Rücktritt von James Mattis Die letzte Bastion der Vernunft fällt

Sich einfach aus Syrien zurückzuziehen, hat nichts mit verantwortungsvoller Außenpolitik zu tun. Verteidigungsminister Mattis hat das verstanden. Trump ist es egal.

Kommentar von Thorsten Denkler, New York

Es ist, als würde sich US-Präsident Donald Trump zum Jahresende noch mal so richtig in Rage regieren. Als müsse er unter Beweis stellen, wie furchtbar unberechenbar er ist. Und dass er auf den Rat anderer pfeift, wenn er die Dinge anders sieht.

Innenpolitisch sind ihm oft die Hände gebunden. Trump braucht Mehrheiten im Kongress, die er oft genug nicht hatte. Aber in der Außenpolitik kann er sich richtig austoben. Abzug der US-Truppen aus Syrien gegen den Rat praktisch aller, die sich mit der Sache auskennen? Kein Problem. Haut der Präsident einfach mal so per Tweet raus. Dass er damit die Kurden, viele Syrer und nicht zuletzt eine große Allianz von Staaten im Stich lässt, die sich auf die USA verlassen haben - interessiert ihn nicht.

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Verteidigungsminister James Mattis hat wohl deswegen jetzt hingeworfen. Trump solle sich jemanden suchen, der seiner Meinung ist, sagt Mattis. Er ist einer letzten im Kabinett von Trump, der ihm ab und zu mal widerspricht. Auch wenn er öffentlich fast jede Entscheidung von Trump verteidigt hat. Er ist am Ende eben ein treuer Soldat.

Als Trump die Entsendung von Truppen an die Grenze zu Mexiko anordnete, da geschah das gegen den Willen von Mattis. Der aber erklärte seinen Untergebenen nur: Das ist ein Befehl. Und wir befolgen Befehle.

Die Truppenverlegung an die Grenze ist ein teurer Unsinn, der Soldaten davon abhält, an Weihnachten ihre Familien zu sehen. Der Truppenrückzug aus Syrien aber wird wieder Menschenleben kosten. Sehr gut möglich, dass jetzt um die syrischen Kurdengebiete ein neuer Kampf entbrennen wird. Syriens Machthaber Baschar al-Assad wird die Gebiete zurückerobern wollen. Die Türkei will dort die Kurden vertreiben. Die Kurden wollen dort einen eigenen Staat errichten. Bisher waren die USA dort eine Sicherheitsgarantie für die Kurden, die im Kampf gegen den IS Seite an Seite mit den US-Soldaten ihr Leben riskiert haben.

In seinem Rücktrittsschreiben macht Mattis den Präsidenten auf die Werte aufmerksam, die ihn antreiben: Respekt vor den Verbündeten, Achtung vor internationalen Zusammenschlüssen wie der Nato. Und er verweist darauf, dass die USA, so groß und mächtig sie auch seien, ohne Verbündete nicht weit kommen. Der Präsident teilt offenkundig keine seiner Vorstellungen.

Einfach gehen, das ist unverantwortlich

Trump will nur alte Wahlversprechen einlösen, so unsinnig sie sein mögen. "America first", das heißt für ihn auch: Unter Trump verzichten die USA auf die Rolle des Weltpolizisten. Sie ziehen sich aus den Konfliktherden der Welt zurück. Es mag noch nachvollziehbar sein, dass sich Trump nicht in neue Konflikte hineinziehen lassen will. Aber schlicht zu gehen, das hat nichts mit verantwortungsbewusster Außen- und Sicherheitspolitik zu tun. Denn es waren die USA, die den Krieg in Afghanistan losgetreten haben. Es waren die USA, die mit dem Irakkrieg den IS erst haben entstehen lassen.

Mattis dürfte verstanden haben, dass das auch bedeutet, im Hier und Jetzt Verantwortung zu übernehmen. Trump ist das egal. Er hat sein Bauchgefühl. Und das sagt ihm "mehr als jemand anderes Gehirn", sagt er Ende November. Die USA, die Welt kann nur hoffen, dass Trump einen sehr guten Nachfolger für Mattis findet. Einen, der wie Mattis, die letzte Verteidigungslinie der Vernunft sein kann.

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