bedeckt München 31°

Erster Weltkrieg im Trentino:Cesare Battisti in Bildern

Sozialist und Soldat, Gefangener und Märtyrer: Historische Aufnahmen und Zeugnisse des Battisti-Kults.

Von Oliver Das Gupta, Trient

12 Bilder

Battisti

Quelle: Fondazione Museo storico del Trentino

1 / 12

Durch seine Hinrichtung wurde der aus dem damals österreichischen Trient (Trento) stammende Cesare Battisti (1875-1916, rechts im Bild) bekannt. Für die Habsburger galt der Sozialist als Verräter - für die Italiener als Held.

Sitzungssaal des österreichischen Reichsrates in Wien, 1910

Quelle: Süddeutsche Zeitung Photo

2 / 12

Vor dem Ersten Weltkrieg vertrat er seine Heimatstadt Trient als sozialdemokratischer Abgeordneter im Tiroler Landtag und im Reichsrat von Österreich-Ungarn in Wien (siehe Foto). Battisti forderte die Gleichbehandlung der italienischen Bevölkerung im Habsburger Reich und Autonomie für das Trentino.

Battisti

Quelle: Nicola Gronchi; Castello del Buonconsiglio

3 / 12

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieg setzte sich Battisti nach Italien ab und warb für den Kriegseintritt gegen Österreich. Er sah darin die Chance, das Trentino mit Italien zu vereinen. Das Gemälde von Alcide Campestrini wurde 2016 bei einer Sonderausstellung im Castello del Buonconsiglio gezeigt.

Monte Pasubio

Quelle: Museo Storico Italiano della Guerra

4 / 12

Nachdem Rom im Mai 1915 Wien den Krieg erklärt hatte, wurde Battisti Soldat. Nahe des heftig umkämpften Monte Pasubio (im Bild), wo tausende Menschen getötet wurden, wurde Battistis Einheit im Juli 1916 bei einem Gefecht gestellt.

-

Quelle: Museo storico del Trentino

5 / 12

Die Österreicher erkannen Battisti, fesselten seine Arme mit Ketten und führten ihn nach Trient. Als er in seiner Heimatstadt eintraf, waren die Straßen gesäumt von Schaulustigen.

Cesare Battisti auf dem Weg zur Hinrichtung, 1916

Quelle: SZ Photo

6 / 12

Battisti wurde im Castello del Buonconsiglio, dem früheren Palast der Trentiner Fürstbischöfe, von einem Militärgericht an einem Tag zum Tode verurteilt. Der Prozess war eine Farce, ein Wiener Henker war schon unmittelbar nach Battistis Gefangennahme nach Trient aufgebrochen. Im Bild: Battisti auf dem Weg zu seiner Hinrichtung.

Hinrichtung Cesare Battisti

Quelle: SZ Photo

7 / 12

Am 12. Juli 1916 wurde Battisti im Graben hinter dem Bischofspalast am Würgegalgen stranguliert. Die Hinrichtung ist gut dokumentiert - es gibt mehr als 150 Fotos.

-

Quelle: Museo storico del Trentino

8 / 12

Auch der Leichnam wurde ausgiebig fotografiert, der Henker und Uniformierte posierten lachend neben dem Toten. Der Wiener Publizist Karl Kraus illustrierte mit einem dieser Fotos sein Werk "Die letzten Tage der Menschheit". Dieses Foto entstand, nachdem Battistis Körper mit einem Tuch bedeckt worden war. Die Markierungen wurden später eingefügt.

Meldung der Gefangennahme von Cesare Battisti in den Münchner Neuesten Nachrichten vom 13. Juli 1916

Quelle: Oliver Das Gupta

9 / 12

"Gefangennahme eines Trentiner Hochverräters." Als die Münchner Neuesten Nachrichten am 13. Juli 1916 über Battistis Gefangennahme berichteten, da war er bereits tot.

-

Quelle: Museo storico del Trentino

10 / 12

Die österreichischen Fotos von Battistis Exekution fanden weltweit Beachtung, in Italien wurde der Trentiner zum Märtyrer stilisiert. Später ließ ihm Diktator Benito Mussolini ein pompöses Mausoleum errichten. Dieses Foto zeigt den Faschistenführer bei der Einweihung des Grabmals 1935.

-

Quelle: oH

11 / 12

Auch im demokratischen Italien wird das Andenken an Battisti gepflegt, noch heute tragen Straßen seinen Namen. "Wenn Battisti den Krieg überlebt hätte, wäre er einer der Vordenker Europas geworden", sagt der Trentiner Historiker Giuseppe Ferrandi. Battistis Mitstreiter Alcide de Gasperi initiierte als italienischer Ministerpräsident gemeinsam mit Politikern wie Konrad Adenauer und Robert Schuman den europäischen Einigungsprozess.

-

Quelle: Oliver Das Gupta

12 / 12

Der "Graben der Märtyrer" des Castello del Buonconsiglio in Trient heute: Die flachen Steine im hinteren Teil markieren die Stellen, wo die Österreicher Cesare Battisti und zwei weitere abtrünnige Italo-Österreicher hingerichtet haben.

© SZ.de/dit

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite