Afghanistan IS reklamiert Anschlag in Kabul für sich

  • Bei einer Serie von Explosionen in Kabul wurden mindestens 42 Menschen getötet und weitere 84 verletzt.
  • Die Explosionen ereigneten sich im schiitischen Westen der Stadt. Er ist in der Vergangenheit wiederholt Ziel islamistischer Anschläge geworden.
  • Der IS reklamiert den Anschlag für sich.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Selbstmordanschlag auf ein Kulturzentrum in der afghanischen Hauptstadt Kabul für sich reklamiert. Die Tat sei von einem Mitglied ausgeführt worden, berichtete das IS-Sprachrohr Amaq. Das im Internet verbreitete Bekennerschreiben konnte zunächst nicht unabhängig auf seine Echtheit überprüft werden. In der Vergangenheit reklamierte der IS auch Anschläge für sich, die Einzeltäter ohne vorherige Absprache begangen hatten.

Bei dem Anschlag seien mindestens 42 Menschen getötet und weitere 84 verletzt worden, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Donnerstag.

Zunächst hatte sich in einem Kulturzentrum ein Attentäter in die Luft gesprengt. Als Menschen zu Hilfe eilten, explodierten weitere Sprengsätze.

In dem Kulturzentrum wurde zum Tatzeitpunkt eine Feier zum 38. Jahrestag des sowjetischen Einmarschs nach Afghanistan abgehalten.

Zunächst war vermutet worden, dass der Anschlag die Redaktion der Nachrichtenagentur Afghan Voice treffen sollte, die sich in der Nähe befindet. In den Räumen der Nachrichtenagentur fand scheinbar gerade eine Podiumsdiskussion mit Studenten statt.

Medien sind in Afghanistan wiederholt zum Ziel von Anschlägen geworden, darunter ein privater Fernsehsender im November. Nach Erkenntnissen der Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen ist Afghanistan für Medienvertreter eines der gefährlichsten Länder.

Seit Januar haben Attentäter in Kabul hunderte Menschen getötet

Der Anschlag geschah in einem schiitischen Viertel der Stadt. Dort hat der IS in den vergangenen Monaten wiederholt schwere Attentate verübt.

Im Jahr 2017 begingen IS und Taliban mehr als 20 schwere Anschläge in Afghanistans Hauptstadt. Hunderte Menschen wurden dabei getötet und verletzt. Bei dem schwersten Anschlag vor der deutschen Botschaft im Mai sollen etwa 150 Menschen getötet worden sein. Im Oktober waren bei Anschlägen auf eine schiitische Moschee in Kabul, eine Moschee in der Provinz Ghor und eine Militärakademie innerhalb von 24 Stunden mindestens 94 Menschen getötet worden.

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