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Arbeiten in der Pflege:Im Krankenhaus 558 Euro mehr

Pflege

Besonders in der Altenpflege mangelt es weiterhin an Personal.

(Foto: Federico Gambarini/dpa)

Der Altenpflege fehlt Personal - auch weil dort weniger bezahlt wird als in den Kliniken. Ambulante Pflegedienste müssen gar Versorgungsanfragen ablehnen.

Die Pflege hat zuletzt viel Wertschätzung erfahren, trotzdem mangelt es weiter an Personal. Das gilt vor allem für die Altenpflege, warnt Pia Zimmermann, die Pflegeexpertin der Linken im Bundestag. Sie hat aktuelle Arbeitsmarktdaten ausgewertet. Das Ergebnis: Die Zahl der in der Altenpflege Beschäftigten sei zwar zwischen 2015 und 2019 von 550 000 auf 635 000 gestiegen. Das entspricht einem Plus von 15 Prozent. Im Saarland sei die Zahl sogar um 22 Prozent gewachsen, Bremen verzeichne mit zehn Prozent den geringsten Anstieg. Über alle Berufsfelder hinweg wuchs dagegen die Beschäftigung in Deutschland nur um 6,5 Prozent.

Die Entwicklung in der Pflege klinge daher erfreulich, urteilt Zimmermann. Die Zuwachsraten seien aber seit 2017 wieder zurückgegangen. Der Anstieg der Beschäftigten in der Altenpflege sei "ein zartes Pflänzchen, das bereits vor der Covid-19-Krise wieder zu verdorren drohte".

Sie verweist auf Aussagen des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung, wonach in der Pflegebranche akut Fachkräfte fehlten und sich dieses Problem durch die Corona-Krise verschärfen werde. Eine Umfrage unter ambulanten Pflegediensten im vergangenen Sommer ergab, dass mehr als die Hälfte seit mindestens drei Monaten keine Fachkräfte fanden, um offene Stellen zu besetzen. 80 Prozent der befragten Dienste hätten deshalb Versorgungsanfragen abgelehnt, 13 Prozent sogar Klienten gekündigt, ermittelte das Zentrum für Qualität in der Pflege. Zimmermann fordert deshalb Gegenmaßnahmen.

Um die Altenpflege attraktiver zu machen, müsse der Arbeitsaufwand gesenkt, also mehr Personal eingestellt werden. Voraussetzung dafür seien höhere Entgelte und Tarifverträge. Und die Einkommensunterschiede zwischen Alten- und Krankenpflege müssten beseitigt werden: Pflegehelfer in Kliniken erhalten in den westdeutschen Bundesländern 545 Euro mehr als Mitarbeiter von Altenheimen. In Rheinland-Pfalz beträgt die Differenz laut Zimmermann sogar 907 Euro. Im Osten ist der Unterschied mit 306 Euro etwas geringer.

Ähnlich das Bild bei Pflegefachkräften: Sie verdienten in der Krankenpflege durchschnittlich 558 Euro mehr. Um das jetzige Versorgungsniveau zu halten, sind laut AOK-Schätzungen in der Altenpflege jährlich 13 000 neue Fachkräfte nötig. Zimmermann bezweifelt, dass dieses Ziel erreicht wird. Anfang des Jahres hat Deutschland die generalistische Pflegeausbildung eingeführt: Absolventen können künftig wählen, wo sie arbeiten wollen. Kaum jemand werde sich für Altenpflege entscheiden, fürchtet die Linken-Politikerin, "wenn es im Krankenhaus mehrere Hundert Euro brutto mehr gibt".

© SZ vom 12.05.2020/mkoh
Pflegeserie zuHause / Teil 4, 12.5.

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