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Kuba-Krise 1962:Als die Welt fast unterging

Castro gegen Kennedy gegen Chrustschow: Im Oktober 1962 stand die Welt so dicht vor einem Atomkrieg wie nie zuvor. Weil die Sowjetunion auf Kuba Raketen stationierte, erwogen die USA eine Invasion, die fatale Folgen gehabt hätte. Am Ende siegte die Diplomatie. Die Kuba-Krise in Bildern.

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Quelle: AFP

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Mit solchen Fotos beginnt die Kuba-Krise: Ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug fotografiert am 14.10.1962 sowjetische Raketenstellungen auf Kuba. Schon zuvor hatten Aufklärer sowjetische Kampfflugzeuge und Flugabwehrraketen entdeckt. Später wird bekannt: Schon damals hatte die Sowjetunion auf Kuba einsatzfähige Atomraketen zur Verfügung.

Das weiß die US-Führung zwar noch nicht, aber durch die Fotos wird klar, dass die Sowjetunion nun über Raketen verfügt, die innerhalb weniger Minuten die großen Metropolen an der amerikanischen Ostküste erreichen könnten - grundsätzlich auch mit Atomsprengköpfen. Die Vereinigten Staaten sehen sich veranlasst zu handeln.

Kubakrise 1962

Quelle: dpa

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Der sowjetische Premierminister Nikita Chruschtschow (rechts) möchte mit den Raketen auf Kuba den kommunistischen Bruderstaat Fidel Castros (links) vor einer amerikanischen Invasion bewahren. Erst ein Jahr zuvor, 1961, waren Exil-Kubaner mit der Unterstützung der USA in der Schweinebucht gelandet und hatten versucht, die Regierung Castro zu stürzen. Die aber war vorbereitet, die Invasion scheiterte.

Foto: Chruschtschow und Castro bei einem Treffen 1963.

President John F. Kennedy Cuban Missile Crisis Cabinet Meeting

Quelle: dpa

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Am 16.10.1962 wird Präsident John F. Kennedy über die neuen Beweise informiert. Er beruft einen geheimen Sicherheitsstab ein, das sogenannte ExComm (Executive Committee). Unter den Beratern herrscht Uneinigkeit: Während die "Falken" auf einen raschen Militärschlag drängen, plädieren die "Tauben" für Zurückhaltung.

Robert McNamara, John F. Kennedy

Quelle: ASSOCIATED PRESS

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Kennedys Verteidigungsminister Robert McNamara ist es, der eine Seeblockade vorschlägt. Damit stößt er bei vielen Militärs auf Widerstand, die Luftschläge und eine Invasion fordern. Der Präsident bittet deshalb seinen Bruder, Justizminister Robert Kennedy, im ExComm für die Blockade zu werben und eine Mehrheit dafür zu organisieren.

Foto: Kennedy und McNamara (rechts) bei einem Gespräch 1961.

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Hinter den Kulissen werden hektisch Szenarien durchgespielt, in der Öffentlichkeit hält die US-Regierung in den ersten Tagen noch dicht. Kennedy nimmt Termine im Kongresswahlkampf wahr. Und er trifft sich am 18.10.1962 mit dem sowjetischen Außenminister Andrej Gromyko (zweiter von links). Kennedy erwähnt die neuen Erkenntnisse nicht.

Foto: Chruschtschow und Kennedy bei einem Treffen in Wien.

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Quelle: AFP

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Am 22.10.1962 informiert Kennedy dann die Weltöffentlichkeit. In einer im Fernsehen übertragenen Rede kündigt er eine Seeblockade an. Er fordert den Abzug der Raketen und droht im Falle eines Atomwaffen-Angriffs mit einem nuklearen Vergeltungsschlag.

Zwei Tage später, am 24.Oktober, unterzeichnet John F. Kennedy wie angekündigt die Order zur Einrichtung einer Seeblockade (im Bild). Kriegsschiffe gehen rings um Kuba in Position. Sowjetische Schiffe dürfen von nun an nicht mehr passieren, damit keine weiteren Waffen geliefert werden können.

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Quelle: AFP

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Im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen präsentiert die US-Delegation die Aufklärungsfotos. Der sowjetische Botschafter Walerian Sorin bestreitet, dass auf Kuba Atomraketen stationiert seien. Später wird bekannt: Seine Regierung hatte ihn wirklich nicht darüber informiert.

