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Deutsche Kämpfer für den IS:Das Dschihad-Rätsel von Ibbenbüren

Pk Stadt Ibbenbüren

Ratlos im Angesicht des Terrors: Im Ibbenbürener Rathaus versuchen Vertreter muslimischer Gemeinden, die Radikalisierung dreier junger Männer zu erklären.

(Foto: dpa)

In Westfalen verschwinden drei junge Männer. Sie kämpfen im Nahen Osten für den Islamischen Staat. Der Fall zeigt, wie schwer sich muslimische Gemeinden mit radikalisierten Jugendlichen tun.

In Ibbenbüren sind sie stolz auf den Steinkohlebergbau und das Kartoffelfest "Tolle Knolle". In dem westfälischen Ort gibt es grüne Weiden und deutlich mehr Pferde als Salafisten. Doch letztere sind genug, um die 50 000-Einwohner-Stadt in Aufregung zu versetzen. Alles ist anders, seit die "Jungs" weg sind.

Die Jungs, wie sie hier manche nennen, sind drei türkischstämmige Deutsche zwischen 19 und 28 Jahren. Sie sind in den Nahen Osten abgehauen, um für den Islamischen Staat (IS) zu kämpfen. Die Miliz metzelt Andersgläubige nieder, sie hat Syrien und den Irak gesprengt. Die Angehörigen der Männer haben Angst, sie haben den Kontakt zu ihnen verloren.

Einer der Dschihadisten verschwindet Anfang des Jahres, zwei im Oktober. Eine Lokalzeitung schreibt von einem "Terrorzelle", der Verfassungsschutz spricht von "salafistischen Strukturen im Münsterland". Ibbenbürens muslimische Gemeinden sehen sich nun gezwungen, sich zu erklären, auch wenn keiner der drei Dschihadisten Mitglied bei ihnen war. Mit dem Bürgermeister haben sie am Freitag eine Pressekonferenz im Rathaus einberufen. Der Auftritt zeigt, wie hilflos Funktionäre aus dem muslimischen Mainstream dem Phänomen der radikalisierten jungen Männer oft gegenüberstehen.

Alle distanzieren sich von Gewalt

Gekommen sind unter anderem die Köpfe der albanisch-muslimischen Gemeinde, des türkischen Religionsverbandes Ditib, der konservativen Milli Görüs. Alle distanzieren sich von Gewalt und der radikalen Auslegung des Koran, der die Verschwundenen folgen. "Ich habe was dagegen, wenn der Islam mit diesen Bärten und schwarzer Flagge dargestellt wird", sagt Yilmaz Aktepe vom Verband islamischer Kulturzentren. Es geht den Teilnehmern nicht nur darum, die Ideologie zu verurteilen, sondern auch darum, vor einem Backlash zu warnen. Das Misstrauen der nichtmuslimischen Bevölkerung wachse spürbar, sagen sie. Dabei war man in Ibbenbüren so stolz auf die geglückte Integration der muslimischen Einwanderer.

Seit einiger Zeit wollten manche Männer der jüngeren Generation von Integration nichts mehr wissen. Sie ließen sich lange Bärte wachsen, trugen weite Hosen - der Stil vieler Salafisten. Die Religion ihrer Eltern lehnten sie ab, warfen ihnen vor: "Ihr lebt den richtigen Islam nicht!", erklärt Selcuk Özdemir. Er ist Sozialarbeiter, kennt sich in der türkischen Gemeinde aus.

Salafisten interpretieren den Koran nicht, sondern nehmen ihn als wörtliche Anleitung. Der Großteil von ihnen richtet lediglich sein eigenes Leben exakt an der Schrift aus. Ein Teil der Szene aber akzeptiert "menschengemachte" Gesetze nicht, weil sie ihrer Ansicht nach nicht das Wort Gottes sind. Und einige sind bereit, diese Vorstellungen mit Gewalt durchzusetzen. 450 Extremisten aus Deutschland sollen sich in Syrien und dem Irak dem IS angeschlossen haben, darunter auch einige Konvertiten aus christlichen Familien. Für die Region um Ibbenbüren prüft die zuständige Staatsanwaltschaft in Dortmund eine Zahl von Fällen "im unteren zweistelligen Bereich". Es geht um die "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat".

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