Slogan "Build Back Better":Johnson, Biden und die drei Bs

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COP26 Summit - Day Three

Es geht irgendwie um Aufbau, Infrastruktur, Klimaschutz, wenn Großbritanniens Premierminister Boris Johnson (l.) und US-Präsident Joe Biden von "Build Back Better" sprechen.

(Foto: Jeff J Mitchell/Getty Images)

In London wie in Washington begegnen einem zurzeit ständig diese drei Worte: "Build Back Better". Sowohl Boris Johnson als auch Joe Biden bewerben damit ihre Politik. Was soll das bedeuten? Und: Wer hat den Slogan zuerst verwendet?

Von Michael Neudecker, London

Boris Johnson scheut bekanntermaßen keine Mühen, seine Botschaften unters Volk zu bringen, es ist ihm egal, wie lächerlich er dabei bisweilen rüberkommt. Der Slogan, mit dem seine Tories aktuell bei jeder Gelegenheit ihre Politik betiteln, lautet "Build Back Better". Vor einiger Zeit veröffentlichte der Premierminister des Vereinigten Königreichs auf Social Media dazu ein paar verwackelte Videos. In einem bestreicht er einen Toast und kommentiert das, während der Slogan eingeblendet wird, so: "Build back butter." In einem anderen packt er einen panierten ("battered") Fisch aus, schiebt sich einen Bissen in den Mund und sagt: "Mmmmh, build back batter." Build Back populistisch, Johnson ist ein Meister dieser Disziplin.

Slogans sind idealerweise einprägsam und zeigen in wenigen Worten an, wofür der Politiker steht. Optimal ist es, wenn man sie in Sprechchören rufen kann. Barack Obamas "Yes we can" ist dafür das beste Beispiel in der jüngeren Historie. "Build Back Better" klingt nun allerdings - im Gegensatz zur deutschen Übersetzung, "Besser wiederaufbauen" - so eingängig, dass einem diese Worte nicht nur in London derzeit ständig begegnen. Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern hat den BBB-Slogan schon öfter benutzt, auch der frühere New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo, und in Washington befasst sich dieser Tage der US-Kongress mit Joe Bidens "Build Back Better"-Agenda.

Im Kern geht es in den Programmen hinter den drei Wörtern immer irgendwie um Aufbau, Infrastruktur, Klimaschutz und so weiter. Der Slogan ist so allgemein gehalten, dass er zu allem passt, was mit Verbesserung zu tun hat. Und damit zu allem, was Politiker tun wollen. Slogans, die nicht mehr eindeutig zuzuordnen sind, werden natürlich beliebig, also: Wer hat "Build Back Better" eigentlich zuerst gesagt?

Los ging das mit Boris Johnson, Biden und den drei Bs im vergangenen Jahr, als Johnson sie im Mai erstmals benutzte, wobei er an einem Rednerpult stand, auf das die Wörter "Build Build Build" aufgedruckt waren. Im Juli baute auch Biden den Slogan ein, weshalb ihn das Walkampfteam von Donald Trump des Plagiats bezichtigte. So gesehen sind sie aber alle Plagiatoren, Johnson, Biden und die anderen, denn der Slogan tauchte schon Jahre vorher erstmals auf: während einer UN-Konferenz 2015 in Japan, bei der es um Risikominimierung bei Naturkatastrophen und den Wiederaufbau ging. Es waren dann erneut die UN, die den Begriff das nächste Mal verwendeten, und zwar in einer Pressemitteilung im April 2020 zur Regeneration der Welt nach der Pandemie.

Wer nun bei den UN auf den Slogan gekommen ist, das findet der Sprecher des Generalsekretärs auf SZ-Anfrage "sehr interessant". Nur sei das schwierig herauszufinden, der Satz kursiere schon länger, und man könne ja doch nicht letztgültig garantieren, dass er tatsächlich von einem UN-Mitarbeiter erfunden wurde. Aber man sei "sehr erfreut", dass der Slogan so gut ankomme "und von so vielen Führungspersönlichkeiten auf der ganzen Welt verwendet wird". Es liege dabei, sagt der Sprecher noch, in der Verantwortung jedes Einzelnen von ihnen, dafür zu sorgen, dass aus den drei Wörtern auch Realität werde.

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