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Zunächst wirkt die Blockade, sowjetische Schiffe drehen ab. Am 27.10.1962 aber, dem Tag, an dem die Krise vollends zu eskalieren droht, zwingt ein US-Kriegsschiff ein sowjetisches U-Boot mit Wasserbomben zum Auftauchen. Heute weiß man: Dieses U-Boot hatte Torpedos mit Atomsprengköpfen an Bord und die Besatzung war grundsätzlich auch autorisiert, sie abzufeuern. Nur das Veto eines von drei Offizieren verhinderte den Abschuss eines solchen Torpedos.

Foto: Ein sowjetisches U-Boot, das nach dem Ende der Krise den Abtransport der Raketen eskortiert.

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Quelle: AFP

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Während der ganzen Zeit fliegen Aufklärer der US-Luftwaffe über Kuba. Am 27. Oktober droht die Krise endgültig zu eskalieren. Auf einmal wird geschossen. Kubanische Flaks nehmen mehrere Flugzeuge unter Feuer, die Piloten können aber noch entkommen.

Foto: Kubanische Flakgeschütze, aufgenommen während der Kubakrise in Havanna.

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Quelle: AFP

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Weniger Glück hat am selben Tag der Pilot Rudolf Anderson Jr. Sein Spionageflugzeug wird über Kuba von einer modernen sowjetischen Luftabwehrrakete getroffen. Das Flugzeug stürzt ab, Anderson stirbt.

Nikita Chruschtschow, der Premierminister der Sowjetunion, ist erbost: Der Abschuss war nicht vom zuständigen sowjetischen Befehlshaber genehmigt. Jede unüberlegte Handlung kann in diesen Tagen Krieg bedeuten.

Foto: Der Sarg von Rudolf Anderson, des einzigen Toten der Kubakrise, wird aus einem Flugzeug getragen.

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Quelle: AP

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An ihnen hängt es: Nikita Chruschtschow (links), Premier der Sowjetunion, und John F. Kennedy, Präsident der Vereinigten Staaten, hier bei einem Treffen im Juni 1962 in Wien. Beide haben kein Interesse an einem Atomkrieg und tauschen mehrfach Noten aus.

Am Tag zuvor hatte Chruschtschow in einem Schreiben angeboten, die Raketen abzuziehen, wenn die USA zusichern würden, dass sie nicht in Kuba einmarschieren. Kennedy sagte zu.

Dann, am 27.10 erreicht ein zweiter Brief von Chruschtschow den amerikanischen Präsidenten. Chruschtschow fordert darin noch mehr Zugeständnisse: Von 1959 an hatten die USA nämlich in Italien und der Türkei auf die Sowjetunion gerichtete Atomraketen stationiert - auch die müssten weg, wenn die Sowjetunion ihre Raketen aus Kuba abziehen solle.

RUSSIA-DIPLOMACY-DOBRYNIN-DIES

Quelle: AFP

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Am Abend des so brisanten 27.Oktober lässt Präsident Kennedy dem sowjetischen Botschafter Anatoli Dorbynin (Foto) über seinen Bruder Robert ein streng geheimes Angebot unterbreiten: Er sei bereit, auch diese Zugeständnisse zu machen - und die Raketen in der Türkei abzuziehen. Dorbynin gibt diese Information weiter. Das von den Falken dominierte ExComm darf davon erst einmal nichts erfahren. Der Präsident darf sich in ihren Augen nicht der Erpressung beugen. Nur wenige sind eingeweiht.

Chruschtschow willigt tags darauf ein. Offiziell verspricht Kennedy zunächst nur, nicht in Kuba einzumarschieren.

Die Krise ist nach fast zwei Wochen doch noch beigelegt - diplomatisch. Aus dem kalten ist kein heißer Krieg geworden.

John F. Kennedy bei Fernsehansprache an die Nation zum Ende der Kubakrise, 1962

Quelle: DPA

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Am 28.10.1962 wird die Welt über die Einigung informiert. John F. Kennedy gibt einige Tage später, am 3.11.1962, in einer Rede an die Nation am bekannt, dass die entscheidenden Raketenbasen auf Kuba bereits abgebaut sind (im Bild).

Die Welt ist in den zwei Wochen vom 14. bis zum 28. Oktober mehrfach knapp an einem Atomkrieg vorbeigeschrammt.

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Quelle: AFP

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Im November beginnt der offizielle Abzug der Raketen aus Kuba. Amerikanische Flugzeuge und Hubschrauber begleiten die Frachter und kontrollieren den Abtransport. Dabei entsteht auch dieses Foto.

© Süddeutsche.de/josc/odg/segi
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