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Frauenanteil:CDU-Kompromiss zur Frauenquote in Parteivorständen

Konrad -Adenauer Haus, CDU-Logo , Parteizentrale der CDU in Berlin, BundesgeschâÄ°ftsstelle der CDU, . *** Konrad Adenauer

Die CDU peilt bis zum Jahresanfang 2025 eine Frauenquote von 50 Prozent an.

(Foto: Winfried Rothermel/imago images)

Nach langen Verhandlungen beschließt die Satzungskommission eine paritätische Besetzung bei Parteiämtern und Mandaten. Bei den Delegierten soll es eine dynamische Quote geben.

Die CDU-Spitze will vom Jahr 2025 an eine verbindliche Frauenquote von 50 Prozent bei Parteiämtern und Mandaten einführen. Darauf einigte sich die Struktur- und Satzungskommission am frühen Mittwochmorgen nach mehr als elf Stunden langen zähen Verhandlungen nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur mit 34 Ja- und 7 Nein-Stimmen sowie 5 Enthaltungen. Die Federführung bei der Suche nach einem Kompromiss hatte Generalsekretär Paul Ziemiak. Kritik kam vom CDU-Wirtschaftsrat. Die endgültige Entscheidung über die verbindliche Quote muss der für Anfang Dezember geplante Bundesparteitag in Stuttgart treffen.

Der Kompromiss zum Frauenanteil sieht vor, dass es eine schrittweise Anhebung der Quote für Vorstandswahlen ab der Kreisebene gibt. So soll vom 1. Januar 2021 an eine Frauenquote von 30 Prozent gelten und zum 1. Januar 2023 eine Quote von 40 Prozent. Zum Jahresanfang 2025 gilt demnach eine Frauenquote von 50 Prozent.

Die Regelung soll demnach für Gruppenwahlen von Vorständen etwa für stellvertretende Vorsitzende und Beisitzer gelten. Für Einzelwahlen von Vorsitzenden, Mitgliederbeauftragten oder Schatzmeistern auf Bundesebene soll die Regelung nicht gelten.

Quote orientiert sich am Mitgliederanteil

Von der Frauenquote soll nur dann abgewichen werden können, wenn nicht genügend weibliche Bewerber kandidieren. Wird die Quote in diesem Fall in einem ersten Wahlgang nicht erfüllt, ist dieser ungültig. Erst nach einem dritten Wahlgang darf dann ein eigentlich von einer Frau zu besetzender Platz leer bleiben.

Bei der Wahl von Delegierten für Parteitage auf Landes- und Bundesebene soll es eine dynamische Frauenquote geben. So soll hier vom 1. Januar 2021 an eine Quote von 30 Prozent gelten. Von einem weiblichen Mitgliederanteil ab 30 Prozent soll in Landesverbänden eine Quote von 40 Prozent gelten. Ab einem Mitgliederanteil von 40 Prozent Frauen soll es eine Quote von 50 Prozent geben. Hintergrund ist, dass Parteitage künftig realistischer als bisher die Mitgliedschaft abbilden sollen.

Bei Listenaufstellungen soll es von Anfang 2021 an bezogen auf die ersten zehn Plätze eine Quote von 30 Prozent Frauen geben. Ab 2023 ist demnach eine Quote von 40 Prozent vorgesehen, von 2025 an dann 50 Prozent. Mindestens auf jedem dritten Platz soll dann eine weibliche Kandidatin stehen.

"Lesben und Schwule in der Union" sollen festen Platz in der Partei bekommen

In einer weiteren Sitzung sprach sich die Kommission zudem dafür aus, die "Lesben und Schwulen in der Union" (LSU) als sogenannte Sonderorganisation fest in der Partei zu verankern. Es gab nach Informationen aus Teilnehmerkreisen 35 Ja- und eine Nein-Stimme sowie zwei Enthaltungen, berichten dpa und Reuters. Auch über diese Entscheidung müssen im Oktober noch der CDU-Bundesvorstand und Anfang Dezember der geplante Parteitag in Stuttgart abstimmen.

"Wir haben jetzt die Chance, unsere CDU in der gesellschaftlichen Realität ankommen zu lassen und uns endlich auch für die Rechte aller im Bereich LGBTQ einzusetzen", heißt es in einem Beschlussentwurf. Der Begriff LGBTQ steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle und queere Menschen. Mit der Aufwertung kann die LSU auch im Bundesvorstand vertreten sein und auf dem Parteitag Anträge stellen.

"Politische Elternzeit"

Die Kommission schlägt nach den Angaben aus Parteikreisen auch vor, eine "politische Elternzeit" einzuführen. Kinder dürften nicht zu einem Problem für politisches Engagement werden, heißt es zur Begründung. Auf allen Ebenen vom Ortsverband bis zum Bundesvorstand soll es nach diesem Vorschlag die Möglichkeit geben, Ämter für bis zu einem Jahr ruhen zu lassen und anschließend wieder wahrzunehmen. Eine Abwahl junger Eltern soll demnach in dieser Zeit nur mit einer Zweidrittelmehrheit möglich sein.

Die Struktur- und Satzungskommission der Partei einigte sich zudem darauf, die Parteiarbeit stärker als bisher an die Digitalisierung anzupassen. Demnach soll den 1001 Delegierten des Bundesparteitages unter anderem vorgeschlagen werden, Online-Parteitage rechtssicher zu verankern und digitale Gremiensitzungen zu ermöglichen. Außerdem sollen auf der Ebene der Kreisverbände Digitalbeauftragte im Vorstand eingeführt werden.

Kritik kommt aus dem Wirtschaftsrat der CDU

Der CDU-Wirtschaftsrat sieht die Pläne für eine verbindliche Frauenquote kritisch. "Bei der CDU frage ich mich, ob sie angesichts einer Bundeskanzlerin, einer EU-Kommissionspräsidentin und derzeit noch einer Parteivorsitzenden sowie drei von fünf Spitzen ihrer Bundesministerien in weiblicher Hand überhaupt diese Frauendebatte braucht", sagte die Präsidentin des CDU-nahen Verbands, Astrid Hamker, der Passauer Neuen Presse.

Mit Verweis auf Kanzlerin Angela Merkel und Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte Hamker: "Mir kommen Vorstöße wie der von Frau Merkel für die Wirtschaft oder der von Frau Kramp-Karrenbauer für die CDU ziemlich übermotiviert und unrealistisch vor." So wie keine Führungspositionen in den Betrieben von oben angeordnet werden könnten, so verhalte es sich auch mit Kandidatinnen in einer Partei.

© SZ/dpa/saul

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