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Invasion in der Schweinebucht:Supermacht im Sumpf

Es war die größte Blamage für US-Präsident Kennedy: 1400 Exilkubaner, unterstützt von der CIA, scheiterten bei der Invasion in der Schweinebucht. Eine Chronologie.

in Bildern.

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A Soviet tank used by Fidel Castro during the US-backed invasion attempt of the Bay of Pigs in 1961 is displayed in front of the Museum of the Revolution in Havana

Quelle: REUTERS

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In Havanna denkt man gern zurück an die US-Invasion in der Schweinebuch am 17. April 1961. Noch heute steht vor dem Revolutionsmuseum ein Sojwetpanzer, der beim erfolgreichen Abwehrkampf gegen die Amerikaner genutzt wurde.

In den USA erinnert man sich hingegen nur ungern an den 17. April 1961: Der Tag, an dem 1400 Exilkubaner an der Südküste Kubas landeten und mit Unterstützung der USA einen Sturz von Fidel Castro bewirken sollten, wurde zu einem außenpolitischen Fiasko für Präsident John F. Kennedy und zu einem Trauma für die Supermacht. Eine Chronologie der Invasion in Bildern.

CASTRO KHRUSHCHEV

Quelle: SZ

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Die US-Regierung sah Fidel Castro im Kontext des Kalten Krieges als große Gefahr. Der junge Revolutionsführer war seit der kubanischen Revolution 1958 und dem Sturz des Diktators Fulgencio Batista Staatschef von Kuba.

Kennedys Vorgänger, Präsident Dwight D. Eisenhower, reagierte auf die Enteignung US-amerikanischer Firmen und den engen Kontakten Kubas zur Sowjetunion (im Bild: Castro mit Staatschef Chruschtschow, 1960) mit einem Handelsembargo. Außerdem beendete Eisenhower die diplomatischen Beziehungen. Doch auch das reichte dem Präsidenten nicht: Castro sollte seinen Platz für eine nicht-kommunistische Führung in Kuba räumen. Ab Mai 1960 ließ Eisenhower den Geheimdienst CIA planen, wie eine Invasion von Exilkubanern unterstützt werden könnte.

John F. Kennedy, Pierre Salinger, 1961

Quelle: AFP

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Auch John F. Kennedy (im Bild 1961 mit seinem Pressesprecher Pierre Salinger) war über die Einflussnahme der Sowjetunion in Lateinamerika beunruhigt. Noch vor seinem Amtsantritt 1961 erfuhr er von Eisenhowers Plänen einer Invasion. Der Geheimdienst CIA trainierte in Guatemala Exilkubaner für eine Landung in Kuba. Kennedy segnete den Plan ab. Die Invasion sollte wie ein kubanischer Aufstand aussehen - und nicht wie eine amerikanische Einmischung.

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Quelle: AP

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Die Strategie: Die von den USA ausgerüsteten Exilkubaner sollten an der Südküste Kubas an der sogenannten Schweinebucht (auf Spanisch: Bahía de Cochinos) landen. Ihr Auftrag war es, den Weg für eine Übergangsregierung zu bereiten, die aus Miami eintreffen und die USA dann um militärische Hilfe bitten würde. Die Planer der US-Regierung gingen davon aus, dass die Streitkräfte und die kubanische Bevölkerung einen Putsch gegen Castro unterstützen würden. Im Bild ist eine Karte der Schweinebucht und des Invasionsplans aus einem US-Museum zu sehen.

File photo of a soldier of the Cuban Armed Forces atop a downed B-26 bomber

Quelle: REUTERS

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Zur Vorbereitung der Invasion flogen US-Flugzeuge Luftangriffe auf kubanische Militärstützpunkte, verfehlten dabei jedoch etliche Ziele. Die Flugzeuge waren mit kubanischen Hoheitszeichen bemalt - es sollte der Eindruck entstehen, dass die eigene Luftwaffe gegen Castro rebelliert. Im Bild ist ein kubanischer Soldat auf einem abgeschossenen B-26 Bomber zu sehen.

Brigade 2506 Flag

Quelle: AP

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Am 17. April 1961 landete die von der CIA ausgerüstete "Brigade 2506" (hier ein Foto ihrer Flagge aus einem US-Museum) mit etwa 1400 Exilkubanern an mehreren Stränden der Schweinebucht. Die sumpfige Küste im Süden des Landes war ausgewählt worden, weil sie ablegen und dünn besiedelt war - hier wurde wenig Widerstand von Soldaten der kubanischen Armee erwartet.

