Donald Trump Präsident der Fehltritte

Der US-Präsident ist kein Mann der leisen Töne, wie er immer wieder eindrucksvoll beweist.

(Foto: AP)

Trump kommt nach Europa - wird er auch diesmal einen Eklat verursachen? Eine Übersicht über die verbrannte Erde, die der US-Präsident bislang in aller Welt hinterlassen hat.

Von Thorsten Denkler, New York

Am Dienstag startet US-Präsident Donald Trump seine Europatour. Sie beginnt am Mittwoch mit der Teilnahme am Nato-Gipfel. In Brüssel wird er zudem mit EU-Vertretern zusammenkommen. Am Donnerstag geht es weiter zu einem Arbeitsbesuch nach London. Am Freitag wird er wohl auch die Queen kennenlernen. Und am 16. Juli will er in Helsinki den russischen Präsidenten Wladimir Putin erstmals auf einem Gipfel treffen. Die große Frage ist: Wird Trump bei einem dieser Termine wieder einen Eklat verursachen? Wird er seine Amtskolleginnen und -kollegen wieder vor den Kopf stoßen, wie er es so oft getan hat? Eine Übersicht über die verbrannte Erde, die Trump bislang hinterlassen hat.

15. Januar 2017 - Trump hält Nato für "obsolet"

Noch vor seinem Amtsantritt mischt der gewählte Präsident Donald Trump die westliche Verteidigungsallianz auf. In einem Interview mit der britischen Times und der deutschen Bild-Zeitung bezeichnet er die Nato als "obsolet". Unter anderem, weil sie angeblich nichts gegen Terror unternehme. Das hat unter den Nato-Partnern für Kopfschütteln gesorgt. Die Nato ist in vielen Anti-Terror-Einsätzen etwa im Kampf gegen den IS aktiv. Und das einzige Mal, dass die Beistandsklausel aktiviert wurde, war nach den Terroranschlägen auf die USA vom 11. September 2001. Im April 2017 nahm Trump das Wort nach einem Besuch von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg wieder zurück. Seine grundsätzliche Haltung zur Nato hat sich allerdings kaum geändert.

Trump zerstört die G 7 - mit einem Tweet

Der US-Präsident brüskiert diejenigen Staats- und Regierungschefs, die bisher Amerikas Verbündete waren. Der Wutanfall treibt vor allem Frankreich auf die Palme. Von Robert Roßmann mehr ...

20. Januar 2017 - Trumps Rede zur Amtseinführung

Die Rede dürfte manchen Staatslenker der westlichen Hemisphäre mal kurz durchgeschüttelt haben. Viele hatten nach einem brutalen Wahlkampf eher etwas Versöhnliches erwartet. Aber nicht, dass Trump noch nachlegen würde. Wer die Rede genau verfolgt hat, konnte damals schon all das erkennen, womit die internationale Staatengemeinschaft heute umgehen muss. "Für Jahrzehnte haben wir die ausländische Industrie reich gemacht auf Kosten der amerikanischen Industrie", sagte er. Die USA hätten die Armeen anderer Länder subventioniert, wo doch die eigene Armee in einem traurigen Zustand sei. "Wir haben die Grenzen anderer geschützt, aber nicht die eigenen." Und so weiter. Damit sei jetzt Schluss. "Von diesem Moment an wird es heißen: America first!" Seine Rede zur Amtseinführung wird als der Anfang vom Abschied der USA vom Multilateralismus in die Geschichte eingehen. Unter Trump verzichten die USA darauf, Führungsmacht der freien Welt zu sein.

23. Januar 2017 - Rückzug aus dem Transpazifischen Freihandelsabkommen

Alles war schon ausverhandelt, nur die Unterschriften fehlten noch. Aber Trump macht am 23. Januar 2017 ernst mit seiner America-First-Doktrin und zieht die USA aus dem Transpazifischen Freihandelsabkommen (TPP) zurück. Die anderen elf Vertragsstaaten lassen sich nicht beirren. Sie ratifizieren das modifizierte Abkommen im März 2018 unter neuem Namen (CPTPP oder auch TPP11). Trump scheint seinen Schritt jetzt zu bereuen, er will wieder mitmachen, stellt aber kaum akzeptable Bedingungen für die Teilnahme der USA. Die anderen Vertragsstaaten lehnen dankend ab.

27. und 28. Januar 2017 - Trump streitet sich am Telefon mit seinen Amtskollegen aus Mexiko und Australien

Mexikos damaliger Präsident Enrique Peña Nieto und der australische Regierungschef Malcolm Turnbull gehören zu den ersten Amtskollegen des neuen US-Präsidenten, die dessen unkonventionelle Gesprächsführung am Telefon erleiden müssen. Sie bekommen die volle Bandbreite des neuen Trump-Sounds zu hören. Das besondere an den Gesprächen: Trump beschimpft und maßregelt seine Gegenüber. Dem Mexikaner droht er quasi damit, mit US-Militär in sein Land einzurücken, um die kriminellen Banden dort zu bekämpfen. Außerdem überrascht er Peña Nieto mit der Drohung, Strafzölle auf mexikanische Waren zu erheben, sollte er nicht bereit sein, Trumps Mauer entlang der südlichen US-Grenze mitzufinanzieren. Seinem australischen Amtskollegen Turnbull wirft er vor, die USA über den Tisch gezogen zu haben, weil Obama zugestimmt habe, die Aufnahme von bis zu 2000 Bootsflüchtlingen zu prüfen, die auf einer Australien vorgelagerten Insel festsitzen. Trump wird in dem Gespräch so sauer, dass er zwischendurch einfach den Hörer auflegt. Mitarbeiter im Weißen Haus sind so entsetzt, dass Inhalte beider Telefonate fast umgehend öffentlich werden. Später sogar als Abschrift.

17. März 2017 - Trump verweigert Merkel den Handschlag

Über diese Szene wird in den USA bis heute gesprochen: Kanzlerin Merkel besucht zum ersten Mal den neuen Präsidenten in Washington. Es kommt zum obligatorischen Foto-Termin im Oval Office. Es ist der Handschlag-Termin schlechthin. Wenn Handschlag, dann hier. Es passiert nur nicht. Die Reporter werden ungeduldig, bitten um einen Handschlag, Merkel beugt sich zu Trump vor, um ihm zu signalisieren, sie wäre jetzt bereit. Er aber bleibt stoisch auf seinem Platz sitzen und schaut ins Leere. Merkel schaut ihn an wie sie ein kleines Kind anschauen würde, das die angebotene Eiscreme nicht will. Wer nicht will, der hat halt schon. Später heißt es, Trump habe die Bitte nach dem Handschlag schlicht überhört.

27. April 2017 - Trump droht, das Freihandelsabkommen mit Mexiko und Kanada zu kündigen

Es ist mal wieder ein Tweet, der die internationalen Partner in Unruhe versetzt.

Am 27. April 2017 schreibt Trump, er werde das Freihandelsabkommen Nafta mit Mexiko und Kanada aufkündigen, sollten keine Verbesserungen in seinem Sinne möglich sein. Schon im Wahlkampf hatte er gepoltert, Nafta sei der "schlimmste Deal, der je gemacht worden ist". Immerhin: Kanada und Mexiko lassen sich auf Neuverhandlungen ein. Die laufen aber sehr zäh und sind noch immer nicht abgeschlossen. Was wohl auch an der chaotischen Verhandlungsführung der USA liegt. Und wie es scheint, wird das modernisierte Abkommen nicht jene großen Änderungen beinhalten, die Trump sich gewünscht hat.