Waldbrände in Kalifornien "Wir arbeiten alle zusammen, alles wird gut"

US-Präsident Donald Trump schüttelt bei seiner Ankunft auf der Beale Air Force Base die Hand von Jerry Brown, dem Gouverneur von Kalifornien.

(Foto: Evan Vucci/dpa)

US-Präsident Trump begutachtet die Schäden der verheerenden Waldbrände in Kalifornien und versichert, die Katastrophe gemeinsam mit den Leuten bewältigen zu wollen. Kritiker werfen ihm dabei politisches Kalkül vor.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Es gibt nun dieses Foto, das auf den ersten Blick so versöhnlich wirkt und in Kombination mit den gesprochenen Worten für ein wenig Hoffnung sorgt inmitten einer der größten Katastrophen in der Geschichte von Kalifornien. US-Präsident Donald Trump schüttelt bei seiner Ankunft im US-Bundesstaat an der Pazifikküste die Hand von Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown, er sagt: "Wir sind nun der gleichen Meinung. Wir sehen Licht am Ende des Tunnels, wir arbeiten alle zusammen, alles wird gut." Brown dankt Trump für den Besuch und sagt: "Es wird gewaltige Aufräumarbeiten nach einer gewaltigen Tragödie geben - aber irgendwie werden wir das gemeinsam durchstehen."

Trump ist am Samstag nach Kalifornien gekommen, um sich persönlich über die verheerenden Waldbrände im Bundesstaat an der Pazifikküste zu informieren. Er besucht zunächst diesen Ort im Norden, der tatsächlich Paradise heißt und den das Camp Fire komplett niedergebrannt hat. 76 Menschen sind umgekommen, mehr als 1200 sind noch vermisst. "Man muss das gesehen haben, um es wirklich zu verstehen", sagt Trump inmitten dieses postapokalyptischen Szenarios, hinter ihm sind abgebrannte Häuser und Autos zu sehen und eine angekokelte Amerika-Flagge: "Es ist wirklich schrecklich, ich habe so etwas noch nie gesehen. Wir werden den Leuten helfen, die gegen dieses Monster kämpfen. Zusammen werden wir das schaffen."

Naturkatastrophen Trump besucht Brandgebiete in Kalifornien
Waldbrände

Trump besucht Brandgebiete in Kalifornien

Der US-Präsident macht sich vor Ort ein Bild von den schweren Verwüstungen. Dabei wirft er dem Bundesstaat erneut schlechtes Forst-Management vor.

Zusammen. Es gibt in den Vereinigten Staaten nach schlimmen Ereignissen stets einen Begriff, der den Umgang der Bürger damit beschreiben soll, sehr häufig verwenden sie "strong", was sich mit "entschlossen", "standhaft" oder "widerstandsfähig" übersetzen lässt. Nach dem Bombenanschlag auf den Marathon 2013 in Boston hieß es: Boston Strong. Nach dem Massaker in Las Vegas im vergangenen Jahr: Vegas Strong. Nach dem Amoklauf im kalifornischen Thousand Oaks vor einer Woche: Thousand Oaks Strong.

Angesichts der Waldbrände heißt es nun in Kalifornien allerdings: California Together. Zusammen. Ob Trump, der sich so gerne entschlossen, standhaft und widerstandsfähig gibt, diesen Hinweis kapiert? Beim Besuch trägt er eine Camouflage-Mütze, auf der vorne in neonorangener Farbe die Buchstaben "USA" eingestickt sind und an der Seite die Zahl "45" - er ist der 45. Präsident dieses Landes.

Brown, 80, trägt eine Jacke der kalifornischen Notfallhelfer, was durchaus als Botschaft an Trump zu verstehen ist, der in der vergangenen Woche die kalifornische Forstverwaltung ("armselig") heftig kritisiert hat. Er wird in wenigen Wochen in Rente gehen und gibt nun den tapferen Umweltschützer, der keine Angst hat vor einem wie Trump. Sein Nachfolger Gavin Newsom, 51, der am 7. Januar vereidigt wird und auf dem Foto neben Trump und Brown zu sehen ist, hat sich mit populären progressiven Themen (Legalisierung von Marihuana, Ehe für alle, schärfere Waffengesetze) profiliert und im Gouverneurs-Wahlkampf als Anti-Trump positioniert.

Man muss all das in einem größeren Zusammenhang sehen. Die Beziehung zwischen Trump und Kalifornien ist deshalb so kompliziert, weil sie politisch bedeutsam ist. Trump weiß, dass er hier nichts gewinnen kann (Hillary Clinton erhielt bei der Präsidentschaftswahl vor zwei Jahren mehr als 61 Prozent der Stimmen), warum sollte er sich also um die Gunst der Einwohner bemühen? Es geht Trump allein ums Gewinnen, also zeigt er den Leuten in wahlentscheidenden Bundesstaaten mit seinen Attacken auf Kalifornien, dass er sich von diesen verweichlichten Schnöseln an der Westküste überhaupt nichts sagen lässt. Das kommt gut an bei der Trump-Basis.

"Ich will großartiges Klima", sagt Trump

Es gibt noch einen anderen, persönlichen Grund für die komplizierte Beziehung. Vor seiner politischen Karriere war Trump dieser bräsige Immobilienhai aus New York, der sich in seiner Reality-TV-Show The Apprentice so sehr zu ernst nahm, dass ihn niemand sonst ernst nahm. Er war fasziniert von Prominenz, er wollte dazugehören, aber er wirkte immer wie der Teenager, der niemals an einer Party hätte teilnehmen dürfen, hätte er nicht aufgrund seiner reichen Eltern das Haus oder wenigstens den Alkohol für die Fete besorgt.

Es gibt Fotos, auf denen Trump den Daumen hebt und die Promis daneben - Tennisspielerin Serena Williams zum Beispiel, Moderatorin Oprah Winfrey oder Schauspielerin Scarlett Johansson - so aussehen wie Rehe im Scheinwerferlicht. Der letztlich harmlose Typ will ein Foto, dann macht man eben ein Foto, so wie man mit einem Fan ein Foto macht. Dass der kalifornische Showbiz-Adel ihn niemals ernst nahm, hat er nicht vergessen. Es schmerzt. Bis heute.

Heute ist Trump der Präsident des Landes, und es ärgert ihn über die Maßen, dass ihn gerade die Promis nicht respektieren. Sollten sich nicht all die Schauspieler und Sportler und Sänger jetzt endlich um ein Foto mit ihm bemühen, mit dem Präsidenten? Das tun sie aber nicht, wenn man mal vom Rapper Kanye West absieht. Trump macht, was er bei Ablehnung oder Kritik immer tut: Er gibt sich entschlossen, standhaft, widerstandsfähig - und schießt zurück. Und wieder gefällt es seiner Basis, dass er sich mit den so genannten Eliten anlegt.

Trump wird nun vorgeworfen, Kalifornien nicht aus Empathie, sondern aus politischem Kalkül besucht zu haben. Er müht sich bei seinem Besuch sichtlich, keine Konfrontation zu suchen. "Ich will großartiges Klima", sagt Trump. Er lobt vielmehr alle Helfer und gibt sich als tatkräftiger Präsident, der nun alles dafür tut, die Not zu lindern und der dafür sogar mit dem Feind zusammenarbeitet. Together.

Naturkatastrophen Polizei meldet 1011 Vermisste in Kalifornien

Waldbrände

Polizei meldet 1011 Vermisste in Kalifornien

Die Waldbrände in Kalifornien sind die tödlichsten in der Geschichte des US-Bundesstaats. Die Zahl der Vermisstenmeldungen steigt weiter sprunghaft an.