EU-Austritt von Großbritannien:"Boris Johnson fehlt die Führungsqualität für die kommenden Aufgaben"

Justice Minister And Leading Brexit Campaigner Michael Gove Leaves Home

Michael Gove unterstützte Johnson bei der Brexit-Kampagne. Nun tritt er gegen ihn an.

(Foto: Getty Images)
  • Die britische Innenministerin Theresa May möchte nach dem Brexit-Votum Nachfolgerin von David Cameron an der Spitze der Konservativen Partei werden.
  • Britische Medien rechnen damit, dass sich Londons Ex-Bürgermeister Boris Johnson bis Ablauf der Frist am Donnerstag um 13 Uhr ebenfalls bewerben wird.
  • Ebenfalls im Rennen ist nun auch Johnsons Mitstreiter im Brexit-Wahlkampf: Justizminister Michael Gove sowie Energieministerin Andrea Leadsom.

Ein schwerer Schlag für die Ambitionen Boris Johnsons auf das Amt des britischen Regierungschefs: Einer seiner getreuen Mitstreiter im Brexit-Wahlkampf, Justizminister Michael Gove, hat nun bekannt gegeben, dass er bei der Wahl um den Parteivorsitz antreten will.

Gove ließ wissen, er glaube nicht, dass Johnson "die Führung übernehmen und das Team für kommenden Aufgaben aufbauen könne". Das Brexit-Lager in der Konservativen Partei ist damit gespalten. Johnsons offizielle Bewerbung wird noch im Laufe des Tages erwartet.

Ebenfalls im Rennen ist nun auch Energieministerin Andrea Leadsom. Sie hatte sich für einen Brexit ausgesprochen.

Auch britische Innenministerin hat sich beworben

Die Kandidatur der britischen Innenministerin Theresa May war schon erwartet worden. In einem Gastbeitrag für die Zeitung The Times erklärte sie ihre Bewerbung für den Parteivorsitz der konservativen Tories. Im Erfolgsfall wäre ihr damit auch der Aufstieg zur Regierungschefin faktisch nicht zu nehmen.

In dem Artikel, der in der Nacht zum Donnerstag online veröffentlicht wurde, stichelt die 59-Jährige unterschwellig gegen ihren mutmaßlich härtesten Rivalen Boris Johnson - der seine Kandidatur noch nicht erklärt hat - und dessen privilegierten Hintergrund. So distanziert sich May von Politikern, die die Härten des Lebens nicht kennen und das Regierungsgeschäft für "ein Spiel" halten würden. May führt das Innenressort seit sechs Jahren.

Die Frist, um sich für die Kandidatur zu bewerben, endet am Donnerstag um 13 Uhr. Nach Informationen der Zeitung The Guardian wird Johnson, der polarisierende Ex-Bürgermeister Londons und Anführer des Brexit-Lagers, kurz zuvor seine Kandidatur bekannt geben.

"Das Leben ist schwieriger, als viele Politiker sich das vorstellen können"

Als Regierungschefin und Vorsitzende der konservativen Tory-Partei sähe sie ihre "Mission" darin, "Großbritannien zu einem Land zu machen, das für jeden funktioniert", schrieb May, die seit 2010 das Innenressort leitet. Einen Schwerpunkt sehe sie dabei in der Sozialpolitik: "Wenn man aus einer ganz normalen Arbeiterfamilie kommt, ist das Leben schwieriger, als viele Politiker sich das vorstellen können."

Vor dem historischen Brexit-Referendum hatte sich May zwar auf die Seite Camerons und seines Pro-EU-Lagers gestellt. Sie bewahrte sich zugleich aber ihre EU-kritische Grundhaltung und hielt sich aus den Querelen innerhalb der gespaltenen Partei weitgehend heraus. Daher gilt sie vielen Beobachtern als ausgleichende Figur.

"Jeder außer Boris"

Neben May haben auch noch Außenseiter Stephen Crabb und Ex-Verteidigungsminister Liam Fox ihren Hut in den Ring geworfen. Auch Gesundheitsminister Jeremy Hunt erwägt offenbar eine Kandidatur. Wenn es mehr als zwei Kandidaten gibt, wird das Bewerberfeld kommende Woche per Abstimmung der Tory-Abgeordneten verkleinert. Dabei gelten Johnson und May als Favoriten - allerdings formiert sich unter der Losung "ABB" - "Anyone But Boris" (Jeder außer Boris) parteiinterner Widerstand gegen Johnson.

Über die verbleibenden zwei Kandidaten sollen dann die etwa 150 000 Parteimitglieder per Briefwahl abstimmen. Das Ergebnis wird für den 9. September erwartet, kurz darauf soll der neue Regierungschef oder die neue Regierungschefin das Amt übernehmen.

© SZ.de/dpa/AFP/mati
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