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Chinas Präsident Xi bei Barack Obama:Mehr Nettigkeiten, mehr Konfliktstoff

US-CHINA-DIPLOMACY-OBAMA-XI

Xi Jinping und Barack Obama in Sunnylands

(Foto: AFP)

Ohne Formalien und Floskeln: In betont lockerer Atmosphäre empfängt US-Präsident Obama seinen chinesischen Kollegen Xi. Beim Klimaschutz kommen sich die beiden näher - doch in Sachen Cybersicherheit droht dauerhafter Konfliktstoff.

Etwas ist auf der Strecke geblieben beim Gipfeltreffen zwischen den beiden mächtigsten Männern der Welt: die Kleiderordnung. Barack Obama und sein Gast Xi Jinping zeigten sich ohne Krawatte, ja sogar ohne Jackett und mit hochgekrempelten Ärmeln.

Die lässige Kleiderordnung war Teil einer größeren Anstrengung, auf dem kalifornischen Anwesen Sunnylands eine unverkrampfte, gar entspannte Stimmung zwischen den Präsidenten der USA und Chinas herzustellen. Während der Vorbereitungen hatten die Hintersassen Obamas so viel vom Zwischenmenschlichen geredet, dass man den Eindruck hatte, sie wollten Obama und Xi verkuppeln. Die verbrachten am Freitag und Samstag dann insgesamt acht Stunden miteinander, darunter 5o Minuten bei einem Spaziergang zu zweit, wobei sie allerdings auf die Dolmetscher nicht verzichten konnten.

Wie nah sich die Männer gekommen sind, ist unklar, denn letztlich offenbart sich diese Nähe allein in einem Gefühl der beiden Präsidenten, dass sie einander vertrauen können. Reagan und Gorbatschow spürten das bei ihren Begegnungen in den letzten Jahren des Kalten Kriegs von Anfang an. Obama schien sich immerhin in der Nähe seines Kollegen Xi deutlich wohler zu fühlen als noch mit dessen Vorgänger Hu Jintao. Die von Höflichkeits- und anderen Floskeln gefüllten, förmlich starren und inhaltsleeren Gespräche mit Hu trieben Obama beinahe zur Verzweiflung.

Allerdings ist in jüngster Zeit mit den Nettigkeiten auch der Konfliktstoff angewachsen. Der größte hat mit den chinesischen Hackerangriffen zu tun, die Washington seit Monaten offen beklagt. Die US-Regierung macht Peking dafür neuerdings sogar unmittelbar verantwortlich, zumindest deswegen, weil es die Angriffe geschehen lasse. Vor dem Gipfel hatten Experten im Weißen Haus erklärt, dass jedes Land für das verantwortlich sei, was auf seinem Staatsgebiet geschehe.

Bei einer kurzen Pressekonferenz zu Beginn hatte Obama noch beschwichtigt: Das Hacker-Problem sei nicht kennzeichnend für das amerikanisch-chinesische Verhältnis, es bestehe auch zwischen anderen Staaten, und oft gehe es auch von Privatpersonen aus, nicht von Regierungen.

Die deutlichen Worte kamen dafür aus der zweiten Reihe. Nach dem Gipfeltreffen berichtete Obamas Nationaler Sicherheitsberater Thomas Donilon, wie sehr der Online-Diebstahl von Staats- und Industriegeheimnissen die Agenda beherrscht habe. Dies stehe jetzt "im Mittelpunkt" des Verhältnisses beider Länder. "Es ist kein Randthema mehr", sagte Donilon, und er warnte, dass es die Beziehungen insgesamt gefährden könne. Dies klingt nicht gerade so, als sei es Präsident Xi in Kalifornien gelungen, neues Vertrauen zu schaffen.