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Anschläge von Norwegen: Anders Behring Breivik:Hobbys: Computerspiele, Bodybuilding, Jagen

Bei Facebook nennt er als seine Hobbys: Computerspiele ("World of Warcraft"; "Modern Warfare 2"), Bodybuilding - und Jagen. Tatsächlich soll er legal zwei Waffen besessen haben, meldete die norwegische Nachrichtenagentur NTB, und habe einem Schützenverein angehört.

Breivik bezeichnet sich in seinem Profil als Christ und als konservativ. Er nennt seinen Lieblingsfußballclub, seine favorisierte Musikrichtung (Klassik und Vocal Trance) und listet ein paar seiner Lieblingsbücher und Autoren auf: Zu finden sind dort neben John Stuart Mills "On Liberty" große Literaten und Philosophen wie Shakespeare, Machiavelli, Hobbes, Homer, der amerikanische Psychologe und Philosoph William James, Kants "Kritik der reinen Vernunft" und Adam Smiths "Der Wohlstand der Nationen", George Orwells "1984" bis zu "Krieg und Frieden" von Leo Tolstoi.

Zudem schätzt er laut seines Profils den martialischen Film "300" des Kampfes der Spartaner gegen die Übermacht der Perser, der Spielfilm "Gladiator" und TV-Serien wie beispielsweise über den ebenso durchgeknallten wie liebenswerten Massenmörder "Dexter".

Als Aktivitäten nennt er unter anderem die Gründung und Entwicklung von Organisationen, Lesen und Schreiben sowie Reisen, Feiern - und Freimaurerei. Sein Interesse gelte politischen Analysen. Und diese offenbar in eine Richtung: der rechten. Der extremen Rechten.

Laut Medienberichten soll Breivik Kontakte zur rechtsextremen Szene in Norwegen unterhalten haben. So zitiert die Zeitung Verdens Gang einen Freund des Verdächtigen, demzufolge Breivik vor einigen Jahren zum Rechtsextremisten wurde und in Internetforen nationalistische Ansichten vertrat. Inzwischen ist klar, dass Breivik früher Mitglied der rechtspopulistischen Fortschrittspartei FrP und seiner Jugendbewegung war. Der Tatverdächtige sei zwischen 1999 und 2006 FrP-Mitglied gewesen, teilt die Partei inzwischen selbst mit. Zwischen 2002 und 2004 habe er eine verantwortliche Stellung innerhalb der Jugendorganisation FpU innegehabt.

Laut der in Stockholm ansässigen Expo-Stiftung, die rechtsextreme Aktivitäten überwacht, ist er seit 2009 in dem schwedischen Naziforum "Norddisk" angemeldet. Auf dem Internet-Portal ist ein breites Rechtsaußen-Spektrum vertreten - von Abgeordneten der rechtspopulistischen Schwedendemokraten bis hin zu Neonazis. Der Guardian berichtet, Breivik habe Kontakt zu antiislamischen Gruppen in Großbritannien gehabt.

Laut der Tageszeitung Dagbladet ist Breivik Mitglied der Johannes-Freimaurerloge St. Olaus T.D Tre Søile sei, in der er den dritten Grad erworben habe. Überprüfen lässt sich diese Informationen bislang jedoch nicht.

Wohl aber, dass er auf anderen Forumseiten seine Meinung vertrat und sich als entschiedener Gegner der Vorstellung outete, Menschen unterschiedlicher Herkunft könnten friedlich zusammenleben. Und, dass er extrem islamfeindlich ist.

So soll der mutmaßliche Attentäter norwegischen Medienberichten zufolge vor den Anschlägen ein 1500 Seiten umfassendes "Manifest" verfasst und im Internet veröffentlicht haben. Wie die Nachrichtenagentur NTB berichtete, soll es unter dem Titel "2083. A European Declaration of Indepence" unter dem Pseudonym Andrew Berwick veröffentlicht worden sein. Es handele unter anderem von "Rassenkrieg" und der Frage, wie Europa sich von Zuwanderern befreien könne. Als letzter Eintrag sei vermerkt: "Ich glaube, dies ist der letzte Eintrag, den ich schreibe, Es ist jetzt Freitag, der 22. Juli, 12.51." Gut zweieinhalb Stunden später detonierte im Osloer Regierungsviertel die Bombe.

Auch auf der Internetseite document.no finden sich unter dem Namen Anders B. dutzende islamfeindliche und nationalistische Einträge - alle wortgewandt. Demnach teilt Breivik die Welt in Multikulturalisten und kulturkonservative Menschen. In den schon älteren Einträgen wird Multikulturalismus als "kultureller Marxismus" und eine "anti-europäische Hassideologie" bezeichnet. Das würde die Linke vertreten und Ziel der Linken sei es, die europäische Kultur, die Nationalstaaten und das Christentum zu zerstören. Er warnt vor "Überfremdung", die allerdings schon längst Realität sei, da sie sozialistische Politiker Hand in Hand mit Journalisten herbeigeführt hätten.

Kulturkonservative, zu denen sich der Autor selbst zählt, würden dagegen als Rassisten abgestempelt - was genauso schlimm sei wie Judenverfolgung und Inquisition. "Wie viele Tausende von Europäer müssen sterben, wie viele Hunderttausend europäische Frauen vergewaltigt und Millionen ausgeraubt werden, bevor Sie verstehen, dass Multikulturalismus und der Islam nicht funktionieren?", schreibt er. Zieht über verweichlichte norwegische Männer her und das den Kindern in der Schule kein Stolz mehr auf Norwegens Geschichte beigebracht werde.

Ein Eintrag wendet sich gegen norwegische Alternative und Antifa-Gruppen, die die politisch Konservativen bewusst terrorisierten. Genannt werden sie - in Anspielung auf die Hitler-Jugend - die "Stoltenberg-Jugend". Als "Stoltenberg-Jugend" könnte man auch die sozialdemokratische Jugendorganisation empfinden, deren Treffen er nun offenbar mit einem Blutbad ein Ende setzte.

Er wolle nicht über die Motive der Attentate spekulieren, hat der sozialdemokratische Ministerpräsident Jens Stoltenberg tief betroffen erklärt. Norwegen habe Probleme mit Rechtsextremen. "Aber verglichen mit anderen Ländern würde ich nicht sagen, dass wir ein großes Problem mit ihnen haben."

"Rechtspopulismus senkt die Hemmschwelle"

Doch auch vor den Anschlägen vom Freitag war der norwegischen Polizei immerhin bewusst, dass die Rechtsextremen im Land Auftrieb erhalten. 2010 habe es verstärkt Aktivitäten rechtsextremer Gruppen gegeben, hieß es in einem Bericht des Sicherheitsdienstes der norwegischen Polizei. Außerdem könne das Erstarken anti-islamischer Gruppen zu einer "verstärkten Polarisierung und Störungen führen, insbesondere während oder im Zusammenhang mit Gedenkveranstaltungen und Demonstrationen". Allerdings hieß es noch Anfang des Jahres in einem weiteren Bericht, rechtsextreme und linksextreme Gruppen stellten wie in den Jahren zuvor keine ernsthafte Gefahr für die norwegische Gesellschaft dar.