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Drastisches Sparen für Euro-Rettung:Wo Rajoy versagt

Er habe keine Wahl, sagte Rajoy - und wirkte dabei so, als ob er mit dem ausgereckten Daumen über die eigene Schulter deuten würde. Nicht ich, die sind's gewesen, die in Brüssel und Berlin.

Mittlerweile halten sogar die linksliberalen Kommentatoren den vor kurzem noch als "Technokraten" verfemten, italienischen Regierungschef Mario Monti für mehr als nur salonfähig. Der habe zumindest die Traute und die Ehrlichkeit gehabt, die Maßnahmen auf sich zu nehmen.

Am Mittwoch sagte Finanzminister Cristóbal Montoro im Parlament gleich mehrmals, dass Spanien kein Geld habe. "Wenn wir die Einnahmen nicht verbessern, laufen wir Gefahr, die Löhne nicht zahlen zu können."

Derweil nimmt die Temperatur auf den Straßen zu - dass man für die Rettung der teils abenteuerlichen Spekulationen der Banken zahlen muss, will immer weniger Spaniern einleuchten. Kein Tag vergeht, an dem nicht die Angestellten des öffentlichen Dienstes auf die Straße gehen und den Verkehr an neuralgischen Punkten der Metropolen für kurze Zeit zum Erliegen bringen.

Generalstreik erwartbar

Der große Aufgalopp aber ist für den Donnerstag geplant, da haben die Gewerkschaften zu zentralen Protesten aufgerufen. Es wird ein Gradmesser für das Volumen des Grolls der Spanier sein: Im Lichte der Teilnehmerzahlen wollen die Gewerkschaften entscheiden, ob sie im Herbst zum Generalstreik aufrufen - was allerdings unausweichlich sein dürfte.

Die Rezession wird sich jedenfalls nach Berechnungen der Regierung und des Internationalen Währungsfonds (IWF) auch im kommenden Jahr fortsetzen - und damit die Sparbemühungen konterkarieren. Der Druck der Märkte hat zuletzt nicht abgenommen, sondern ist bestenfalls gleichgeblieben, auf freilich unerträglichem Niveau.

Für zehnjährige spanische Staatsanleihen werden seit Mai fast sieben Prozent Zinsen gefordert. Der Wirtschaftswissenschaftler Xavier Sala i Martí rechnet nicht damit, dass Spanien die unlängst aufgeweichten Defizitziele erreichen werde; Spanien muss die Drei-Prozent-Grenze bekanntlich erst 2014 und nicht schon im Jahr 2013 meistern. "Wir werden schon bald über neue Kürzungen sprechen."