bedeckt München

CDU Berlin: René Stadtkewitz:Zwischen Geert Wilders und Martin Luther

Der CDU-Abgeordnete Stadtkewitz will den niederländischen Rechtspopulisten Wilders einladen. Seine Fraktion will ihn rauswerfen. Stadtkewitz sagt: "Ich kann nicht anders."

F. Fuchs und M. Kolb

René Stadtkewitz hat der CDU in der Bundeshauptstadt schon viel Ärger eingebrockt. Vor Jahren zum Beispiel kämpfte der Berliner Abgeordnete gegen den Bau einer Moschee im Stadtteil Heinersdorf. Wegen Streitigkeiten um den Umgang mit dem Islam ist Stadtkewitz im Herbst 2009 auch aus der Partei ausgetreten, aber in der Berliner CDU-Fraktion verblieben und dort noch immer als baupolitischer Sprecher aktiv.

René Stadtkewitz

"Ich bin ja kein Martin Luther des Islam", sagt René Stadtkewitz. Er hat den umstrittenen niederländischen Politiker Geert Wilders nach Berlin eingeladen.

(Foto: dpa)

Jetzt droht ihm CDU-Fraktionschef Frank Henkel seinerseits mit Ausschluss aus der Fraktion - weil Stadtkewitz den niederländischen Rechtspopulisten und Islamkritiker Geert Wilders eingeladen hat.

Der Abgeordnete will mit Wilders am 2. Oktober über Islam und dessen Integration diskutieren. Er teile die Position von Wilders, "den politischen Islam als Ideologie zu kritisieren", sagt Stadtkewitz. Es gebe eine "Gewaltbereitschaft von radikalen Muslimen", auf die auch die CDU " zu schwach und auch zu tolerant" reagiere.

Frank Henkel hat von solchen Aussagen nun genug. Der CDU-Fraktionsvorsitzende und Berliner Parteichef fordert Stadtkewitz in einem Brief auf, die Einladung zurückzunehmen. "Herrn Wilders und seiner Partei geht es um die Dämonisierung einer ganzen Religion", schreibt er. "Als Vorsitzender kann ich nicht dulden, dass Mitglieder meiner Fraktion Personen zu Veranstaltungen einladen, die ein derartiges Gedankengut verbreiten."

Enfant terrible der niederländischen Politik

Geert Wilders ist seit Jahren das enfant terrible der niederländischen Politik. Seine "Partei für die Freiheit" (PVV), die den Islam eine faschistische Ideologie nennt und einen Einwanderungsstopp fordert, hat genau ein Mitglied: ihn selbst.

Bei der Parlamentswahl im Juni 2010 hatte Wilders, der den Propheten Mohammed als "Barbaren, Massenmörder und pädophil" bezeichnet, einen Riesenerfolg erzielt: Die PVV verdreifachte fast ihr Ergebnis und wurde zur drittstärksten Kraft. Seit Wochen bemüht sich der liberale Wahlsieger Mark Rutte vergeblich, eine Koalition zu bilden - und nun liegt Wilders' PVV wieder auf Platz eins in den Umfragen.

2008 sorgte er mit seinem Film Fitna für Aufsehen, in dem der Koran als Handbuch für Terroristen verunglimpft wird. Seither wird der 46-Jährige rund um die Uhr bewacht und polarisiert halb Europa: Als er den umstrittenen Film im britischen Unterhaus zeigen wollte, verweigerten ihm britische Behörden die Einreise - weil sie in dem Auftritt eine Bedrohung der nationalen Sicherheit sahen. Wilders inszeniert sich daraufhin als aufrechter Liberaler, der seine Meinung nicht vertreten dürfe. Noch immer läuft in den Niederlanden gegen ihn ein Verfahren wegen Volksverhetzung und Aufstachelung zum Hass gegen Muslime.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite