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Annäherung an die USA:Was hält Fidel von alldem?

Und das wird immer wichtiger. Seit der Liberalisierung des Arbeitsmarktes 2010 wurden Hunderttausende Staatsdiener entlassen, von denen eine alte Redensart sagt, sie hätten so getan, "als würden sie arbeiten, während der Staat so tat, als würde er sie bezahlen".

Die Menschen stehen nun vor der Situation, wirklich herausfinden zu müssen, welche Fähigkeiten sie eigentlich besitzen. Durch das Leistungsprinzip sei die egalitäre Gesellschaft aufgehoben worden, schreibt Autor Padura, bestimmten Gesellschaftsschichten stünden Konsumgüter zur Verfügung, von denen andere nur träumten.

Am ehesten wird die Veränderung in Havanna sichtbar werden

Wie lange etwa das kubanische Gesundheitssystem noch funktionieren wird, wenn Ärzte künftig mehr Geld verdienen, wenn sie Kaugummi an Touristen verkaufen oder ins Ausland gehen, ist die Frage. Bislang hatte Kuba die höchste Lebenserwartung in Lateinamerika.

Optisch sichtbar wird die Veränderung am ehesten in Havanna werden. Noch gleicht die Stadtlandschaft mit ihrer bröckligen Kolonialarchitektur einem kommerzfreien Freilichtmuseum. Doch das dürfte sich bald ändern. Plastik-Reklameschilder und Malls werden das Bild prägen so wie in anderen lateinamerikanischen Großstädten auch. Das Interesse am Erhalt alter Bausubstanz ist in ganz Amerika ohnehin gering. Eine neue Zeit wird auch in Havanna die Spuren der Vergangenheit tilgen.

Und die Menschen? Die Schlangen von Kubanern, die nach US-Visa anstehen, dürften lang werden - so man jungen Menschen nicht eine echte Perspektive im Land anbietet. Dazu gehört freier Zugang zum Internet, bisher war die Insel schwer erreichbar für die digitale Kommunikation: Die in US-Hand befindlichen Unterseekabel waren einfach abgeklemmt.

Schließlich Fidel, der einstige Máximo Líder. Was hält der von alldem? Castros bislang letzte seiner "Reflexionen", die regelmäßig in der Parteizeitung Juventud Rebelde erscheinen, datiert von Oktober. Darin fordert der Ruheständler ein Ende des Embargos. Auch Roberto Chile, der Kameramann, weiß nicht, wie es seinem prominenten Fotomodell geht. Doch als alter Fidelista ist er sich ganz sicher: "Er springt vor Freude herum."

© SZ vom 19.12.2014/fued
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