Versicherung gegen Regen in Italien Kommt wieder, wenn die Sonne scheint

Sonnenschirme an der Adria: Der Badeort Pesaro versichert Gäste gegen schlechtes Wetter.

(Foto: Bloomberg)
  • In der italienischen Küstenstadt Pesaro werden die Urlauber gegen Regenwetter versichert.
  • Regnet es in der Hauptbadezeit drei Tage am Stück, dürfen sie noch einmal zum Gratiswochenende anreisen.
Von Oliver Meiler

Es soll Menschen geben, die den Launen der Natur einen Reiz abgewinnen. Und dann gibt es die überwältigende Mehrheit derer, die der Sonne nie müde werden, zumal wenn sie die Bäuche bräunen und Gemüter aufhellen soll - im Sommerurlaub. Pesaro, eine italienische Küstenstadt an der Adria, 95 000 Einwohner, hat deshalb nun beschlossen, die Sonne einen Sommer lang zu versichern. Für das Glück der Urlauber und, natürlich, auch fürs eigene.

"Achtet nicht auf die Wetterprognosen", schreibt der linke Bürgermeister Matteo Ricci auf der Facebook-Seite seiner Gemeinde, "kommt nach Pesaro. Hier regnet es nie! Die Sonne ist versichert." Hört sich wie ein hübscher Werbeslogan an, und das ist es auch. Doch man darf Ricci beim Wort nehmen. Er hat lange um die Modalitäten der Versicherungspolice gerungen.

"Schlecht" ist ganz genau definiert

Und so sehen sie aus: Wer im kommenden Juli und August in Pesaro Ferien macht und von schlechtem Wetter geplagt wird, der wird mit einem Gratiswochenende entschädigt, das er im Herbst oder im Frühjahr des nächsten Jahres absolvieren kann: drei Nächte, all inclusive.

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"Schlecht" ist ganz genau definiert: Es muss drei Tage in Folge regnen und zwar jeweils von 10 bis 16 Uhr, während der besten Badezeit also. Und mindestens drei Millimeter Regen müssen schon fallen in dieser Zeit. Außerhalb der Badezeit, findet Ricci, ist Pesaros Angebot breit genug, um sich auch angezogen gut zu unterhalten.

Es gibt noch eine weitere Bedingung: Die Garantie gilt nur für Buchungen, die mindestens eine Woche vor dem Aufenthalt gemacht wurden. So soll den Schlaumeiern gewehrt werden, die sich an den Vorhersagen orientieren und mit Vorliebe nach Pesaro fahren würden, wenn es dort regnen soll.

Sofern es nicht täglich regnet, geht die Rechnung auf

Die Idee kam dem Bürgermeister im letzten Sommer, sein erster im Amt. Es regnete so oft in Pesaro, dass es den Anschein machte, Götter und Gestirne hätten sich gegen den Ort verschworen. Da die Wirtschaft in der Gegend von der Krise ohnehin schon gebeutelt ist, entschied Ricci, die Tourismussaison einfach zu verlängern - bis Mitte Oktober. Die Hotels blieben einige Wochen länger offen als sonst. Die "bagnini", die Bademeister, wurden angehalten, bis weit in den Herbst jeden Tag die Sonnenschirme zu spannen.

Ricci traf sich danach regelmäßig mit den Hotel- und Restaurantbetreibern, mit den Bademeistern und einer Versicherungsfirma. Man kalkulierte die Kosten der versicherten Sonne. Genaue Zahlen nennt Ricci nicht, aber die Gemeinde setzt dafür einen Teil der Erlöse ein, die sie mit der Aufenthaltstaxe erzielt. Die Gastbetriebe stellen Betten und Tische in der Zwischensaison billiger zur Verfügung, und die Versicherungsfirma tritt als Sponsor auf. So geht die Rechnung offenbar auf, sofern es nicht täglich regnet und sich alle Gäste entschädigen lassen möchten.

Pesaro macht mit der Aktion den größeren Badeorten etwas weiter nördlich Konkurrenz: Cattolica, Riccione, Rimini. Regnet es in Pesaro, regnet es zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Cattolica. Aber wahrscheinlich fühlt sich der Regen in Pesaro heuer irgendwie besser an, sonnig fast.

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