Erich Honecker"Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf"

Honecker stand mehr als 18 Jahre an der Spitze der DDR, vor genau 30 Jahren trat er zurück. Den Bezug zur Realität schien er da schon verloren zu haben. Sein Leben in Bildern.

Von Philipp Saul

"Gibt es noch Vorschläge zur Tagesordnung?", fragt Erich Honecker am 17. Oktober 1989 zu Beginn einer Sitzung des SED-Politbüros in die Runde - und die Antwort dürfte ihn überrascht haben. Sie bedeutet das Ende der politischen Karriere des damaligen Staatsratsvorsitzenden der DDR und Generalsekretärs der SED. Willi Stoph, einer der engsten Weggefährten Honeckers, meldet sich und schlägt als ersten Punkt der Tagesordnung vor: "Entbindung des Genossen Erich Honecker von einer Funktion als Generalsekretär und Wahl von Egon Krenz als Generalsekretär."

Honecker erstarrt kurz, sagt dann aber: "Gut, dann eröffne ich die Aussprache." In der anschließenden Diskussion spricht sich kein einziges Mitglied des Politbüros für Honecker aus. Am Ende stimmen alle anwesenden Politbüromitglieder, Honecker eingeschlossen, für dessen Ablösung.

Einen Tag später, am 18. Oktober, kommt das Zentralkomitee der SED zusammen und Honecker verliest seine Rücktrittserklärung. Er trete aus gesundheitlichen Gründen zurück, so die offizielle Version. Als Nachfolger schlage er Egon Krenz vor.

Bild: dpa 18. Oktober 2019, 11:112019-10-18 11:11:13 © SZ.de/cck/cat