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Euro in der Krise:Ein Austritt Griechenlands würde das Misstrauen stärken

Und dann Italien: Das Land zittert sich durch den Sommer. Am Ende dieser Woche muss Rom neue Staatsanleihen ausgeben, und keiner kann vorhersagen, wie teuer es dieses Mal werden wird. Im Oktober steht der eigentliche Test an. Dann muss Italien 37 Milliarden Euro refinanzieren, allein oder mit Hilfe der Euro-Partner - wobei diese bis dahin den Euro-Rettungstopf erst einmal wieder auffüllen müssen. Der ist nämlich nach der Spanienhilfe beinahe leer.

Hinzu kommen die politischen Ungewissheiten. Wer folgt im Frühjahr der Technokraten-Regierung von Mario Monti? Würde der Euro-Fonds überhaupt ausreichen, um neben Spanien auch Italien, also der drittgrößten Volkswirtschaft, vorübergehend über die Runden zu helfen? Erschwert werden die Berechnungen durch schlechte Nachrichten aus Frankreich: Die Neuverschuldung liegt dort höher als erwartet, die Autohersteller verkaufen zu wenig, die Banken hängen stark von der heimischen Prosperität ab.

Und wäre das alles nicht genug, liegt das Herzstück der Euro-Rettung, der permanente Euro-Rettungsfonds ESM, in den Händen des Bundesverfassungsgerichts. Die Richter entscheiden, wie es weitergeht mit Europas Zukunft. Für Italien und Spanien hat diese Unsicherheit direkte Folgen: Die Investoren preisen sie ein, wenn sie Staatsanleihen kaufen - weshalb beide Länder höhere Zinsen bieten müssen.

Europa kämpft ums Überleben

Spanien. Italien. Frankreich. ESM. Für die Euro-Gruppe geht es ums Überleben. Die Gemeinschaft der Euro-Staaten muss glaubhaft machen, dass sie zusammenstehen will - und wird; dass die gemeinsame Währung für alle Länder mehr Vorteile bringt, als wenn in Lira, Francs, Drachmen oder D-Mark gezahlt würde; und dass alle Länder bereit sind, einen Preis für die Gemeinschaft zu zahlen - auch Deutschland.

Würde Griechenland in dieser Zeit aus der Gemeinschaft geworfen, wäre das politische Signal eindeutig: Die Währungsgemeinschaft soll nicht beisammenbleiben. Wer könnte dann noch glaubwürdig versichern, dass nicht bald Portugal, oder sogar Spanien und Italien folgten? Griechenlands Probleme machen nur den Bruchteil der Sorgen in Euro-Europa aus. Ein Austritt würde die Probleme nicht lösen, aber das Misstrauen stärken. Die übrigen Krisenstaaten würde dieses Misstrauen umgehend zu spüren bekommen.

© SZ vom 24.07.2012/mike

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