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Coronavirus:Das sind die Ergebnisse des Impfgipfels

Bund und Länder haben entschieden: Impfstoff soll es auch für Kinder und Jugendliche geben, schon bald können sie sich um einen Termin bemühen. Die Beschlüsse im Überblick.

Von Philipp Saul

Die Corona-Inzidenzwerte fallen, immer mehr Menschen werden geimpft und schon bald könnte ein Impfstoff für Jugendliche zugelassen werden. Vor diesem Hintergrund hat Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder über den Fortschritt der Impfungen in Deutschland gesprochen. Das sind die wichtigsten Entscheidungen:

Impfstofflieferungen

Zur Impfung von Kindern und Jugendlichen will die Bundesregierung knapp 6,4 Millionen Dosen bis August bereitstellen. Dies geht aus einem Dokument des Gesundheitsministeriums hervor. Darin wird die Zahl der Zwölf- bis 18-Jährigen in Deutschland mit 5,3 Millionen angegeben. Gehe man von einer Impfbereitschaft von 60 Prozent aus, bestehe ein angenommener Bedarf für Erst- und Zweitimpfungen von jeweils 3,18 Millionen Dosen.

Die erforderlichen Dosen für Juni, Juli und August sollen den Ländern "schrittweise aus den Gesamtliefermengen" für diese Monate zur Verfügung gestellt werden, heißt es in dem Dokument. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) stellte klar, dass es keine zusätzlichen Dosen geben werde. Es werde beim Impfstoff "keinen Überfluss" geben.

Im kommenden Monat werden in Deutschland voraussichtlich mehr als 31 Millionen Corona-Impfdosen ausgeliefert, wie Daten des Gesundheitsressorts zeigen. Allein von Biontech werden im Juni mehr als 25 Millionen Dosen erwartet. Astra Zeneca und Johnson & Johnson kündigten Lieferungen hingegen nur kurzfristig an. Insgesamt wurden in den Ländern 88 Prozent der gelieferten Impfdosen verabreicht - die Spanne reicht von 76 Prozent in Brandenburg bis 98 Prozent in Bremen.

Impfungen für Kinder

Kinder ab zwölf Jahren sollen sich vom 7. Juni an um einen Impftermin bemühen können, vorausgesetzt die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA lässt den Impfstoff von Biontech/Pfizer für Jüngere zu. Sie will an diesem Freitag darüber beraten. Ausdrückliche Einladungen der Jugendlichen in die Impfzentren oder auch Reihenimpfungen in Schulen wird es nicht geben.

Die Gesundheitsminister hatten bereits zuvor als Ziel ausgegeben, dass bis Ende August alle Impfwilligen ab zwölf Jahren ein Impfangebot bekommen. In den letzten Augusttagen und Anfang September enden die Sommerferien in vielen Bundesländern und die Schule geht weiter. Sind bis dahin die meisten Kinder geimpft, könnte Präsenzunterricht mit deutlich weniger Einschränkungen verbunden sein als bislang. Bundeskanzlerin Merkel betonte, ein sicherer Schulbetrieb sei unabhängig davon zu betrachten, ob ein Kind geimpft ist oder nicht.

Auch für den Fall einer EMA-Zulassung behält sich die deutsche Ständige Impfkommission (Stiko) eigene Klärungen vor. Ihr Mitglied Rüdiger von Kries erwartet nicht, dass es eine allgemeine Impfempfehlung für alle Kinder geben werde. Er hatte am Dienstagabend gesagt, momentan wisse man kaum etwas über die Nebenwirkungen von Corona-Impfungen bei Kindern. Möglicherweise empfiehlt die Stiko den Impfstoff vorerst nur Jugendlichen mit Vorerkrankungen.

