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Bundesamt für Migration und Flüchtlinge:Zahl der Asylsuchenden in Deutschland niedriger als angenommen

Asylbewerber im 'Ankunftszentrum'

In den Ankunftszentrum wie hier in Gießen, werden deutlich weniger Asylanträge aufgenommen als zuletzt.

(Foto: dpa)
  • Durch eine Umstellung der Datensysteme errechnet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) deutlich weniger Asylsuchende als bisher angenommen.
  • Seit April gab es monatlich nie mehr als 14 000 Registrierungen.
  • Bliebe das Niveau stabil, wäre die Zahl der Anträge deutlich unter der Forderung einer Obergrenze von 200 000, welche die CSU in die Debatte getragen hatte.

In den vergangenen Monaten wurden in Deutschland deutlich weniger Asylsuchende registriert als bisher angenommen. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) unter Berufung auf eine Aufstellung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Im September wurden etwa 13 000 Asylsuchende neu in Deutschland registriert. Seit April waren es in keinem Monat mehr als 14 000.

Bisher hatte die Bundesregierung deutlich höhere Zahlen genannt: jeweils etwa 16 000 für die Monate April bis Juli, 18 000 für den August. Die Korrektur hängt mit einer Umstellung der Datensysteme zusammen, nach der Mehrfachmeldungen nun ausgeschlossen sind.

Interessant sind die neuen Zahlen vor allem vor dem Hintergrund der Debatte über eine Begrenzung der Zuwanderung. Rechnet man das stabile Niveau seit April auf zwölf Monate hoch, ergibt sich eine Gesamtzahl von 162 000 Migranten - deutlich weniger als die von der CSU geforderte Obergrenze von 200 000. Allerdings liegt Deutschland im Kalenderjahr 2016 über dieser Grenze: Bis Ende September zählte das Bamf 210 000 neue Migranten. Von ihnen kamen 118 000 in den ersten beiden Monaten des Jahres, als die Balkanroute noch offen war. Im März fiel die Zahl auf 15 000 - die mazedonische Grenze war geschlossen, die Ägäis nach dem EU-Türkei-Abkommen abgeriegelt worden. Seitdem schwankt die Zahl der neuen Asylbewerber in jedem Monat zwischen 13 000 und 14 000.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatte am Freitag schon die Zahlen für 2015 deutlich nach unten korrigiert: Demnach kamen statt 1,1 Millionen Flüchtlingen 890 000 Menschen nach Deutschland.

Indes hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sein selbstgestecktes Ziel verfehlt, bis Ende September alle Flüchtlinge in Deutschland in einem zentralen Datensystem zu erfassen. In den meisten Bundesländern ist die Nach-Registrierung inzwischen abgeschlossen. Vor allem Hessen hinkt bei der Erfassung jedoch hinterher: 870 Asylsuchende wurden dort nach Angaben des Sozialministeriums noch nicht erkennungsdienstlich behandelt. Spätestens Mitte Oktober sollen dann auch in Hessen alle Flüchtlinge zentral registriert sein, wie Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) sagte. In Sachsen-Anhalt waren zuletzt noch knapp 80 Menschen nicht erfasst.

© SZ.de/dpa/pram/lkr

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