Erfolg deutschlandweiter Gegendemos:Die deutsche Fahne und die Mohammed-Karikatur

Am Rande des Ottoplatzes in Köln-Deutz schwenken 2000 Kögida-Gegner IG-Metall-Fahnen und Schilder auf denen steht: "Nazis essen heimlich Döner." Insgesamt demonstrieren in der Stadt der Polizei zufolge 7500 Menschen gegen Kögida, den Kölner Pegida-Ableger. Die Abendlandverteidiger haben höchstens 500 Menschen auf den Platz gebracht, sie füllen die Fläche nur zu einem Bruchteil aus und werden von einem Großaufgebot der Polizei abgeschirmt. Deutsche Fahnen, "Wir sind das Volk"-Rufe, eine Mohammed-Karikatur auf einem Plakat.

Hier zeigt sich, dass Pegida sich mittlerweile erstaunlich oft um sich selbst dreht: Alle betonen, keine Nazis zu sein. Und dass Pegidas Gegner nur Lügen verbreiten würden. Und dass die Medien nie über die Forderungen von Pegida sprechen würden. Festzustellen ist, dass vor allem die Kögida-Organisatoren erstaunlich selten über die eigenen Forderungen sprechen. Die ersten sechs Punkte, die sich mit dem Asylrecht beschäftigen, werden trocken verlesen, das war es. In den Reden geht es ausschließlich um etwas anderes: Applaus für Horrorgeschichten über die Extremsten der extremen Islamisten zu erheischen.

Auch in Köln sind viele Demo-Teilnehmer eher über 50, meist männlich und erklären den Islam pauschal zur "gefährlichen Ideologie". Sie behaupten, deutsche Medien ignorierten die Christenverfolgung in muslimischen Ländern und raunen im Wegdrehen auch mal etwas von "Befehlsempfänger der Wall Street". Eine weitere große Gruppe neben den älteren Herren mit Wut im Bauch sind in Köln junge Männer mit wenig Haaren auf dem Kopf. Sie tragen Bomberjacken, die keinen Zweifel lassen, welcher Szene sie angehören: "Hooligan" steht auf einer, "Lonsdale" auf anderen. Ein Ordner trägt einen Pulli von Thor Steinar, der Marke, die von Rechten geliebt, von vielen anderen geächtet wird.

Der "Spaziergang" wird abgesagt

Die Hooligans rufen ihren Schlachtruf "Ahu, Ahu", der Veranstalter bittet sie, doch lieber "Wir sind das Volk" mit ihm zu rufen. Zu einem Zwischenfall kommt es am Rande, als die Polizei nach eigenen Angaben bewaffnete und vermummte Gegendemonstranten davon abhalten muss, den Platz zu stürmen.

Die Kögida-Organisatoren entscheiden sich am Ende, nicht durch Straßen voller dunkler Fenster zu marschieren. Weil Gegendemonstranten eine Brücke auf der geplanten Route besetzt haben, sagen sie ihren "Spaziergang" ab.

Das weltoffene Köln hat also gewonnen, das dient auch derer Selbstvergewisserung. Denn die Kölner wollten vorbereitet sein, um sich einen Schock wie Ende Oktober zu ersparen. Damals griffen am Bahnhof 4000 Hooligans 1300 überforderte Polizisten an. Das Selbstverständnis der Stadt war erschüttert. Hier lobt man sich gern selbst für die eigene Toleranz, von der Homosexuellen-Szene über die Integration der türkischen "Gastarbeiter", die in den Ford-Werken geschuftet haben, bis zum Karneval. Dass es auch hier Nazis gibt, übersehen manche Kölner gern.

Nachdem der Zug zum Dom abgeblasen ist, rufen viele Kögida-Demonstranten: "Wir wollen marschieren!" Demo-Anmelder Sebastian Nobile, seit Längerem in der islamfeindlichen Szene aktiv, widerspricht: Es sei jetzt Zeit, nach Hause zu gehen. Nach kurzer, aber heftiger Diskussion haben die Demonstranten ein Einsehen. Sie singen noch "Die Gedanken sind frei", dann befreien sie den Platz binnen Minuten von sich selbst.

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