Gewalt im Irak Deutsche sprengen sich für IS in die Luft

Am 19. Juni steuert ein Selbstmordattentäter, wahrscheinlich Ahmet C., einen weißen Kleinwagen auf einen Checkpoint im Süden Bagdads. Im Untertitel des Propaganda-Videos zum Anschlag steht: "Abu Al-Kaa'Kaa' Al-Almani (der Deutsche), Gott sei ihm gnädig."

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Sie heißen "Almanis", kommen aus der Bundesrepublik und verüben für die Terrorgruppe "Islamischer Staat" Anschläge im Irak und in Syrien. Bundesinnenminister Thomas de Maizière ist alarmiert über die wachsende Zahl deutscher Selbstmordattentäter.

Von Georg Mascolo und Volkmar Kabisch, Bagdad

Die Anzahl der aus Deutschland stammenden Selbstmordattentäter, die im Irak und in Syrien Anschläge verüben, steigt nach Erkenntnis der Bundesregierung in besorgniserregendem Tempo. Nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR sind bislang mindestens fünf Anschläge sicher Tätern aus Deutschland zuzuordnen, drei bis vier weitere Attentate werden derzeit noch untersucht.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte: "Wir wollen nicht, dass aus Deutschland der Tod in den Irak gebracht wird. Der Export von Terror ist unerträglich und muss unterbunden werden." Fast alle Selbstmordaktionen deutscher Dschihadisten im Auftrag des Islamischen Staates (IS) wurden in diesem Jahr im Irak verübt, vor allem in den Kurden-Gebieten im Norden, aber auch in Bagdad. Die Täter sind nicht nur "Almanis", wie die Deutschen genannt werden, sondern stammen auch aus anderen europäischen Ländern.

Westliche Geheimdienste haben festgestellt, dass der Islamische Staat inzwischen gezielt aus dem Ausland eingereiste Kämpfer für Selbstmordanschläge einsetzt, auch aus propagandistischen Gründen. Die Anzahl der von Europäern verübten Anschläge soll sich nach Erkenntnissen westlicher Nachrichtendienste seit Anfang März vervierfacht haben. "Die Anzahl der Europäer nimmt stetig zu, sie werden gezielt angeworben und sind brutaler als die Araber", sagte der Sprecher der irakischen Streitkräfte, General Kassem Atta. In Bagdad haben die Behörden einen Mann verhaftet, den sie für einen hochrangigen IS-Funktionär halten. Dieser gestand, im Juli einen deutschen Selbstmordattentäter in den Süden Bagdads gefahren zu haben, wo der Deutsche einen Anschlag verübte, bei dem 54 Menschen starben.

"Müssen die Ausreisen von Radikalen unterbinden"

Die nordrhein-westfälischen Behörden gehen mit "großer Wahrscheinlichkeit" davon aus, dass es sich dabei um einen 21-jährigen Deutschen aus Ennepetal handelte, die Familie bestreitet den Vorwurf. Der 21-Jährige war erst kurz zuvor über die Türkei ausgereist und hatte sich dem IS angeschlossen. Der inhaftierte IS-Mann sagte weiter aus, er habe in einem Haus des IS in Falludscha drei weitere Deutsche getroffen, die noch auf ihren Einsatz warteten. Verfassungsschützer sehen die Selbstmordanschläge als Beleg für die hohe Gefährlichkeit der IS-Kämpfer.

Zwar habe es auch in Afghanistan Attentate Deutscher gegeben, aber nur vereinzelt. De Maizière spricht von einer "neuen Dimension". In der Debatte um deutsche IS-Kämpfer geht es zumeist nur um die Gefahr ihrer Rückkehr nach Deutschland. Der Chef des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes, Burkhard Freier, sagte: "Wir müssen die Ausreisen von Radikalen unterbinden, damit sie keine Selbstmordanschläge begehen." Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, sagte: "Wir schauen auf die Sicherheitslage in Deutschland, aber wir haben auch eine Verantwortung gegenüber den Menschen, die in Syrien und im Irak leben."

Die vollständige Geschichte über den jungen Deutschen Ahmet C., der bei einem Selbstmordattentat in Bagdad sich und 54 andere Menschen in die Luft gesprengt haben soll, lesen Sie auf der SEITE DREI der Mittwochsausgabe der Süddeutschen Zeitung oder in der digitalen Ausgabe für iPad, iPhone, Android, Windows 8 oder PC.