AfD-nahe Zeitung Strebte ein Münchner Milliardär nach Einfluss beim "Deutschland-Kurier"?

David Bendels ist Chefredakteur des Deutschland-Kuriers.

(Foto: Horst Galuschka/imago)
  • Es gibt Hinweise darauf, dass ein Vertrauter des Münchner Milliardärs August von Finck vor einiger Zeit versucht haben könnte, Einfluss auf die Chefredaktion der rechten Zeitung Deutschland-Kurier zu nehmen.
  • Der heutige Chefredakteur David Bendels erklärt, er äußere sich nicht zu "hanebüchenen Vermutungen, abstrusen Spekulationen, grotesken Verschwörungstheorien, haltlosen Diffamierungen und wirren Falschbehauptungen".
  • Die CDU-nahe Adenauer-Stiftung hatte bereits im Bundestagswahlkampf 2013 darüber spekuliert, ob der Milliardär Finck die AfD unterstütze.
Von Sebastian Pittelkow, Nicolas Richter und Katja Riedel

Bei der Suche nach den Hintermännern des AfD-nahen "Vereins für Rechtsstaatlichkeit und bürgerliche Freiheiten" führt womöglich eine Spur zu dem Milliardär August von Finck, dessen Firmengeflecht seinen Mittelpunkt in München hat. Nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR war ein enger Vertrauter Fincks vor längerer Zeit auf der Suche nach einem möglichen Chefredakteur für eine rechte Zeitung. Daraus wurde offenbar der Deutschland-Kurier, der seit 2017 erscheint und bis vor Kurzem von dem ominösen Verein herausgegeben wurde. Wenn das direkte Umfeld Fincks in die Suche nach Führungskräften der AfD-freundlichen Gazette eingebunden gewesen sein sollte, könnte dies ein Indiz dafür sein, dass der Milliardär oder dessen Vertraute Einfluss auf die Zeitung oder den Verein genommen haben.

Bei dem Vertrauten Fincks handelt es sich um den Geschäftsmann Ernst Knut Stahl, der bei Unternehmen des Finck-Konzerns an Schlüsselstellen sitzt und als einer der engsten Vertrauten des Milliardärs gilt. Stahl soll die Suche nach einem Chef für das rechte Blatt, aus dem offenbar der Deutschland-Kurier wurde, aktiv betrieben und bei der Entscheidung über den richtigen Kandidaten ein gewichtiges Wort mitgeredet haben, erklärt eine Person, die mit dem Vorgang zu tun hatte und selbst nicht genannt werden möchte. Stahl und Finck äußerten sich trotz mehrmaliger Anfragen, zuletzt am Donnerstag dieser Woche, nicht dazu. SZ, NDR und WDR hatten Stahl und Finck bereits 2017 nach dem Sachverhalt gefragt, auch damals vergeblich.

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David Bendels, der schließlich Gründungs-Chefredakteur des Deutschland-Kuriers wurde und es bis heute ist, erklärte am Donnerstagabend auf die Frage, ob Stahl ihn wegen der Chefredakteursstelle angesprochen habe: "Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass ich mich zu hanebüchenen Vermutungen, abstrusen Spekulationen, grotesken Verschwörungstheorien, haltlosen Diffamierungen und wirren Falschbehauptungen grundsätzlich nicht äußern werde." Auch erklärte er: "Ihre Fragestellungen, die diesen zugrunde liegenden Behauptungen sowie die daraus abgeleiteten spekulativen Schlussfolgerungen bauen ganz offensichtlich auf einem seit geraumer Zeit aus Unionskreisen (beispielsweise von der Konrad-Adenauer-Stiftung) verbreiteten Narrativ auf." Bendels bestritt nicht ausdrücklich, Stahl zu kennen oder mit ihm über den Deutschland-Kurier gesprochen zu haben.

Schon 2013 gab es Spekulationen über Verbindungen zwischen Finck und der AfD

Die CDU-nahe Adenauer-Stiftung hatte bereits im Bundestagswahlkampf 2013 in einer Analyse darüber spekuliert, dass der Milliardär Finck die AfD unterstützen könnte. Es sei "durchaus im Bereich des Wahrscheinlichen, dass Finck den Wahlkampf der AfD nicht an finanziellen Hindernissen scheitern lassen wird", hieß es. Beweise dafür gab es nicht. Die AfD scheiterte bei der Bundestagswahl 2013 an der Fünf-Prozent-Hürde.

Der Deutschland-Kurier wurde ursprünglich von dem rechten Stuttgarter "Verein für Rechtsstaatlichkeit und bürgerliche Freiheiten" veröffentlicht, dem Bendels seit Jahren vorsitzt. Inzwischen wird das Blatt von der Hamburger Gesellschaft Conservare Communication herausgegeben, deren Geschäftsführer Bendels ist. Der Stuttgarter Verein steht unter dem Verdacht, die AfD mit teuren Werbekampagnen zu unterstützen.

August von Finck junior, 88, gehört zu den bekanntesten Unternehmern Bayerns, lebt inzwischen aber in der Schweiz. Er besitzt mehrere Firmen mit Sitz in der Münchner Innenstadt und hat unter anderem mit Immobilien und Industriebeteiligungen ein Vermögen verdient. Unter anderem ist er Mehrheitsaktionär der Hotelkette Mövenpick. Finck hat, zum Teil über seine Firmen, an Parteien gespendet, darunter FDP, CSU und den eurokritischen Bund freier Bürger. Insider der AfD-nahen Szene haben immer wieder berichtet, dass Finck und seine rechte Hand, der schwäbische Kaufmann Stahl, die Köpfe hinter dem Verein sein sollen.

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