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Coronavirus in Südkorea:Studie: Jugendliche ähnlich infektiös wie Erwachsene

Coronavirus - Wiederaufnahme des Schulbetriebs NRW

Können von September an wieder alle Kinder und Jugendlichen täglich zur Schule?

(Foto: dpa)

Kanzleramtschef Helge Braun will eine Rückkehr zum normalen Schulbetrieb im September. Doch nach den Daten einer Untersuchung aus Südkorea könnte das riskant sein.

Von Christina Berndt und Marlene Weiß

Eine Studie aus Südkorea legt nahe, dass Jugendliche Covid-19 ähnlich stark verbreiten können wie Erwachsene, während Kinder unter zehn Jahren das Virus nur selten weitergeben. Frühere Arbeiten hatten weder Kinder noch Jugendliche als Treiber der Pandemie gesehen. Die Risiken einer möglichen Rückkehr zum regulären Schulbetrieb nach den Sommerferien bleiben demnach schwer abzusehen.

Im Interview mit der Bild am Sonntag hatte Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) sich für einen "weitestgehend normalen" Schulbetrieb im Herbst ausgesprochen. Der Staat müsse den Bildungsauftrag wieder komplett erfüllen, Schulen und Kitas die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleisten. Die Schulen müssten aber ein Hygienekonzept haben und sicherstellen, dass Kontakte etwa nur im Klassenverband bestehen.

Angesichts der Daten aus Südkorea ist jedoch nicht erwiesen, ob solche Maßnahmen größere Krankheitsausbrüche in Schulen verhindern können. Die Forscher hatten 59 073 Kontakte von 5706 Sars-CoV-2-Infizierten ausgewertet. Unter den Erstinfizierten waren 153 Heranwachsende mit knapp 700 Kontaktpersonen. Laut der Analyse steckten Kinder unter zehn Jahren selbst zu Hause nur rund fünf Prozent der Kontaktpersonen an, ältere Kinder mit knapp 19 Prozent aber mehr als die meisten Erwachsenen.

Experten bewerten die Arbeit als robust - "eine der besten Studien, die wir bislang zum Thema hatten", sagte Ashish Jha, Direktor des Harvard Global Health Institute, der New York Times. Die Studie sei ein weiterer Baustein, um die Rolle von Kindern und Jugendlichen in der Pandemie zu verstehen, sagte Klaus-Michael Debatin, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Universität Ulm, "eine endgültige Antwort aber gibt auch diese Studie nicht". Debatin ist einer der Autoren einer Studie, die 2500 Eltern-Kind-Paare auf Corona-Infektionen untersucht hat, mit dem Ergebnis, dass Kinder unter elf Jahren sich seltener anstecken und die Infektion wohl auch seltener weitergeben. Trotz der Größe der südkoreanischen Studie sei die Zahl der untersuchten Kinder und Jugendlichen relativ klein gewesen, sagte Debatin der SZ. Manche der Ergebnisse stünden im Widerspruch zu anderen Daten - etwa einer Analyse aus den Niederlanden, die Jugendlichen ebenfalls eine kleine Rolle bei der Verbreitung zuschreibt.

Auch die Erfahrungen aus anderen Ländern mit Schulöffnungen sind nicht eindeutig. So gab es in Israel Ausbrüche an Schulen mit teils Dutzenden Infizierten; die frühe Öffnung der Schulen im Mai könnte einer der Gründe dafür sein, dass das Land nun mitten in einer zweiten Welle steckt. Unter anderem in Dänemark hat die Wiederöffnung der Schulen dagegen offenbar nicht zu verstärkter Verbreitung des Virus geführt. Es sei daher wichtig, praktische Leitlinien zu entwickeln, mit denen Schulöffnungen möglich sind, ohne zu große Risiken einzugehen, sagte Johannes Hübner, stellvertretender Direktor der Kinderklinik der Universität München, der SZ.

© SZ vom 20.07.2020
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Kommentar von Christina Berndt

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