Terror-Ermittlungen in Castrop-Rauxel:Auch bei der zweiten Durchsuchung kein Gift

Am Wochenende nehmen Ermittler in Castrop-Rauxel zwei iranische Brüder fest. Sie sollen einen Anschlag mit Rizin und Zyanid geplant haben. Aber hatten sie die Giftstoffe überhaupt?

Von Christoph Koopmann

Am zweiten Tag in Folge rücken Spezialkräfte in Schutzanzügen in Castrop-Rauxel an. Diesmal in einem Hinterhof. Dort hatte nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden der Iraner Monir J. zwei Garagen angemietet. Ihn und seinen jüngeren Bruder hatten Einsatzkräfte in der Nacht auf Sonntag in einer Wohnung im Zentrum der Stadt festgenommen. Gemeinsam sollen die Männer einen Giftanschlag geplant haben. Hatten sie Chemikalien dazu in den Garagen gelagert?

Die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf geht davon aus, dass sie sich die hochgiftigen Stoffe Rizin und Zyanid besorgen wollten, um damit Menschen zu töten. Wie viele, wen, wann genau und wo - das wird noch ermittelt. Den entscheidenden Hinweis haben die deutschen Ermittler am Samstag von einer US-Sicherheitsbehörde bekommen. Noch in der Nacht durchsuchten Beamte in Schutzanzügen die Wohnung des 32 Jahre alten Monir J., aber dort fanden sie zunächst keine Giftstoffe.

Innenministerin Faeser warnt vor islamistischem Terrorismus

Und am Montag? In einer der beiden Garagen hätten die Einsatzkräfte ein verdächtiges Paket gefunden, sagte der zuständige Oberstaatsanwalt Holger Heming am Vormittag der Süddeutschen Zeitung. Wohnungen in der Nähe der Garagen wurden vorsorglich geräumt. Kurze Zeit später dann die Nachricht: wieder nichts gefunden, jedenfalls nichts "Beweisrelevantes", wie die Generalstaatsanwaltschaft mitteilte.

Sie geht derzeit von einem islamistischen Motiv der Brüder aus. Aus Chatverläufen des 32 Jahre alten Verdächtigen soll nach Angaben aus Sicherheitskreisen hervorgehen, dass er Sympathien für eine sunnitische islamistische Ideologie hegt. Hinweise auf eine Verbindung zu staatlichen Stellen in Iran, dem Heimatland der Verdächtigen, sehen die Ermittler derzeit nicht.

Die Brüder sind 2015 nach Deutschland gekommen. Der jüngere der beiden ist bereits 2019 wegen eines Mordversuchs zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Im Jahr zuvor hatte er von einer Brücke einen zehn Kilogramm schweren Ast auf die A45 geworfen - er traf das Auto einer Frau, die durch Glassplitter verletzt wurde. Wegen einer Suchterkrankung war der 25-Jährige zuletzt in einer Entziehungseinrichtung in Hagen untergebracht. Diese durfte er jedoch ab und an verlassen, um am Wochenende bei Verwandten zu übernachten. Diese Lockerung wird ihm vorerst verwehrt bleiben. Das Amtsgericht Dortmund hat gegen ihn und seinen älteren Bruder am Sonntagabend Haftbefehl erlassen.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) warnte angesichts des aktuellen Falls davor, die Gefahr durch islamistischen Terrorismus zu verdrängen. CDU-Innenexperte Alexander Throm reagierte mit Kritik: Schon wieder sei Deutschland nur durch einen Hinweis einer ausländischen Sicherheitsbehörde auf mutmaßliche Terroristen aufmerksam geworden. Schon bei einem anderen geplanten Giftanschlag war das der Fall gewesen: 2018 fanden Ermittler in der Kölner Wohnung des Tunesiers Sief Allah H. Rizin, das als biologischer Kampfstoff unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fällt. Der entscheidende Tipp kam damals von der CIA.

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