Angriffe auf den Bundespräsidenten Warum sich die SPD im Ton vergreift

"Type" und "Pinocchio": SPD-Chef Gabriel und Generalsekretärin Nahles vergreifen sich bei ihren Attacken auf Bundespräsident Wulff im Ton. Der ist weder ein rülpsender Rummelplatz-Rowdy noch ein liebenswürdiger Lügner. Die Sozialdemokraten werden der Affäre um das Staatsoberhaupt so nicht gerecht und schaden nur sich selbst und der Politik.

Ein Kommentar von Susanne Höll

Wenn es um die Affäre von Bundespräsident Christian Wulff geht, finden Sozialdemokraten selten den richtigen Ton. Ursprünglich wollte sich kein SPD-Mensch zu den ungewöhnlichen Vorteilen äußern, die Wulff in Anspruch nahm, geschweige denn einen Rücktritt fordern. Das war sonderbar, denn in Fragen politischen Anstands sind die Sozialdemokraten gemeinhin gesprächig, zumindest wenn es um die politische Konkurrenz geht.

Öffentliche Auftritte des Ehepaars Wulff

An seiner Seite

Zwischenzeitlich nannte man Wulff eine Belastung für das Amt und das Land, was weitgehend zutreffend und mithin nicht zu beanstanden ist. Nun aber befleißigen sich namhafte Sozialdemokraten in dieser Causa einer befremdlichen Sprache.

Der Vorsitzende Sigmar Gabriel nennt ihn "die Type im Bundespräsidialamt", Generalsekretärin Andrea Nahles bezeichnet ihn als "Pinocchio". Der Märchenfigur wuchs bekanntlich bei jeder Unwahrhaftigkeit die Nase, der Name ist ein Synonym für notorische, wenngleich liebenswürdige Lügner.

Mit solchen Ausdrücken wird man dem Fall Wulff nicht gerecht. Wenn ein Politiker einen anderen abfällig eine "Type" nennt, schadet er weniger dem Objekt seiner Kritik als dem Ansehen seines gesamten Berufsstandes.

Unter einer "Type" stellt man sich einen Rummelplatz-Rowdy vor, der womöglich noch in seine Bierflasche rülpst. Damit will man Wulff beschreiben? Andererseits ist er auch kein infantiler Flunkerer, dessen Eskapaden Kinderherzen rühren.

Er ist der Erste Mann im Staat, der inzwischen vor allem öffentliches Unbehagen auslöst. Das ist ein hochpolitisches Problem. Und eine Partei, die gern wieder regieren möchte, müsste dafür doch die richtigen Worte finden.