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Doch die Rechnung ging nicht auf: Zum einen waren die Soldaten der kubanischen Armee sofort zur Stelle, um die Invasion abzuwehren. Castro war vorbereitet. Zum anderen zeigten sich die Soldaten gegenüber ihrem Staatschef loyal. Im Bild sitzt Castro (mit Brille) am Tag der Invasion der "Brigade 2506" in einem Panzer nahe der Schweinebucht.

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Quelle: AP

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Die kubanischen Streitkräfte feuerten von Flugzeugen aus auf die gelandeten Exilkubaner und jagten ihr Munitionsboot in die Luft. Am zweiten Tag schickte Castro 20.000 Soldaten an die Küste. Die Brigade war eingekesselt. Das Bild zeigt einen Veteranen der kubanischen Armee, Rafael Soldevilla, mit seinen Auszeichnungen. Er war an den Kämpfen in der Schweinebucht im April 1961 beteiligt.

Brigade 2506 Combatant Taken Prisoner

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Innerhalb von nur drei Tagen war die Invasion der 1400 Exilkubaner von den kubanischen Streitkräften geschlagen. Die USA griffen nicht ein. Etwa 1200 der Brigade-Kämpfer wurden von der Armee gefangen genommen, wie auf diesem Foto. Bei den Kämpfen starben auf beiden Seiten insgesamt 270 Menschen.

Fidel Castro

Quelle: AP

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Erst gegen Ende 1962 konnte die US-Regierung unter Präsident Kennedy die inhaftierten Exilkubaner gegen Lebensmittel und Medikamente im Wert von 53 Millionen Dollar frei kaufen. Für Castro, der auf dem Foto bei Gesprächen mit den Gefangenen in Havanna am Tag nach der Invasion zu sehen ist, war die gescheiterte Invasion ein voller Erfolg.

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Quelle: AP

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Für John F. Kennedy hingegen wurde diese Episode zur größten Niederlage seiner Karriere. Er war zu diesem Zeitpunkt erst knapp drei Monate im Amt. Die Exilkubaner und diejenigen, die das Vorgehen der CIA verteidigten, machten Kennedy für den Misserfolg verantwortlich, weil er keine Unterstützung in die Schweinebucht geschickt hatte. Anhänger des Präsidenten wiederum beschuldigten die Mitarbeiter der CIA, dass sie Kennedy falsch informiert und die Kraft von Castro in Kuba unterschätzt hätten.

CASTRO

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Fidel Castro und die Sowjetunion konnten die gescheiterte Invasion und die offensichtliche Beteiligung der USA für ihre Propaganda gegen die Supermacht nutzen. Es sei die "erste große Niederlage des nordamerikanischen Imperalismus", triumphierte Castro. Die wirtschaftlichen und militärischen Verbindungen zwischen Havanna und Moskau wurden noch enger. Im Bild ist Castro bei einer Rede am 45. Jahrestag der Invasion der Schweinebucht vor fünf Jahren in Havanna zu sehen.

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Ein Jahr nach der Invasion kam es zur Kubakrise, welche die Sowjetunion und die USA an den Rand eines Atomkriegs brachte. Kurz darauf kamen die Exilkubaner jedoch zurück aus der Gefangenschaft. Bei einem Auftritt im Dezember 1962 in Miami sagte der später ermordete Präsident Kennedy mit Blick auf die Flagge der "Brigade 2506": "Ich verspreche Ihnen, dass diese Fahne mit der Brigade zurückkehren wird in ein freies Havanna." Dieses Versprechen konnten seine Nachfolger im Amt auch nach dem Ende des Kalten Krieges nicht erfüllen.

Raul Castro, Barack Obama

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Seit 2006 hat Castros jüngerer Bruder Raul das Amt des Regierungschefs übernommen, er kündigte erste Reformen an. Auch US-Präsident Barack Obama hatte bei seinem Amtsantritt von einem "Neuanfang" in den Beziehungen mit Kuba gesprochen. Doch erst jetzt, mehr als 50 Jahre nach der Invastion in der Schweinebucht bewegen sich die beiden Länder auf eine wirkliche Entspannung ihrer Beziehung hin.

Foto: Obama und Raul Castro schütteln sich 2013 bei der Trauerfeier für Nelson Mandela im südafrikanischen Soweto die Hände.

© sueddeutsche.de/isch/afp/dpa

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