bedeckt München 21°

Ermittlungen nach Messerangriff:Würzburger Attentäter wird in Psychiatrie verlegt

Messerstecher von Würzburg soll von Gefängnis in Psychiatrie

Am 25. Juni hatte der Attentäter mit einem Messer mehrere Menschen angegriffen und drei Frauen getötet. Trauernde in Würzburg gedachten mit Grablichtern, Kerzen und Blumen der Opfer.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Noch gibt es keine Klarheit über das Motiv des tödlichen Messerangriffs. Der zuständige Ermittlungsrichter aber hat den Täter in die Psychiatrie verlegen lassen. Er soll möglicherweise schuldunfähig sein.

Von Florian Flade, Georg Mascolo und Ronen Steinke, Berlin

Der Attentäter, der Ende Juni in einem Kaufhaus und der Fußgängerzone von Würzburg Passanten mit einem Messer angegriffen und dabei drei Frauen getötet hat, wird in eine psychiatrische Klinik verlegt. Das hat der Ermittlungsrichter am Amtsgericht Würzburg am Dienstag entschieden. Er ordnete eine Verlegung des Somaliers aus der Untersuchungshaft in ein psychiatrisches Krankenhaus an. Damit folgte das Gericht einem Antrag der Generalstaatsanwaltschaft München.

Die psychiatrische Begutachtung komme derzeit zu der Einschätzung, "dass der Beschuldigte zur Tatzeit möglicherweise schuldunfähig war", teilte die Anklagebehörde mit. Dann ist die Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt die einzige Möglichkeit, ihn weiter in Gewahrsam zu behalten. So wird nun Abdirahman J. A. die Justizvollzugsanstalt Würzburg, in der er bislang inhaftiert ist, verlassen und in eine Spezialklinik verbracht werden, zum Beispiel im fränkischen Lohr am Main.

In den Stunden nach der Tat "wie weggetreten"

Nach Angaben seines Pflichtverteidigers Hans-Jochen Schrepfer soll Abdirahman J. A., der als Asylbewerber in Deutschland lebte, in den Stunden nach der Tat "in einer anderen Welt" gewesen sein, "wie weggetreten". Ein Gespräch mit ihm sei unmöglich gewesen. Der Täter habe stattdessen mit sich selbst geredet, "teils auch geschrien". Die psychiatrische Begutachtung, die durch den Psychiater Hans-Peter Volz erstellt werden soll, ist indes noch nicht fertig.

Die bayerischen Ermittler sind seit der Tat auch Anhaltspunkten für einen möglichen islamistischen Hintergrund nachgegangen, haben jedoch bislang trotz der Auswertung von zwei Handys keine Verbindung von Abdirahman J. A. zu einem Netzwerk feststellen können. Verbindungen zu der somalischen Terrormiliz al-Shabaab seien entgegen erster Befürchtungen nicht gefunden worden, auch sonst gebe es "weder Hinweise auf Propagandamaterial noch auf etwaige Mittäter oder Mitwisser", wie die Münchner Generalstaatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte. Papierzettel, die kurz nach der Tat am Tatort gefunden wurden, "entpuppten sich als unverdächtig", schreiben die Ermittler.

Wenn sich der Eindruck erhärten sollte, dass J. A. die Gewalttat tatsächlich in einem Zustand der Schuldunfähigkeit begangen hat, weil er zum Beispiel aufgrund einer psychischen Störung nicht Herr seiner Sinne war, dann würde das nicht bedeuten, dass er freikommt. Anstelle einer strafrechtlichen Verurteilung könnte das zuständige Strafgericht dann eine Unterbringung in Sicherungsverwahrung anordnen. Auch dann bliebe Abdirahman J. A. womöglich viele Jahre lang in Haft.

In den vergangenen Monaten war Abdirahman J. A. mehrfach psychisch auffällig geworden. Im Januar soll er in der Obdachlosenunterkunft andere Bewohner im Streit mit einem Messer bedroht und beleidigt haben. Damals war er auf Anordnung des Amtsgerichts Würzburg in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht worden, wo er etwas länger als eine Woche blieb. Zuletzt war Abdirahman J. A. in Würzburg aufgefallen, weil er sich in das Auto eines Fremden gesetzt und einen verwirrten Eindruck gemacht hatte.

Mit Blick auf die Anzahl der Opfer der Messerattacke geht die Soko "Main" derzeit von elf Personen aus, was neben den drei getöteten Frauen auch einen Mann mit einschließt, der nicht direkt von Abdirahman J. A. verletzt worden sein soll, sondern beim Versuch, diesen zu stoppen, gestürzt sei und sich leicht verletzt habe.

© SZ/pamu
Zur SZ-Startseite
Utoya

SZ PlusZehn Jahre nach dem Utøya-Anschlag
:"Der Terror darf nicht siegen"

Vor zehn Jahren wurden in Oslo und Utøya 77 Menschen von einem Rechtsterroristen ermordet. Doch statt über Rechtsextremismus zu diskutieren, ist Norwegen eher nach rechts gedriftet. Eine Geschichte über das Unaussprechbare.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB