Donald Trump und Kim Jong-un:Feuer, Wut und überdimensionierte Briefumschläge

Lesezeit: 5 min

Donald Trump und Kim Jong-un: US-Präsident Trump und Nordkoreas Machhaber Kim provozieren sich seit einem guten Jahr gegenseitig mit Raketentests und verbalen Attacken. Jetzt wollen sie sich überraschend treffen.

US-Präsident Trump und Nordkoreas Machhaber Kim provozieren sich seit einem guten Jahr gegenseitig mit Raketentests und verbalen Attacken. Jetzt wollen sie sich überraschend treffen.

(Foto: AFP)

Von Raketentests und angedrohtem Atomkrieg zum Gipfeltreffen: Die elfmonatige Beziehung von Trump und Kim ist bislang sehr wechselhaft verlaufen. Eine Chronologie.

Von Lilith Volkert

Drohungen, Raketentests, Annäherung, Absage, Zusage: Dem historischen Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machhaber Kim Jong-un sind elf Monate voll verbaler und militärischer Scharmützel vorausgegangen. Eine Chronologie.

4. Juli 2017

Am Nationalfeiertag der USA verkündet Nordkorea den ersten erfolgreichen Test einer Interkontinentalrakete, die Experten zufolge US-Gebiet erreichen könnte. Aber kann sie einen Atomsprengkopf transportieren, wie es Nordkorea behauptet? US-Präsident Trump schimpft auf Twitter über den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un: "Hat dieser Typ mit seinem Leben nichts Besseres anzufangen?"

28. Juli

Nordkorea reagiert mit dem Test einer zweiten Langstreckenrakete auf Trumps Ankündigung, weitere Sanktionen zu verhängen. Fünf Tage später feuern die USA eine Interkontinentalrakete in den Südpazifik ab.

3. August

Die US-Regierung erlässt ein Reiseverbot nach Nordkorea. Amerikaner, die sich in dem Land aufhalten, werden zur Rückkehr aufgefordert. Damit ziehen die USA Konsequenzen aus dem Tod von Otto Warmbier. Der Student war wegen des Diebstahls eines Propaganda-Posters in Nordkorea zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden und aus ungeklärter Ursache ins Koma gefallen.

8. August

Donald Trump droht Nordkorea wegen der fortgesetzten Raketen- und Atombombentests mit "Feuer und Wut, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat". Nordkorea kontert, das Militär ziehe einen Raketenangriff auf die Pazifikinsel Guam "ernsthaft in Erwägung". Dort befindet sich ein US-Militärstützpunkt. Trump twittert daraufhin, die Waffen der USA seien "gezielt und geladen".

3. September

Nordkorea nimmt seinen sechsten Atomtest vor. Angeblich wird erfolgreich eine Wasserstoffbombe gezündet.

5. September

Bei einer Abrüstungskonferenz in Genf sagt Nordkoreas Botschafter, sein Land habe ein "Geschenkpaket" für die USA geschnürt. Solange die Vereinigten Staaten auf "unverantwortliche Provokationen und nutzlose Versuche setzen", um Druck auf die Volksrepublik auszuüben, werden sie "weitere Geschenksendungen erhalten".

12. September

Die Vereinten Nationen verschärfen einstimmig die Sanktionen gegen Nordkorea. Der Öl-Import des Landes wird um 30 Prozent reduziert, Textilexporte sollen fast vollständig gestoppt werden. Ein vollständiges Öl-Embargo scheitert an den Veto-Mächten Russland und China. Kims Auslandsvermögen bleibt ebenso unangetastet wie seine Reisefreiheit.

19. September

In seiner ersten Rede vor der UN-Vollversammlung droht US-Präsident Trump mit der "totalen Zerstörung" Nordkoreas: "Die USA sind bereit, willens und fähig - aber hoffentlich wird es nicht notwendig sein". Über Kim Jong-un sagt er: "Der Raketenmann ist auf Selbstmordmission."

U.S. President Trump addresses the 72nd United Nations General Assembly at U.N. headquarters in New York

US-Präsident Trump bei seiner ersten Rede vor der US-Vollversammlung.

(Foto: REUTERS)

20. November

Die USA setzen Nordkorea wieder auf ihre Liste der Terror-Unterstützerstaaten. Das Land stand zwei Jahrzehnte lang auf dieser Liste, wurde aber 2008 im Laufe der Atomverhandlungen unter George W. Bush gestrichen.

29. November

Nordkorea testet nach eigenen Angaben die "stärkste Interkontinentalrakete", die das Land jemals entwickelt habe. Sie könne mit einem großen Atomsprengkopf bestückt werden. Nun liege das gesamte US-Gebiet in Reichweite der nordkoreanischen Armee, heißt es in den staatlichen Medien. Nordkorea habe sein "historisches Ziel" erreicht, eine Atommacht zu werden.

1. Januar 2018

Kim Jong-un sagt in seiner Neujahrsansprache: "Die gesamten Vereinigten Staaten liegen in Reichweite unserer Kernwaffen und auf meinem Schreibtisch steht immer ein Atomwaffenknopf." Donald Trump reagiert auf Twitter: "Jemand aus seinem verbrauchten und ausgehungerten Regime soll Kim bitte darüber informieren, dass auch ich einen Atomwaffenknopf habe, aber er ist viel größer und mächtiger als seiner, und mein Knopf funktioniert!"

14. Januar

Ein Mitarbeiter des Zivilschutzes löst auf Hawaii einen Raketen-Fehlalarm aus. Einwohner und Besucher des US-Bundesstaates erhalten gegen acht Uhr morgens folgende SMS: "Bedrohung durch ballistische Rakete Richtung Hawaii. Sofort Schutzraum aufsuchen. Dies ist keine Übung." Erst 38 Minuten später gibt es Entwarnung.

23. Februar

Donald Trump kündigt an, "das größte Maß an neuen Sanktionen gegen das Regime in Nordkorea (zu) verhängen, das es je gegeben hat". Sollten diese nicht wirken, wolle er den Konflikt weiter eskalieren, sagt er am Tag darauf. Diese "Phase zwei" werde "sehr hart und für die Welt sehr, sehr unerfreulich".

9. März

Kim Jong-un sagt einen vorläufigen Stopp der Atom- und Raketentests zu und lädt Donald Trump zu einem Gipfeltreffen ein. Dieser twittert: "Treffen wird geplant".

27. April

Kim und der südkoreanische Präsident Moon Jae-in treffen sich im Grenzort Panmunjom in der demilitarisierten Zone. Sie reichen einander lange die Hände, gehen symbolisch den Schritt über die Grenze nach Nord- beziehungsweise Südkorea. In einer gemeinsamen Erklärung kündigen sie danach an, dass bis Jahresende eine "dauerhafte und stabile" Friedensregelung gefunden werden solle. Die Halbinsel soll zudem atomwaffenfrei werden. Kim und Moon unterschreiben auch einen weiteren historischen Satz: "Es wird keinen Krieg mehr auf der koreanischen Halbinsel geben."

8. Mai

US-Außenminister Mike Pompeo fliegt nach Nordkorea, um das Gipfeltreffen zwischen Kim und Trump vorzubereiten. Er erreicht die Freilassung dreier US-Bürger, die wegen angeblicher Umsturzversuche in Nordkorea festgehalten wurden.

10. Mai

Trump twittert, das Gipfeltreffen mit Kim werde am 12. Juni in Singapur stattfinden.

15. Mai

Wegen Militärübungen der USA mit Südkorea droht Nordkorea mit einer Absage des Gipfels.

17. Mai

Trump versichert Pjöngjang, im Falle eines Abkommens werde es nicht zu einer Lösung nach dem Modell Libyens kommen. Wenn Nordkorea ein Abkommen unterzeichne, werde Kim Jong-un "sehr starke Sicherheiten" bekommen. "Wenn wir keinen Deal erreichen, dann wäre das das Modell", sagt Trump mit Blick auf die Entmachtung von Libyens früherem Machthaber Muammar al-Gaddafi, der später von Rebellen getötet wurde.

22. Mai

Trump stellt den Termin für den Gipfel wieder in Frage: "Es könnte sein, dass es nicht am 12. Juni klappt. Wenn es nicht zustande kommt, vielleicht kommt es später zustande."

24. Mai

Nordkorea sprengt nach Medienberichten wie angekündigt sein umstrittenes Atomtestgelände Punggye-ri. Die Schließung des in einer Bergregion liegenden Testkomplexes ist ein symbolischer Schritt, der die Bereitschaft zur Denuklearisierung demonstrieren soll.

24. Mai

Donald Trump verkündet seine Absage für das Gipfeltreffen in einem Brief an Kim. Trump schreibt, er habe sich sehr auf das Treffen gefreut. Leider habe Nordkorea jedoch in seinen letzten Statements "enormen Ärger und offene Feindschaft" erkennen lassen, er halte deswegen ein Treffen zum jetzigen Zeitpunkt für unangemessen."Ich habe gespürt, dass ein wunderbarer Dialog zwischen Ihnen und mir zustande kommt, und letztlich ist das der einzige Dialog, der zählt. Ich freue mich sehr darauf, Sie eines Tages zu treffen." Wenn Kim seine Haltung zu dem Gipfel noch ändern wolle, schrieb Trump, solle er nicht zögern, ihm zu schreiben oder ihn anzurufen.

24. Mai

Pjöngjang reagiert enttäuscht auf die Absage, hält aber die Tür zum Dialog offen. Nordkorea sei weiter "jederzeit" zu Gesprächen bereit, erklärt Vize-Außenminister Kim Kye-gwan.

25. Mai

Es seien "sehr gute Neuigkeiten, das warme und produktive Statement aus Nordkorea zu erhalten", schreibt der US-Präsident auf Twitter. Anschließend sagt Trump sogar zu Reportern in Washington, dass der Gipfel mit Nordkorea vielleicht doch noch am 12. Juni stattfinden könne. "Wir würden es gerne machen. Wir werden sehen, was passiert. Es könnte auch der 12. Juni sein."

26. Mai

Südkoreas Präsident Moon Jae-in vermittelt. Zum zweiten Mal trifft er sich mit Kim. Die neue Diplomatie zwischen den Ländern, die sich offiziell noch im Kriegszustand befinden, zeigt: Nordkorea ist nicht mehr so isoliert wie früher.

1. Juni

Kim Yong-chol, der ehemalige Geheimdienstchef Nordkoreas, besucht den US-Präsidenten im Weißen Haus. Er übergibt ihm einen überdimensionierten Briefumschlag mit einem Brief von Kim.

1. Juni

Acht Tage nach der Absage kommt die endgültige Zusage: Der historische Gipfel findet statt. Nach dem Treffen mit dem nordkoreanischen Gesandten sagt Trump im Weißen Haus: "Wir werden uns am 12. Juni in Singapur treffen."

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