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Islamistischer Terror in Deutschland:BKA fürchtet "Anschlagsversuche"

Jörg Ziercke

"Panik ist nicht angebracht", sagt BKA-Chef Jörg Ziercke.

(Foto: dpa)
  • Der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, warnt vor Anschlägen islamistischer Terroristen in Deutschland. Zur Szene rechnet seine Behörde mittlerweile 1000 Personen.
  • Kurdische Peschmerga-Kämpfer erreichen die von IS-Kämpfern belagerte nordsyrische Stadt Kobanê.
  • Die irakische Armee rückt in die strategisch wichtige Stadt Baidschi ein.

Zahl der islamistischen Terror-Verdächtigen vedoppelt sich

Das Bundeskriminalamt (BKA) zählt aktuell etwa 1000 Menschen in Deutschland zum "islamistisch-terroristischen Personenpotenzial". Bei 230 von ihnen gehe man davon aus, "dass sie Straftaten von erheblichen Ausmaß begehen könnten", sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke der Zeitung Die Welt. Im Jahr 2010 seien es nur 120 sogenannte Gefährder gewesen.

Weitere 300 Personen führt das BKA demnach als "relevant". Bei ihnen nehme man an, "dass sie etwa bei der Vorbereitung eines Anschlags logistisch helfen könnten". Im Moment gibt es laut Ziercke 420 Ermittlungsverfahren und 650 Beschuldigte mit islamistischem Hintergrund.

Die größte Gefahr gehe derzeit von "fanatisierten Einzeltätern oder Kleinstgruppen" aus, erklärte der BKA-Chef im Interview. Er halte es für naheliegend, dass weitere Anschlagsversuche kommen könnten. Die Sicherheitsbehörden seien jedoch gut aufgestellt und würden mit aller Kraft versuchen, solche Pläne zu durchkreuzen. "Panik ist nicht angebracht", sagte Ziercke.

Die Vereinten Nationen sehen derweil einen nie dagewesenen Zulauf von ausländischen Kämpfern zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), bedingt durch die militärischen Erfolge der Dschihadistengruppe im Irak und in Syrien. Die Vereinten Nationen warnen, dass 15 000 Männer und Frauen in die beide Länder gezogen seien, um dort für die Terroristen oder andere extremistische Gruppen zu kämpfen. Darunter sind auch viele Deutsche.

Erneut Solidaritätskundgebungen für Kobanê geplant

Kurdische Gruppen haben am Samstag zu weltweiten Solidaritätsveranstaltungen für die bedrängte Stadt Kobanê im Norden Syriens aufgerufen. Auch in etlichen deutschen Städten sind Kundgebungen geplant, darunter in Berlin, Hamburg, Köln und Hannover. Teils werden dort mehrere tausend Menschen erwartet. Bei Kundgebungen und Demonstrationen gegen den IS war es in Deutschland in den vergangenen Wochen mehrfach zu Ausschreitungen zwischen Kurden und Jesiden auf der einen Seite und radikalen Muslimen auf der anderen Seite gekommen. Es gab aber auch friedliche Veranstaltungen.

Kurdische Kämpfer erreichen umkämpfte Stadt

Im Schutz der Dunkelheit haben die Verteidiger der nordsyrischen Stadt Kobanê die langersehnte Verstärkung erhalten. Ein Konvoi mit etwa 150 Peschmerga-Kämpfern aus dem Nordirak traf am Freitagabend mitsamt schwerer Waffen in der belagerten Kurdenhochburg ein, während Flugzeuge der internationalen Koalition Stellungen der Terrormiliz IS angriffen.

Die Extremisten belagern die Stadt seit Wochen. Ein Sieg in Kobanê wäre für den IS militärisch, vor allem aber auch symbolisch ein großer Erfolg, da selbst US-Luftangriffe sie nicht hätten aufhalten können. Die Regierung in Ankara hatte erlaubt, dass die Peschmerga-Kämpfer über ihr Staatsgebiet nach Kobanê verlegt werden dürfen. Sie tut sich jedoch mit jeder Hilfe für die kurdischen Volksschutzeinheiten dort schwer, da diese mit der kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden sind. Die PKK ist in der Türkei als Terrororganisation verboten.

Irakische Armee verzeichnet Erfolg gegen IS-Milizen

Die irakische Armee ist nach eigenen Angaben in die strategisch wichtige Stadt Baidschi eingerückt, die seit Juni in der Gewalt der Dschihadistenmiliz ist. Die Sicherheitskräfte hätten zwei Stadtteile eingenommen, sagte am Freitag ein ranghoher, der in der Provinz Salaheddin das Kommando führt. Baidschi liegt an der Hauptstraße zwischen Tikrit und Mossul nahe der wichtigsten Erdölraffinerie des Landes.

Die Rückeroberung der Stadt würde es erleichtern, die Raffinerie zu sichern, die seit Monaten von der Armee gegen wiederholte Angriffe der Dschihadisten verteidigt werden muss. An der Offensive zur Rückeroberung von Baidschi sind neben der Armee auch Milizen und Stammeskämpfer beteiligt.

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Der Angriff auf Baidschi musste am Freitag kurz unterbrochen werden, als IS-Kämpfer das Armee-Hauptquartier in der Universität von Tikrit attackierten. Drei potenzielle Selbstmordattentäter seien in ihren mit Sprengstoff beladenen Fahrzeugen getötet worden, hieß es von Seiten der Armee. Ein anschließender Angriff von IS-Milizionären konnte demnach abgewehrt werden.