bedeckt München 11°

Atomtest in Nordkorea:USA drohen Nordkorea mit "massiver militärischer Reaktion"

Von Washington aus sendet US-Verteidigungsminister James Mattis klare Worte in Richtung Nordkoreas.

(Foto: AFP)

US-Verteidigungsminister Mattis macht klar, dass sein Land jede Bedrohung aus Nordkorea vergelten werde. Südkorea fordert härtere Sanktionen. Die Reaktionen auf den Atomtest.

Nordkorea hat trotz der harten Sanktionen aus dem Westen offenbar einen weiteren Atomwaffentest vorgenommen. Im Staatsfernsehen rühmte sich das abgeschottete Land für den mutmaßlich geglückten Versuch, eine Wasserstoffbombe gezündet zu haben. Kurz zuvor wurden Propagandbilder veröffentlicht, die Staatschef Kim Jong-un bei der Begutachtung einer raketenfähigen Wasserstoffbombe zeigen sollen. International herrscht Empörung über die Provokation aus Pjöngjang.

US-Verteidigungsminister James Mattis sagte, Washington werde jede Bedrohung seines Territoriums oder seiner Verbündeten durch Nordkorea mit einer "massiven militärischen Reaktion" beantworten. "Wir haben zahlreiche militärische Optionen", sagte Mattis vor dem Weißen Haus in Washington. "Wir haben die Kapazitäten, uns und unsere Verbündeten Südkorea und Japan zu verteidigen". Gleichzeitig betonte der Verteidigungsminister, Ziel der USA sei nicht die "totale Vernichtung" Nordkoreas.

Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump auf Twitter das Handeln Nordkoreas als "sehr feindlich und gefährlich für die USA". bezeichnet. Er nannte Nordkorea einen "Schurkenstaat, der zu einer großen Bedrohung auch für China geworden ist". Die USA sieht jegliche Provokation aus Nordkorea als Angriff auf die eigene Sicherheit. Auch neue Sanktionen werden offenbar vorbereitet: Ziel der Strafmaßnahmen sei es, Nordkorea von seinen verbliebenen Handelspartnern abzuschneiden, sagte US-Finanzminister Steven Mnuchin am Sonntag dem Sender Fox News. Anderen Staaten müsse klar gemacht werden, dass sie nur mit den USA Handel betreiben könnten, wenn sie Nordkorea wirtschaftlich isolierten. Jüngst war der Streit zwischen den beiden Ländern in einer "Feuer und Zorn"-Rede des US-Präsidenten Donald Trump eskaliert. Er hatte Nordkorea gedroht, dass auch in Zukunft eine "militärische Option" nicht ausgeschlossen werde.

Die USA haben zudem zusammen mit Japan, Frankreich, Großbritannien und Südkorea eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates beantragt. Das Gremium soll am Montag zusammenkommen. UN-Generalsekretär António Guterres hatte zuvor den nordkoreanischen Atomwaffentest scharf verurteilt. Dies sei "eine weitere schwerwiegende Verletzung" internationaler Abkommen, erklärte Guterres über einen Sprecher in New York. Er rief die Führung Pjöngjangs dazu auf, sich an ihre internationalen Verpflichtungen zu halten und derartige Handlungen einzustellen.

"Alle Möglichkeiten sind auf dem Tisch", sagte Japans Außenminister Taro Kono. Die Spannungen zwischen Japan und Nordkorea hatten sich Ende August verschärft, als Nordkorea eine Rakete über das Land hinweg ins Meer schoss. Zuvor hatte Japans Ministerpräsident Shinzo Abe erklärt, dass ein Atomraketentest "absolut inakzeptabel ist und wir stark dagegen protestieren müssen".

Südkorea hat den Atomtest aufs Schärfste verurteilt und dem Nachbarland eine "rücksichtslose Provokation" vorgeworfen. Die Regierung in Seoul forderte noch härtere internationale Sanktionen. Es würden alle diplomatischen Maßnahmen ergriffen werden, um Nordkorea komplett zu isolieren, hieß es in einer Mitteilung nach einer Dringlichkeitssitzung des nationalen Sicherheitsrats. Zusammen mit dem Verbündeten USA wolle man auch über die Verlegung "der stärksten taktischen Waffen" nach Südkorea diskutieren. Ob damit die erneute Stationierung von taktischen Atomwaffen gemeint war, blieb jedoch unklar.

Aus China kam Kritik aus dem Außenministerium. Dessen Sprecher äußerte "den entschiedenen Widerstand" der chinesischen Regierung, die den Atomversuch "energisch verurteilt". "Hören Sie auf mit fehlgeleiteten Aktionen, die die Situation verschlechtern", hieß es in einer Erklärung. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping äußerte sich bei einer Rede während der Eröffnung des diesjährigen Brics-Gipfels in der chinesischen Hafenstadt Xiamen mit keinem Wort zu dem Vorfall.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach von einer "Provokation", die eine "sehr feste" Reaktion der internationalen Gemeinschaft nach sich ziehen müsse.

Russland hat Nordkorea vor schwerwiegenden Folgen gewarnt. Der Test sei eine weitere demonstrative Missachtung der Vorgaben des UN-Sicherheitsrates durch Pjöngjang, teilte das Außenministerium in Moskau mit. "Unter diesen Bedingungen ist es unerlässlich, Ruhe zu bewahren und jegliche Handlungen zu unterlassen, die zu einer weiteren Eskalation der Spannungen führen." Das Ministerium sprach von einer ernsthaften Gefahr für den Frieden in der gesamten Region. Vizeaußenminister Sergej Rjabkow rief alle Beteiligten zu Verhandlungen auf.

Die EU-Außenminister wollen sich in der kommenden Woche mit dem Thema befassen, kündigte die EU-Außenbeauftragte Frederica Mogherini an. Die Botschaft der Europäischen Union sei klar: Nordkorea müsse seine Programme für nukleare Massenvernichtungswaffen und ballistische Raketenprogramme vollständig und nachprüfbar aufgeben, forderte Mogherini. Dies müsse unumkehrbar sein; alle damit zusammenhängenden Tätigkeiten müssten eingestellt werden. Sie verurteilte den Atomtest als schwere Provokation und eine ernste Bedrohung der regionalen und internationen Sicherheit. Die EU-Verteidigungs- und Außenminister kommen ab Mitte der Woche zu einem zweitägigen informellen Treffen in Estland zusammen, das derzeit den EU-Ratsvorsitz innehat.

© SZ.de/AP/dpa/mkoh
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema