, hatte er angekündigt, das Parlamentsgebäude in ein "Bordell" umwandeln zu wollen.

EU parliament election in Poland

Janusz Korwin-Mikke von der "Neuen Rechten" freut sich über das Wahlergebnis. Das Baby hat ihn wohl nicht gewählt.

(Foto: dpa)

Ziemlich beunruhigend ist, dass Nowa Prawica bei jungen Menschen zwischen 19 und 25 Jahren mit 28,5 Prozent ein herausragendes Resultat erzielt hat. Es gibt keine genauen Statistiken, die das Abstimmungsverhalten einer etwas älteren Gruppe von Wählern (26-30 Jahre) aufschlüsselt, doch die regierende Bürgerplattform von Premier Donald Tusk dürfte bei dieser Gruppe die höchsten Zustimmungswerte genießen. Warum die europafeindliche Partei bei den jungen Menschen so gut ankam, ist nicht leicht zu beantworten. Möglicherweise sind sie der Politiker überdrüssig, die ständig ihre Meinungen ändern. Ganz anders als Korwin-Mikke, der seit 1990 die gleichen Positionen vertritt.

Am niedrigsten lag die Wahlbeteiligung mit unter 20 Prozent im Osten Polens, am höchsten in Warschau und Krakau mit fast 40 Prozent. Der Wert für Krakau dürfte vor allem daran liegen, dass es gleichzeitig ein Referendum über die Bewerbung der Stadt als Austragungsort der olympischen Winterspiele im Jahr 2022 gab.

Sławomir Parus, 27 Jahre alt, hat in Posen sowie in Atlanta Wirtschaft und Rechtswissenschaften studiert. Heute arbeitet er als Jurist in Posen.

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