bedeckt München 17°

Annäherung an die USA:Obama hat Raúl Castro eine Demütigung erspart

US-Präsident Barack Obama sagte am Mittwoch im Weißen Haus, das Embargo habe nichts gebracht. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Tatsächlich hat die jahrzehntelange Blockade Kuba in den Ruin getrieben. Übrig geblieben ist nur der Stolz auf das eigene Durchhaltevermögen, so wie es sich in den Worten Roberto Chiles und vieler anderer Kubaner ausdrückt.

Obama hat Raúl Castro die Demütigung erspart, dass der marode Staat unter ihm zusammenbricht. 2018 will Kubas Präsident ohnehin zurücktreten - dann wäre er 87. Nachfolger wird nach bisherigem Stand Vizepräsident Miguel Díaz-Canel Bermúdez, ein Technokrat, von dem viele annehmen, dass er den Rest des Sozialismus auf nüchterne Weise abwickelt.

Kubas Landwirtschaft ist extrem unproduktiv

Dass Washington der kubanischen Revolution diese letzte Ausfahrt offenhält, verbittert die kubanische Exilgemeinde in Miami. Die Miameros hätten liebend gerne den Zusammenbruch des verhassten Systems erlebt und im Triumphzug ihre nach der Revolution 1959 verstaatlichten Besitzungen wieder in Empfang genommen. Und waren sie nicht kurz davor?

Ernähren kann Kubas Landwirtschaft die eigene Bevölkerung schon lange nicht mehr. Sie ist extrem unproduktiv, trotz aller Liberalisierungen. Nahrungsmittel müssen importiert werden - zum Teil ausgerechnet aus den USA. Die wurden dann als humanitäre Hilfe deklariert, der einzige Weg, das Embargo zu umgehen.

Entscheidend fürs Überleben vieler Familien sind die Überweisungen ausgewanderter Verwandter. Dass die reme sas familiares nach der Annäherung an die USA leichter werden fließen können, ist die vielleicht wichtigste Nachricht für den Alltag der Kubaner.

Barack Obama Castros bedingte Annäherung
Analyse
Kubas Staatschef

Castros bedingte Annäherung

Auch Kuba hofft auf das Ende der teuren und widersinnigen Feindschaft mit den USA. Doch ob die Länder nun Freunde werden, ist fraglich. Staatschef Castro besteht weiterhin auf seinem eigenen politischen Weg.   Von Peter Burghardt

So banale Dinge wie Speiseöl, von Laptops ganz zu schweigen , sind ohne Dollarhilfe kaum erschwinglich - viele Staatsangestellte verdienen nur umgerechnet 25 bis 40 Dollar im Monat. Wie sie überhaupt durchkommen? Inventar, erfinden, ist eines der wichtigsten Worte in Kuba, das Wort für das tägliche Durchwursteln.