Enthüllungen über Ex-Präsident Bush:Sprachlos in Washington

Was dachte George W. Bush über Hillary Clintons Allerwertesten? Redenschreiber Matt Latimer hat sich viele Notizen in den Jahren der Bush-Präsidentschaft gemacht - und ein Buch geschrieben.

Reymer Klüver

Es sind die Geschichten, wie sie Washington liebt. Klatsch und Tratsch und jede Menge üble Nachrede. Man kann lesen, was ein Präsident, wenn auch ein abgehalfterter, wirklich denkt.

Bush

Bushs Redenschreiber plaudert aus dem Nähkästchen. Zum Beispiel: "Der Kerl hat keine Ahnung", soll der einstige Präsident über seinen Nachfolger gesagt haben.

(Foto: Grafik: sueddeutsche.de)

Man kann Mäuschen spielen und erleben, wie es tatsächlich zugegangen ist hinter den Kulissen im Weißen Haus. Und nicht zuletzt bestätigt da einer, dass alles nicht nur so war, wie man es immer schon geahnt hat, in George W. Bushs innerstem Machtzirkel, sondern noch viel, viel schlimmer.

Matt Latimer war einer der Skribenten in Bushs Redenschmiede. Er war nicht wirklich wichtig, aber bedeutend genug, um einiges mitzubekommen. Darüber hat er nun ein Buch geschrieben: "Speech-Less". Der Buchtitel hat im Englischen einen Doppelsinn. Zum einen bedeutet er schlicht und einfach: sprachlos. Zum anderen heißt es aber auch: "ohne Rede", womit ein Redenschreiber zweifellos andeuten will, dass er jetzt einmal nicht für die Galerie sprechen wird, sondern Klartext reden will.

Ungenierte Plaudereien

Und tatsächlich hat es manchem in Washington den Atem verschlagen, ob der Ungeniertheit, mit der Latimer aus den letzten Jahren der Bush-Regentschaft plaudert. Eines ist sicher: Er muss sich ziemlich viel Notizen gemacht haben in jener Zeit.

Zum Beispiel darüber, was Bush von seinem Nachfolger hält - nicht ganz überraschend - eher wenig: "Diese Welt steckt voller Gefahren", hat er seinem Redenschreiber über Obama anvertraut, "und dieser lässige Typ ist nicht im Entferntesten dafür qualifiziert, mit ihnen fertigzuwerden. Der Kerl hat keine Ahnung."

Auch Bush ging davon aus, dass Hillary Clinton das Rennen ums Weiße Haus machen würde. Und er hielt sich mit Komplimenten nicht zurück: "Wartet nur, bis sie mit ihrem fetten Arsch hinter diesem Schreibtisch sitzt." Zum heutigen Vizepräsidenten Joe Biden, der sich schon manches Mal mit unbedachten Äußerungen um Kopf und Kragen geredet hat, fiel ihm ebenfalls eine deftige Sottise ein: "Wenn Scheiße Geld wäre, er wäre Milliardär." Aber auch Parteifreunde behandelte Bush kaum schonender.

Zu denken mag einem eine andere Erinnerung Latimers geben. Der Vorschlag, der Harry-Potter-Erfinderin J. K. Rowling die Presidential Medal of Freedom, den höchsten zivilen Orden der USA, ob ihrer Verdienste um die populäre Jugendkultur zu verleihen, wurde im Weißen Haus ganz ernsthaft mit dem Argument abgeschossen, dass ihre Bücher schließlich der Hexerei Vorschub leisteten.

Und in der Tat völlig sprachlos ist man dann, dass Bush, kurz bevor er vor die Nation treten soll, um im Herbst vergangenen Jahres den Rettungsplan seiner Regierung zu erläutern, seine Redenschreiber nach Lektüre des Manuskripts fragt: "Warum habe ich diesem Vorschlag zugestimmt, wenn ich ihn selbst nicht verstehe?"

Überhaupt lässt Latimer aus dem direkten Umfeld Bushs niemanden wirklich gut wegkommen. Nicht untere Chargen so wie ihn, die er abwechselnd als Kriecher oder Schmarotzer zeichnet. Vor allem aber nicht die Topleute. Über Stabschef Josh Bolten schreibt er: Ein Termin bei ihm sei so, "als würde einem ein Doktor mit kalten Fingern den Mastdarm untersuchen".

Da klingt es fast harmlos, was ihm zu Dan Bartlett, einem der engsten Ratgeber Bushs, einfällt. Bartlett sei zu seinem Posten gekommen, weil ihn der Präsident mochte, "nicht weil er übermäßig qualifiziert war". Und Karl Rove, den Chefstrategen im Weißen Haus, macht der Redenschreiber zum Herrn der Finsternis: "Er war, was die Linken immer behauptet haben: ein bösartiger Kerl. Aber, und das macht die Sache nicht besser, einer, der sich dabei auch noch ziemlich tölpelhaft anstellt."

Unglückliche Bushies

Dass die Bushies über die Indiskretionen eines Unterlings im Weißen Haus nicht wirklich glücklich sind, ist nicht weiter verwunderlich. Wie sehr sie sich ärgern, illustriert vielleicht am besten der Umstand, dass Latimers ehemaliger Chef, William McGurn, ein Editorial im Fachblatt für rechtschaffene Republikaner untergebracht hat, dem Wall Street Journal. In dem keilt er zurück und schreibt über seinen einstigen Untergebenen lapidar: "Er war ein Versager."

Latimers Pamphlet ist übrigens nicht das einzige Enthüllungsbuch, das die Washingtoner Politzirkel gerade beschäftigt. Die gesamten acht Jahre seiner Amtszeit über hatte Präsident Bill Clinton, Bushs demokratischer Vorgänger, dem befreundeten Historiker Taylor Branch immer wieder Interviews gewährt. Die Mikro-Kasetten hält Clinton unter Verschluss. Doch hat auch Branch nach jedem Treffen Aufzeichnungen gemacht, die er nun zu einem Buch zusammengestellt hat. Und so kann man erfahren, dass sich Clinton und Al Gore nach dessen Wahlniederlage im Jahr 2000 zwei Stunden lang angebrüllt und wechselseitig die Schuld an der Wahlniederlage zugeschustert haben.

So viel Aufsehen wie Latimers Werk rufen diese Geschichtchen allerdings nicht mehr hervor. Latimer arbeitet gerade zusammen mit Bushs einstigem Verteidigungsminister Donald Rumsfeld an dessen Erinnerungen. Es wird bestimmt lustig, wenn er anschließend seine Notizen über Rumsfeld veröffentlicht.

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