Ende der Priorisierung

Die Länder bereiten sich zudem auf das grundsätzliche Ende der Priorisierung der Impfungen am 7. Juni vor. Dann können sich alle Bürgerinnen und Bürger unabhängig von ihrer Risikogruppe für einen Impftermin registrieren lassen. Auch nach Aufgabe der Vorrangliste für den Impfschutz sollen allerdings Ältere, Menschen mit Vorerkrankungen und Angehörige bestimmter Berufsgruppen vorrangig geimpft werden, wenn sie bisher noch nicht an der Reihe waren, heißt es in dem Papier des Gesundheitsministeriums.

Die Länder könnten auch entscheiden, die Priorisierung in Impfzentren aufrechtzuerhalten. Mehr als 75 Prozent der über 60-Jährigen seien im Bundesschnitt mindestens einmal geimpft, mehr als 30 Prozent voll geschützt.

So ist der Stand der Impfungen in Deutschland

"Die gemeinsame Impfkampagne hat deutlich an Fahrt aufgenommen", sagte Merkel nach dem Impfgipfel. Zudem sinke die Zahl der belegten Intensivbetten und jene der Neuninfektion. "Bis zum Ende des Sommers wird jedem Bürger und jeder Bürgerin ein Impfangebot gemacht", sagte sie.

Am Mittwoch haben gut 1,1 Millionen Menschen eine Spritze erhalten, gut 43 000 mehr als am Mittwoch vor einer Woche. Insgesamt sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bisher 41,5 Prozent (34,5 Millionen) der Bevölkerung mindestens einmal geimpft und 15,7 Prozent (13,1 Millionen) vollständig. In den Bundesländern verzeichnet das Saarland die höchste Quote an mindestens Erstgeimpften mit 45,2 Prozent. Sachsen liegt mit 36,2 Prozent leicht hinter den anderen Bundesländern zurück.

Streit gab es im Vorfeld des Gipfels um die Verteilung von Impfstoff. Einige Länder sehen sich benachteiligt. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) kritisierten die Impfstoffverteilung unter den Bundesländern. "Brandenburg bekommt prozentual weniger als andere Länder", sagte Woidke dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Die Bundesregierung will den Ländern den zu wenig gelieferten Corona-Impfstoff nun ausgleichen, wie beim Impfgipfel bekannt wurde.

Die Impfzentren in den Ländern erhalten im Mai und Juni laut Bund zwischen 2,4 und 2,6 Millionen Dosen pro Woche. 65 000 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte beteiligen sich aktuell an der Impfkampagne.

Digitaler Impfpass

Anders als in manch anderem Staat gibt es in Deutschland kein zentrales Impfregister. Das könnte beim geplanten digitalen Impfpass zu Problemen führen.

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin, sagte nach dem Impfgipfel, dass es Ende Juni beziehungsweise Anfang Juli einen digitalen Impfpass geben werde. Bisher erfolgte Impfungen müssen nachträglich digital erfasst werden, was einen erheblichen Verwaltungsaufwand bedeutet. Ärztevertreter weigern sich bislang, diese zusätzliche Arbeit zu übernehmen.

Am Donnerstag wurde für den geplanten digitalen Corona-Impfnachweis in Potsdam ein bundesweiter Testlauf gestartet. In den kommenden Tagen werde der "kontrollierte Feldtest" auf Impfzentren in weiteren Bundesländern sowie Arztpraxen erweitert, sagte Gottfried Ludewig, Abteilungsleiter Digitales aus dem Bundesgesundheitsministerium. "Wir wollen sehen, wie die Abläufe laufen. Funktioniert es technisch? Läuft es aber auch in den Prozessen?", sagte Ludewig.

Die Einführung des freiwilligen Nachweises namens "CovPass" neben dem gelben Impfheft ist in Deutschland noch im laufenden zweiten Quartal vorgesehen, also bis Ende Juni - vor dem Beginn der Hauptreisezeit. Die Ergebnisse des Feldtests sollen noch vor dem bundesweiten Regelstart zur Weiterentwicklung der Anwendung genutzt werden.

Mit Material aus den Agenturen

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