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Brexit-Referendum:Deutlich mehr Hassverbrechen in Großbritannien nach Brexit-Votum

Anti-Rassismus-Demonstration in London

Mit Plakaten und Transparenten wird in London gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit demonstriert.

(Foto: dpa)
  • Die Zahl der Hassverbrechen in Großbritannien hat sich seit dem Brexit-Referendum verfünffacht.
  • In einer Woche seien 331 Vorfälle gezählt worden - die Kriminalität richtet sich vor allem gegen Migranten.
  • Premier Cameron kündigte Maßnahmen gegen die rassistischen Übergriffe an.

In Großbritannien ist nach dem Brexit-Votum die Zahl der registrierten Hassverbrechen deutlich gestiegen. Wie die Zeitung The Times unter Berufung auf Polizeiangaben berichtet, hat sich der Wert mehr als verfünffacht.

Demnach sind seit dem Referendum vor einer Woche 331 Vorfälle gezählt worden. Zuletzt lag der wöchentliche Durchschnitt bei 63. Führende Religionsvertreter kritisierten den Anstieg und warnten vor Fremdenfeindlichkeit.

Laut der Vorsitzenden des zuständigen Polizeirats, Sara Thornton, richtete sich die Kriminalität vor allem gegen Migranten. Die Beamten hätten Beschimpfungen von Ausländern, fremdenfeindliche Kommentare in den sozialen Netzwerken und auf Flugblättern sowie in begrenzter Zahl auch körperliche Angriffe registriert. Thornton betonte, die Polizei werde diese Entwicklung im Blick behalten.

Londons Bürgermeister bittet Scotland Yard um Hilfe

Bereits in der Vergangenheit habe es nach politischen Entscheidungen einen Anstieg von Hasskriminalität gegeben. Meist hätten sich die Zahlen jedoch schnell wieder auf das vorherige Niveau reduziert.

Der britische Premierminister David Cameron hat Maßnahmen gegen die rassistischen Übergriffe angekündigt. "Wir werden alles tun, was wir können, um diese widerwärtigen Hassverbrechen aus unserem Land zu verbannen", sagte Cameron im Parlament in London. Auch Londons Bürgermeister Sadiq Khan hatte sich angesichts der Berichte über rassistische Übergriffe besorgt gezeigt. Er rief Scotland Yard dazu auf, besonders wachsam zu sein.

Brief von führenden Religionsvertretern an die britische Gesellschaft

Unterdessen appellierten führende Religionsvertreter in Großbritannien an die Gesellschaft, die durch das Brexit-Votum entstandene Unsicherheit nicht durch die Suche nach Sündenböcken zu kompensieren. Angst dürfe nicht zu Misstrauen und rassistischen Vorurteilen gegenüber Fremden führen, schreiben die Religionsführer in einem Brief an die Times.

Es liege in der Macht jedes Einzelnen, der Versuchung zu widerstehen, die Schuld bei anderen zu suchen. Unterzeichnet ist das Schreiben vom Oberhaupt der anglikanischen Kirche von England, Erzbischof Justin Welby, dem Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz von England und Wales, Kardinal Vincent Nichols, dem britischen Oberrabbiner Ephraim Mirvis und dem schiitischen Geistlichen Maulana Syed Ali Raza Rizvi.

© SZ.de/KNA/jana/mane

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