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Corona-Schnelltests:"Dieser Weg muss gegangen werden"

Bundesfamilienministerin Giffey in der Kita Abenteuerland

Ein Schnelltest, wie ihn Bundesfamilienministerin Giffey fordert.

(Foto: Soeren Stache/dpay)

Familienministerin Giffey macht Druck, stärker auf Selbsttests zu setzen. Auch aus der SPD-Fraktion kommt die Forderung nach einer Teststrategie.

Von Henrike Roßbach, Potsdam

Mit Blick auf die schleppend angelaufene Impfkampagne wächst der Druck auf Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), im Kampf gegen Covid-19 verstärkt auf Selbsttests zu setzen, die auch medizinische Laien anwenden dürfen. Familienministerin Franziska Giffey (SPD) sagte am Montag in Potsdam, solche Selbsttests seien ein Weg, die Zeit bis zur Impfung zu überbrücken, und dieser Weg müsse nun auch gegangen werden. "Da müssen wir Zeit und Kraft investieren."

Giffey hatte zuvor eine Potsdamer Kindertagesstätte besucht, in der sich das Personal selbst zwei Mal in der Woche testet. Die Stadt hat ein entsprechendes Programm aufgelegt; verwendet wird ein "Spucktest", der einfacher in der Anwendung ist als die bekannten Schnelltests, für die ein Abstrich tief in der Nase genommen werden muss.

"Wir sehen Vereinsamung, depressive Verstimmungen, Bildungslücken"

"Ich sag mal so: Spucken kann jeder", sagte Giffey bei ihrem Besuch. Der entscheidende Punkt sei nun die Zulassung von Laientests, dann könne man beim Testen in die Breite gehen und auch Kitakinder sowie Schülerinnen und Schüler testen. "Wir sehen die Risiken und Nebenwirkungen", sagte Giffey mit Blick auf den eingeschränkten Schul- und Kitabetrieb, "wir sehen Vereinsamung, depressive Verstimmungen, Bildungslücken, Gewichtszunahme."

Noch aber sind solche Laientests für den Hausgebrauch nicht zugelassen. Spahn hat zwar kürzlich die Medizinprodukte-Abgabeverordnung geändert, sodass Schnelltests nun auch ohne Arzt und außerhalb des Gesundheitswesens eingesetzt werden dürfen - allen voran beim Kita- und Schulpersonal. Einfache Tests für jedermann aber befinden sich derzeit noch in der Zulassung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Spahns Sprecher sagte am Montag, anders als in Österreich - wo vom 1. März an "Wohnzimmertests" kostenlos in den Apotheken verfügbar sein sollen - folge man in Deutschland bei der Zulassung nicht allein den Herstellerangaben. Stattdessen würden die Selbsttests evaluiert. Sie rechneten "nicht vor März" mit einer Zulassung. Auf die Frage, ob die Regierung schon vorab mit den Herstellern über Produktionskapazitäten verhandle, sagte der Sprecher: "Wir müssen erst mal so lange warten, bis die Zulassung erfolgt, bevor wir eventuell darüber sprechen, wie man Kontingente sichern kann."

An dieser Vorgehensweise aber gibt es Kritik. SPD-Fraktionsvize Bärbel Bas sagte am Montag im Deutschlandfunk, ihr sei es wichtig, dass die Regierung die Laientests, die derzeit in der Zulassung seien, "jetzt schon" in eine Teststrategie aufnehme. Denn wenn nach der Zulassung insbesondere in den Kindergärten und Schulen getestet werden solle, müsse "eine Kapazität bestellt und gekauft werden, ähnlich wie bei den Impfstoffen". Das gehe ihr "im Moment zu zögerlich". Eigentests seien zwar nur eine Momentaufnahme, lieferten aber zum Teil zu 95 Prozent richtige Ergebnisse. Zudem lohne sich die Investition schon alleine dann, wenn auf diese Weise Superspreader mit hoher Viruslast herausgefiltert würden. Von Spahn erwarte sie deshalb, dass er "initiativ" werde.

Grünen-Chef Robert Habeck verlangte am Montag eine staatliche Abnahmegarantie für Selbsttests, damit sie in ausreichender Menge vorhanden seien. Aus der "nicht glücklich gelaufenen" Impfstoff-Beschaffung müssten Lehren gezogen werden.

© SZ/kit
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