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Dreikönigstreffen der FDP:Trügerische Treueschwüre

Warum niemand den Mut hat, sich an die Spitze der Bewegung "Stürzt Westerwelle" zu stellen - und die FDP trotz ihrer Unzufriedenheit mit ihrem Parteivorsitzenden Geschlossenheit demonstrieren wird.

Guido Westerwelle ist ein fabelhafter Redner. Das attestieren dem FDP-Vorsitzenden selbst die vielen, die sonst überhaupt nichts von ihm halten. Doch die Erwartungen, die in den eigenen Reihen an seine Dreikönigsrede im Stuttgarter Staatstheater an diesem Donnerstag geknüpft werden, würden selbst einen Westerwelle auf dem Gipfel der Beliebtheitskurve überfordern. Einen Kurswechsel soll sie einleiten, einen Neuanfang markieren, sie soll der Partei den Weg aus dem Tal der Tränen weisen.

"Die Latte so hoch zu legen bei jemandem, der für die FDP die größten Erfolge erzielt hat, gehört sich nicht", meint der schleswig-holsteinische Landeschef Jürgen Koppelin. "Das ist einfach unfair. Das kann nicht gut gehen", fügt Koppelin an, der auch stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion und nebenbei ein enger politischer Partner des notorischen Westerwelle-Kritikers Wolfgang Kubicki ist.

Genau dieses, das Scheitern, haben vermutlich jene im Sinn, welche die Ansprüche in den letzten Tagen so hoch geschraubt haben. Offen wie nie zuvor haben FDP-Mitglieder - vom Kreisvorsitzenden über ehemalige Staatssekretäre bis hin zum hessischen Landeschef und stellvertretenden Ministerpräsidenten Jörg-Uwe Hahn - Westerwelle den Rückzug vom Parteivorsitz nahegelegt.

Viele Liberale sind der Meinung, dass die FDP mit Westerwelle an der Spitze die Wende nicht mehr schafft. "Er kann machen, was er will", analysiert jemand aus der Führungsetage, der nicht genannt werden will. "Ob es um den Abzug aus Afghanistan geht oder um seinen Einsatz für die beiden im Iran festgehaltenen Reporter, er wird nicht mehr für voll genommen. Er ist durch", lautet das vernichtende Urteil.

Aber niemand traut sich offenbar, ihm das in dieser Deutlichkeit zu sagen. Das überlässt man lieber den Medien und deren meist anonymen Informanten. Und er selbst? Westerwelle rühmt sich, schon durch manches tiefe Tal gegangen zu sein. In stürmischer See werde er an Deck bleiben, hat er kürzlich noch angekündigt. Die Meinung des rheinland- pfälzischen Landtags-Spitzenkandidaten Herbert Mertin, dass er der FDP wie ein Klotz am Bein hänge, teilt Westerwelle offenkundig nicht.

Zumindest in diesem Punkt, so die einhellige Prognose der Kundigen, dürfte Westerwelles Auftritt im Staatstheater Klarheit schaffen: Er wird kämpfen. "Westerwelle hat die Härte und den Willen, den Turnaround zu schaffen", sagt Generalsekretär Christian Lindner. "Dabei hat er unsere Unterstützung."

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