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Begnadigung von Susan B. Anthony:Eine Verurteilung wie eine Medaille

An undated portrait of women's suffrage activist Susan B. Anthony

Laut, stolz und stark: Frauenrechtlerin Susan B. Anthony.

(Foto: Brown's Famous Pictures/Dayton Metro Library/Handout via REUTERS)

US-Präsident Trump begnadigt die Frauenrechtsaktivistin Susan B. Anthony. Das kommt reichlich spät: Anthony ist 1906 gestorben. Und hätte sie die Begnadigung überhaupt gewollt?

Von Susan Vahabzadeh

Gelegentlich macht der amerikanische Präsident Donald Trump Gebrauch von seinem Recht, Straftäter zu begnadigen - und meistens kriegt er dafür nur von seinen Anhängern Beifall, wie etwa bei der Begnadigung eines Soldaten, der von einem Militärgericht wegen Mordes verurteilt worden war. Am Dienstag erließ er einen Gnadenerweis, dem kaum jemand widersprechen mochte. Er vergab ganz offiziell der wegen illegaler Stimmabgabe verurteilten Susan B. Anthony.

Das kommt spät. Anthony starb 1906, das Urteil gegen sie wurde nach den Präsidentschaftswahlen von 1872 ausgesprochen. Da hatte sie sich in Rochester im Staat New York mithilfe eines prominenten Anwalts in die Wählerliste eintragen lassen und hatte bis zum Wahltag noch eine Reihe anderer Frauen dazu gebracht, es ihr gleich zu tun und am Stichtag einfach zu wählen. Der Vorgang ist ziemlich genau dokumentiert, denn Susan B. Anthony unterrichtete über jeden ihrer Schritte eifrig die Presse.

Nur gegen Anthony selbst wurde dann schließlich ein Prozess angestrengt - sie war damals eine nationale Berühmtheit. Zusammen mit ihrer Freundin Elizabeth Cady Stanton führte sie in New York den wichtigsten Suffragetten-Verband, veröffentlichte Schriften, hielt Reden, gab gemeinsam mit Stanton eine feministische Zeitung heraus, The Revolution. Und in den USA ist sie bis heute eine bekannte Figur - sie ist die Verfasserin des 19. Zusatzes zur amerikanischen Verfassung, der den Frauen in den USA ab 1920 das Wahlrecht gab.

Anthony trug ihre Verurteilung wie eine Medaille

Liest man die Presseerklärung des Weißen Hauses, könnte man fast meinen, diese Begnadigung sei naheliegend, Susan B. Anthony hatte schließlich 1872 ihre illegale Stimme den Republikanern gegeben, und außerdem gibt es gerade Anlass genug für eine Bekräftigung des Weißen Hauses, sie habe mit ihrer Stimmabgabe damals ein "fundamentales amerikanisches Recht" ausgeübt.

Aber Trump und die sture Bürgerrechtlerin Susan B. Anthony passen nicht zusammen, laute, starke Frauen sind ja nicht so sein Fall. Eigentlich ist es fast eine Beleidigung - denn Susan B. Anthony trug ihre Verurteilung wie eine Medaille. Bei ihrer Verhaftung bestand sie auf Handschellen, dann ging sie bis zum Prozess als Rednerin auf Tournee, und vor Gericht hielt sie eine lange Rede, bei der es dem Richter nicht gelang, sie zu unterbrechen. Und über das alles schrieb sie natürlich ein Buch - denn sie war unendlich stolz auf das, was sie getan hatte.

Verurteilt wurde sie übrigens zu einer Geldstrafe, die sie nie bezahlt hat. Der 19. Zusatz zur Verfassung wird bis heute "Susan B. Anthony-Amendment" genannt - das hätte ihr sicher besser gefallen als eine Begnadigung.

© SZ/moge
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