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Deutsche Bahn:Stuttgart 21 kostet womöglich neun Milliarden Euro

Bahnchef Rüdiger Grube bei der Grundsteinlegung von Stuttgart 21 am vergangenen Wochenende. Das Projekt bleibe "im Rahmen von 6,5 Milliarden Euro", hatte er dort noch gesagt.

(Foto: AFP)

Stimmt die Schätzung des Bundesrechnungshofs, sind das 2,5 Milliarden Euro mehr, als die Deutsche Bahn plant. Ihr Chef Rüdiger Grube hatte noch vor Kurzem Kostensteigerungen ausgeschlossen.

Der Bundesrechnungshof hält eine weitere Kostenexplosion beim umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 für möglich. In einem geheimen Bericht sehen die Kontrolleure die Kosten des Vorhabens bei bis zu neun Milliarden Euro.

Im Gesamtwertumfang von derzeit sechs Milliarden Euro seien annähernd zwei Milliarden Euro Projektrisiken und Kosten nicht abgebildet, die im wirtschaftlichen Zusammenhang mit Stuttgart 21 stehen. So steht es in dem Bericht, der der Deutschen Presseagentur vorliegt.

Spekulationen sind damit bestätigt

Die Summe von rund sechs Milliarden Euro bezeichnet das von den Projektpartnern genehmigte Investitionsbudget. Als Risiken nennen die Prüfer mit den Genehmigungsbehörden noch nicht komplett abgestimmte Maßnahmen, etwa bei Brandschutz und Fluchttreppenhäusern im Tiefbahnhof.

Es sei auch noch offen, ob die Bauherrin Bahn eine Betriebsgenehmigung für die "erheblichen Längs- und Querneigungen der Gleise und Bahnsteige" erhalte. Die Gegner des Projekts hatten stets moniert, dass eine Neigung von sechs Metern auf 400 Metern Bahnsteig-Länge zu gefährlich für die Passagiere sei.

Weitere Kosten kommen nach Prognose der Kontrolleure durch während der Bauphase anfallende Zinsen für Fremdkapital in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro hinzu. Zuvor hatten der SWR und der Stern darüber berichtet.

Widerspruch zu den Äußerungen von Bahnchef Grube

Seit Längerem hatte es bereits Spekulationen um Kostensteigerungen bei dem umstrittenen Bauprojekt gegeben. Zur Grundsteinlegung am vergangenen Wochenende, der sowohl der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) als auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) fernblieben, waren diese wieder hochgekocht.

Vage hieß es bisher, die Kosten für Stuttgart 21 könnten sich laut Bundesrechnungshof auf insgesamt etwa zehn Milliarden Euro summieren. Nun haben sich diese Vermutungen konkretisiert.

Der Bericht des Bundesrechnungshofs steht in krassem Gegensatz zu kürzlichen Äußerungen von Bahnchef Rüdiger Grube. Dieser hatte noch am Wochenende betont, dass es keine Kostensteigerungen bei Stuttgart 21 gebe. "Selbst wenn alle Risiken eintreten, bliebe Stuttgart 21 im Rahmen von 6,5 Milliarden Euro", hatte Grube bei der Grundsteinlegung für den Stuttgart-21-Tiefbahnhof gesagt.

Der Bahnchef zeigte sich verwundert über die damals bereits gerüchteweise bekannte Prognose des Rechnungshofes. Die Kontrolleure seien weder auf der Baustelle gewesen noch hätten sie nach Daten und Fakten gefragt. Die Bonner Rechnungsprüfer wiesen Grubes Kritik zurück. Als Gründe für Kostensteigerungen nannten sie, "dass die DG AG Risiken nicht berücksichtigt, Chancen zu optimistisch bewertet und Projektkosten in den Konzern verlagert hat".

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