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Terror in Wien:Deutsche bei Terroranschlag in Wien getötet

  • Bei einem Anschlag in Wien sind am Montagabend vier Menschen getötet worden - unter ihnen auch eine Deutsche.
  • 22 Personen wurden teils schwer verletzt.
  • Die Polizei hat den schwer bewaffneten Angreifer erschossen.
  • Der Ministerrat hat eine dreitägige Staatstrauer angeordnet.
  • Verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen hier im Newsblog.

Von SZ-Autoren

Bei dem Terroranschlag in Wien ist auch eine Deutsche getötet worden. "Wir haben jetzt die traurige Gewissheit, dass auch eine deutsche Staatsangehörige unter den Opfern des Angriffs in Wien ist", teilte Außenminister Heiko Maas mit. Bei dem Anschlag in der österreichischen Hauptstadt waren am Montagabend vier Menschen getötet und 22 teils schwer verletzt worden.

Der Attentäter, nach Behördenangaben ein 20 Jahre alter Sympathisant der Terrormiliz "Islamischer Staat", wurde von der Polizei erschossen. Nach Hausdurchsuchungen im Umfeld des Attentäters seien 14 Verdächtige vorläufig festgenommen worden.

Das Innenministerium in Österreich hat bislang keinen Hinweis auf einen zweiten Täter. Das gehe aus den bisherigen Ermittlungen und den Auswertungen von vielen der etwa 20 000 Videos hervor, die die Bürger der Polizei zur Verfügung gestellt hätten, sagte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) in Wien. Am frühen Morgen hatte Nehammer noch von "mindestens" einem islamistischen Terroristen gesprochen. Die Terrormiliz IS hat den Anschlag mittlerweile für sich reklamiert.

Der 20-Jährige war am 25. April 2019 zu 22 Monaten Haft verurteilt worden, weil er versucht hatte, sich dem IS anzuschließen, so Nehammer. Am 5. Dezember wurde er vorzeitig entlassen, da er als junger Erwachsener unter die Privilegien des Jugendgerichtsgesetzes (JGG) fiel. Dem Mann sei es gelungen, die Behörden über den Misserfolg seiner Deradikalisierung zu täuschen, so Nehammer. Es habe keine Warnhinweise gegeben.

Bei bei der Attacke handle es sich um eine "abscheuliche Tat" und "einen Anschlag auf die Freiheit und Demokratie der Republik Österreich", sagte Kanzler Sebastian Kurz. Er mahnte aber eine differenzierte Sicht auf den Fall an: "Es muss uns stets bewusst sein, dass dies keine Auseinandersetzung zwischen Christen und Muslimen oder zwischen Österreichern und Migranten ist", twitterte Kurz. "Dies ist ein Kampf zwischen den vielen Menschen, die an den Frieden glauben, und jenen wenigen, die sich den Krieg wünschen."

Sturmgewehr und Attrappe eines Sprengstoffgürtels

Der mutmaßliche Attentäter war Innenminister Nehammer zufolge mit einem Sturmgewehr bewaffnet gewesen und wurde am Dienstagabend um kurz nach acht von Polizeikräften in der Nähe der Ruprechtskirche erschossen. Ein vermeintlicher Sprengstoffgürtel habe sich als Attrappe herausgestellt.

Die Nachrichtenagentur dpa berichtete unter Berufung auf die österreichische Agentur APA, dass der 20-Jährige einen österreichischen und einen nordmazedonischen Pass besaß. Der Chefredakteur der österreichischen Wochenzeitung Falter, Florian Klenk, berichtete, dass der mutmaßliche Täter in Wien geboren und aufgewachsen sei. Er habe albanische Wurzeln. Seine Eltern stammten aus Nordmazedonien.

Dreitägige Staatstrauer in Österreich

Österreich ehrt die Opfer des Terrorakts mit einer dreitägigen Staatstrauer. Das beschloss der Sonder-Ministerrat am Dienstag in Wien. Sie gilt bis einschließlich Donnerstag. Die Ereignisse hätten das Land schwer erschüttert und betroffen gemacht.

Am Dienstag, dem ersten Tag der Staatstrauer, sollte um 12 Uhr eine "Minute des stillen Gedenkens" eingehalten werden. Auch die Schulen sollen zu Beginn des Unterrichts am Mittwoch eine Gedenkminute abhalten - für den Dienstag war die Schulpflicht ausgesetzt.

Am Dienstagabend gedachten führende Vertreter von Politik, Kirchen und Religionsgemeinschaften mit einem Gottesdienst im Wiener Stephansdom der Opfer.

Sechs Tatorte in der Wiener Innenstadt

Insgesamt hat es laut Polizei sechs Tatorte in der Wiener Innenstadt gegeben, alle in unmittelbarer Nähe der Seitenstettengasse. Die weiteren Tatorte waren offenbar am Fleischmarkt, am Morzinplatz, am Bauernmarkt, am Salzgries und am Graben.

Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) sagte, dass bei dem Angriff "wahllos auf Personen in den Lokalen" geschossen wurde - vor allem auf jene, die draußen saßen. Kurz vor dem Lockdown, der in Österreich in der Nacht zum Dienstag beginnen sollte, war die Innenstadt ungewöhnlich voll. Auf Videos, die der Privatsender Oe24 am Montagabend ausgestrahlt hatte, war ein maskierter Schütze zu sehen, der auf offener Straße Schüsse abfeuerte. Ein anderes Video zeigte eine große Blutlache vor einem Restaurant.

Regierungschef Kurz wollte einen antisemitischen Hintergrund angesichts des Tatorts nahe einer Synagoge in der Nacht nicht ausschließen. (Reaktionen auf den Angriff in der Wiener Innenstadt lesen Sie hier.) Von offizieller Seite gab es bislang keine Bestätigung zu Mutmaßungen, der Angriff habe der Wiener Hauptsynagoge gegolten, die in der Seitenstettengasse liegt.

Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) und oberster Vertreter der Juden in Österreich, Oskar Deutsch, schrieb auf Twitter, die Synagoge in der Seitenstettengasse sei "zum Zeitpunkt der ersten Schüsse nicht mehr in Betrieb und geschlossen" gewesen. Der SZ hatte Deutsch am späten Montagabend gesagt, dass an mehreren Orten nahe der Gemeinde Schüsse gefallen seien. "Offenbar haben die Täter unter anderem in eine Bar und in ein Restaurant geschossen." Als Vorsichtsmaßnahme blieben am Dienstag "alle Synagogen, jüdische Schulen sowie die Institutionen der IKG, koschere Restaurants und Supermärkte" geschlossen.

© SZ/saul/jobr/gal/odg
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