Äthiopien Tote und Flüchtlinge

Es gibt nichts zu tun: Alltag im Flüchtlingslager von Gorom im Südsudan.

(Foto: Andreea Campeanu; Andreea Campeanu / ICIJ)

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch konfrontierte die Weltbank und die äthiopische Regierung 2011 mit den Vorwürfen über die Misshandlungen in Gambella. Die Organisation berichtete von "mindestens sieben glaubwürdigen Berichten über Menschen, die in Folge von Schlägen durch das Militär gestorben sind". Ein Dorfbewohner beschreibt in dem Bericht, wie Soldaten mit Gewehren und Stöcken so auf einen 19-Jährigen einprügelten, dass er Blut erbrach und bald darauf starb.

Im September 2012 wandten sich die Anuak-Flüchtlinge an das interne Prüfgremium der Weltbank, das Anfang 2015 eine "operative Verbindung" zwischen dem Projekt der Weltbank und den Zwangsumsiedlungen bestätigte. Aber das Prüfgremium sprach der Bank keine direkte Schuld zu, da die Vertreibungen kein "notwendiger" Teil des Gesundheits- und Bildungsprogramms gewesen sei.

Im März 2015 bewilligte die Weltbank einen neuen Kredit über 350 Millionen Dollar für Äthiopien, der Unterstützung für die Lokalregierung von Gambella beinhaltete.

Das Leben im Flüchtlingslager ist hart

Als Otiri das Flüchtlingslager im Südsudan erreichte, traf er zwei Männer, die auf dem Weg nach Gambella waren. Er bat sie, seiner Frau zu sagen, dass er nun im Südsudan sei.

Nachdem seine Frau Omot von den Soldaten freigelassen worden war, stand sie vor einer schmerzhaften Entscheidung: Entweder sie bleibt in Äthiopien oder sie flieht und hofft ihren Mann auf der anderen Seite der Grenze zu treffen. Sie entschied sich, Äthiopien zu verlassen.

Auf ihrem Weg traf sie auf die zwei Männer, die wussten, dass Otiri noch am Leben war. Sie erzählten Omot, dass ihr Mann sie im Südsudan erwartet. Als Omot das Flüchtlingscamp erreichte, führten sie zwei kleine Kinder zu ihrem Mann. "Ich sah sie das Gelände betreten und wir weinten", erinnert sich Otiri.

Hilflose Helfer

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Seit mehr als zwei Jahren leben sie nun schon in einer Hütte mit zwei Räumen neben einem Feld, auf dem Otiri Okra und Cassava anbaut. Otiri sagt, es gebe hier nichts zu tun. "Das Leben im Flüchtlingslager ist sehr schwierig", sagt er. "Es gibt nicht genug zu essen."

Doch sie haben nicht aufgegeben. Ohne große Hoffnung, jemals nach Äthiopien zurückkehren zu können, versuchen sie, ein neues Leben in einem neuen Land aufzubauen. Seit sie angekommen sind, haben sie eine kleine Tochter bekommen. Ihr Name ist Annacerjwok - in der Sprache der Anuak bedeutet das "In Gottes Händen".

Übersetzung: Esther Widmann und Katrin Langhans

Die Geschichte in voller Länge auf Englisch: http://www.icij.org/project/world-bank/new-evidence-ties-world-bank-human-rights-abuses-ethiopia

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