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Davos:Prinz Charles spricht beim Weltwirtschaftsforum

  • Auch am zweiten Tag steht auf der Jahreskonferenz des Weltwirtschaftsforums in Davos der Klimawandel im Vordergrund.
  • EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen warb für den Wirtschaftsstandort Europa, der sich für nachhaltiges Wachstum einsetze. Prinz Charles warb dafür, auf die Natur zu achten und sie als Grundstoff alles Wirtschaftens zu betrachten.
  • Den ersten Tag in Davos prägten US-Präsident Donald Trump und Umweltaktivistin Greta Thunberg.

Nach dem Auftakt des Weltwirtschaftsforums in Davos mit Umweltaktivistin Greta Thunberg und US-Präsident Donald Trump am Dienstag geht auch der zweite Tag hochkarätig weiter. Prinz Charles forderte in seiner Rede einen "Paradigmenwandel" in der Wirtschaft. Es sei Zeit, "den Menschen und den Planeten" in den Mittelpunkt der globalen Produktion zu stellen.

Der britische Thronfolger, der das Treffen in Davos zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder besuchte, schlug eine Initiative für Nachhaltigkeit vor. Er präsentierte einen Katalog mit zehn Punkten, die möglichst rasch umgesetzt werden sollten. Darin geht es unter anderem um eine treibhausgasneutrale Wirtschaft, um Investitionen in natürliche Werkstoffe und um den Versuch, die Verbraucher von den Vorteilen nachhaltiger Lösungen zu überzeugen. Die Menschheit müsse in Harmonie mit der Natur leben. "Wir dürfen einfach keine Zeit mehr verschwenden", sagte Prinz Charles. Die Zeit zu handeln sei jetzt.

Ökonomie "Ich werde die ganze Zeit gehört"
Weltwirtschaftsforum

"Ich werde die ganze Zeit gehört"

Greta Thunberg tritt am Dienstagmorgen bei einem Panel mit jungen Teilnehmern in Davos auf. Mit drei anderen Aktivisten diskutiert sie über den Klimawandel. Ihr Auftritt beeindruckt.   Von Meike Schreiber

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte in ihrer Rede zuvor für den Standort Europa geworben. "Wenn Sie mit Europa Geschäfte machen, haben Sie einen zuverlässigen Partner, der sich für eine nachhaltigere Welt einsetzt. Im Gegenzug fordern wir aber Fairness", sagte von der Leyen vor den Wirtschaftsvertretern.

Der Klimawandel sei derzeit das Hauptrisiko für die Wirtschaft, sagte die Kommissionspräsidentin weiter. Deswegen investiere die EU nun mit dem "Green Deal" in eine Wachstumsstrategie, die der Erde keine Ressourcen mehr nehmen solle. "Europa wird 2050 der erste klimaneutrale Kontinent sein", so von der Leyen. Für den "Green Deal" sind insgesamt für die kommenden zehn Jahre eine Billion Euro vorgesehen, wobei ein Drittel durch private Investitionen mit aufgebracht werden soll.

Die EU sehe auch Daten als erneuerbare Ressource, aus der Innovationen, Unternehmen und Jobs entstehen können. Gleichzeitig sei es wichtig, persönliche Daten zu schützen, so von der Leyen. Zudem habe Europa die Bedeutung einer stabilen Nachbarschaft erkannt. Auch in diesem Bereich wolle die EU künftig mehr investieren. Europa müsse besser darin werden, Krisen zu bewältigen, sagte von der Leyen. Der Konflikt in Libyen zeige, was Uneinigkeit und Zweifel anrichten.

Thunberg und Trump prägten Auftakt

Den Auftakt haben vor allem die Auftritte von Thunberg und Trump geprägt. "Die Welt steht in Flammen, falls ihr das nicht mitbekommen habt. Eure Untätigkeit heizt die Flammen stündlich an", sagte Thunberg in einem Debattenbeitrag. Sie forderte unter anderem, dass sofort alle Investitionen in die Gewinnung fossiler Brennstoffe gestoppt werden müssten.

US-Präsident Donald Trump hatte in seinem Beitrag vor allem die wirtschaftliche Entwicklung der USA in seiner Amtszeit gelobt. Über die Klimakrise, das eigentliche Hauptthema des diesjährigen Weltwirtschaftsforums, sprach der US-Präsident nicht explizit, versprach aber, sich der in Davos geplanten Baumpflanz-Initiative anzuschließen.

Die Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums gilt als einer der wichtigsten Treffpunkte für Spitzenpolitiker, Top-Manager und Wissenschaftler. Bei Debatten und vertraulichen Begegnungen geht es um Lösungsansätze für globale Herausforderungen, oft auch für konkrete Konflikte.

© SZ.de/Reuters/kit/cck
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