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Atomkatastrophe in Japan:10.000-fach erhöhte Strahlung in zweitem Reaktor-Block

Die Lage im AKW Fukushima verschlimmert sich: Aus der Kraftwerks-Ruine dringt stark radioaktiv verseuchtes Wasser. Die Pegelstände der giftigen Pfützen sind teilweise schon meterhoch.

Rund um die Uhr kämpfen in Japan Techniker verzweifelt darum, die atomare Katastrophe einzudämmen - und den Super-GAU zu verhindern. Dennoch spitzt sich die Lage im havarierten Atomkraftwerk Fukushima zu. Unter den Bewohnern wächst die Angst vor einer radioaktiven Verseuchung rund um den Atomkomplex.

Nach dem Reaktorblock 3 ist nun auch im Wasser von Block 1 eine 10.000-fach erhöhte Strahlung gemessen worden, wie die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Betreiberfirma Tepco meldete. Die Arbeiter mussten sich erneut zurückziehen, die Kühlungsarbeiten standen still.

Aus der Ruine dringt offenbar stark radioaktiv belastetes Wasser. Es hieß, es könnte ein wichtiger Reaktormantel beschädigt sein. An vier Reaktorblöcken wurden inzwischen Pfützen von radioaktiv belastetem Wasser entdeckt. Kyodo berichtete, das Wasser könnte aus dem Reaktorkern oder den Abklingbecken für die abgebrannten Kernstäbe gesickert sein. Bereits am Donnerstag waren zwei Arbeiter im Block 3 in radioaktiv belastetem Wasser gestanden und verletzt worden, von Verbrennungen ist die Rede.

Das Wasser bei Reaktor 1 und 3 würde bis zu 40 Zentimeter beziehungsweise 1,5 Meter hoch stehen. In den Reaktorblöcken 2 und 4 werden die Pegel mit einem Meter beziehungsweise bis zu 80 Zentimeter angegeben.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sicherte Japan unterdessen den Beistand der internationalen Gemeinschaft zu. "Ich verspreche den Menschen und der Regierung von Japan, dass wir ihnen helfen, das Desaster zu bezwingen und sich von dem verheerenden Erdbeben sowie dem Tsunami zu erholen", sagte Ban nach einer Videokonferenz mit den Leitern von zehn Weltorganisationen.

Japans Regierungschef Naoto Kan hatte die Lage in Fukushima zuvor in einer Ansprache als "sehr ernst" bezeichnet. Zugleich versicherte er: "Die Regierung tut das Äußerste, um die Situation unter Kontrolle zu bringen".

Greenpeace-Atom-Experte Christoph Lieven sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Die Lage wird leider immer dramatischer." Die Kernschmelze finde sicherlich schon statt.

Die Umweltschutzorganisation drängt indes darauf, den Reaktorkatastrophe sofort in die höchste internationale Alarmkategorie einzustufen. Wegen der großen Menge freiwerdender Radioaktivität müsse die Internationale Atomenergiebehörde IAEA das Unglück nun als schlimmstmögliches Szenario der Stufe 7 auf ihrer Störfallskala ("katastrophaler Unfall") werten, erklärte Greenpeace. Aus der Atomanlage seien schon jetzt entsprechend große Mengen an Radioaktivität entwichen, teilte Greenpeace mit. Die japanischen Behörden sprechen bisher nur von Stufe 5.