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Abhörskandal in Großbritannien:Polizeispitze tritt zurück

Am Sonntag war wegen der Abhöraffäre der Londoner Polizeichef Paul Stephenson zurückgetreten. Am Montag gab ein weiterer hochrangiger Beamter der Londoner Polizeibehörde sein Amt ab. Es handele sich um John Yates, teilte die Polizei mit. Der stellvertretende Polizeichef hatte 2009 entschieden, dass trotz neuer Vorwürfe keine neuen Ermittlungen in dem Abhörskandal aufgenommen werden. Eine Kommission der Polizeibehörde wollte sich noch am Montag mit dem Fall Yates befassen. Nach dem Rücktritt Stephensons sei Yates Position "unhaltbar" geworden, sagte Kommissionsmitglied Christopher Boothman. Yates äußerte sein Bedauern, erklärte aber zugleich, er habe sich in dem Skandal vollkommen integer verhalten.

Nach Angaben der britischen Polizei-Aufsichtsbehörde wurden Vorwürfe gegen zwei weitere ehemalige ranghohe Londoner Beamte erhoben. Die Aufsichtsbehörde wird nun zu möglicher Korruption bei der Polizei ermitteln. Innenministerin Theresa May erklärte, das Inspectorate of Constabulary werde Verbindungen zwischen der Polizei und den Medien unter die Lupe nehmen.

Stephenson hatte zuvor in mehreren Fernsehkanälen erklärt, ihm sei das Ausmaß der Bespitzelungsaffäre nicht klar gewesen. In seiner Rücktrittserklärung, die sehr vorsichtig formuliert gewesen sei, habe er allerdings auch Downing Street 10 angegriffen, berichtet der Guardian. Demnach sagte der ranghohe Polizist, die Nähe zu dem früheren News-of-the-World-Redakteur Andy Coulson gefährde Cameron als Premier.

Zuvor hatte Scotland Yard eingeräumt, dass Neil Wallis, der ehemalige stellvertretende Chefredakteur der News of the World, nach seinem Wechsel in die PR-Branche eine Zeitlang als Berater für die Polizei gearbeitet hatte. Auch Wallis war vor wenigen Tagen in Zusammenhang mit dem Abhörskandal festgenommen worden. "Anders als Andy Coulson musste Wallis seinen Stelle bei News of the World nicht aufgeben, und meines Wissens nach wurde er in keinster Weise mit den Abhöraktionen in Verbindung gebracht", erklärte Stephenson weiter.

Die Abgeordnete Yvette Cooper von der oppositionellen Labour-Partei ging auf den indirekten Angriff auf den Premier sogleich ein: "Die Leute werden sich fragen, warum für die Polizei andere Regeln gelten sollten als für den Premier, insbesondere nachdem - anders als Andy Coulson - Neil Wallis nicht gezwungen wurde, seine Arbeit bei News of the World aufzugeben", sagte sie dem Guardian. Cameron selbst wies dies einem Bericht der BBC zufolge zurück: Man könne keine Parallele zwischen dem Fall Wallis bei Scotland Yard und Andy Coulson in Downing Street ziehen. Die Situation in der Londoner Polizei sei eine gänzlich andere als die in der Regierung, da die Probleme dort das Vertrauen der Öffentlichkeit in die polizeilichen Ermittlungen beeinträchtigen könne, so der Premier.