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Trier:Fünf Tote und mehrere Schwerverletzte nach Amokfahrt

Tote nach Amokfahrt in Trier

Ein Polizist in der Innenstadt von Trier. Am Nachmittag hatte ein Mann in der Fußgängerzone mit einem Auto Menschen verletzt und getötet.

(Foto: dpa)
  • In Trier ist ein Mann durch eine Fußgängerzone gefahren und hat fünf Menschen getötet. Mehrere Personen wurden zum Teil schwer verletzt und befinden sich noch in Lebensgefahr.
  • Der mutmaßliche Täter war offenbar schwer alkoholisiert. Ein Atemalkoholtest ergab einen Wert von 1,4 Promille.
  • Die Ermittler sehen zunächst keine Anzeichen eines terroristischen Motives. Es gibt allerdings erste Hinweise auf ein "psychiatrisches Krankheitsbild".

Von Juri Auel, Oliver Klasen, Gianna Niewel und Philipp Saul

Bei der Amokfahrt in der Fußgängerzone von Trier sind fünf Menschen getötet worden. Wie die Polizei mitteilte, starben ein neun Monate altes Baby, drei Frauen im Alter von 25, 52 und 73 Jahren sowie ein 45 Jahre alter Mann. Die Mutter des Babys befinde sich verletzt im Krankenhaus. Außer den Toten gibt es noch drei Schwerstverletzte, die sich in Lebensgefahr befinden, fünf erheblich Verletzte und sechs Leichtverletzte.

Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich der Polizei zufolge um einen 51-Jährigen, der in Trier geboren wurde und in der Region lebe. Die letzten Tage habe er nicht in einer Wohnung, sondern in einem Auto verbracht. Er habe ersten Ermittlungen zufolge zuletzt keinen festen Wohnsitz gehabt.

Der leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen teilte mit, gegen den Fahrer werde wegen Mordes und Körperverletzung ermittelt. Es gebe bislang keine Anhaltspunkte für ein terroristisches, politisches oder religiöses Motiv. Allerdings gebe es erste Hinweise auf ein "psychiatrisches Krankheitsbild". Ein Arzt habe den Mann angeschaut, es werde vermutlich ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben. Der Verdächtige hatte zudem getrunken. Bei ihm sei eine Atemalkoholkonzentration von 1,4 Promille festgestellt worden.

Innenminister Lewentz sagte in einem Statement, der Autofahrer sei "vier Minuten nach Ersthinweis" festgenommen worden. Ein Polizeisprecher ergänzte, der Fahrer sei "durch Kräfte des Polizeipräsidiums angehalten" und überwältigt worden. Bei seiner Festnahme habe er Widerstand geleistet. "Wir haben ein klares Bild von dem Verdächtigen", sagte Lewentz. Zu Spekulationen wollte er sich nicht äußern.

Lewentz sagte, der mutmaßliche Täter sei "Zickzacklinien" gefahren, um gezielt Leid zuzufügen. Der Mann bog von der Konstantinbasilika kommend in die Fußgängerzone ein und raste über eine Strecke von etwa einem Kilometer durch die Innenstadt. Über die Brotstraße und den Hauptmarkt fuhr er mit hoher Geschwindigkeit bis zur Porta Nigra, dem alten römischen Stadttor und Wahrzeichen der Stadt. Kurz hinter der Porta Nigra kam das Fahrzeug zum Stehen.

"Da steht ein Turnschuh." Pause. "Und das Mädchen dazu ist tot."

Der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) sprach in einem Fernsehstatement von einer "Amokfahrt". "Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, wir sehen solche Bilder im Fernsehen und denken, das kann bei uns nicht passieren. Jetzt ist es auch in Trier passiert", sagte Leibe später bei einer ersten Pressekonferenz. Er sei gerade durch die Innenstadt gelaufen, es sei schrecklich gewesen. "Da steht ein Turnschuh." Pause. "Und das Mädchen dazu ist tot." Dann sagt er nichts mehr. Sein Pressesprecher übernimmt. "Ich bitte um Verständnis, dass das einen sehr trifft."

Auf der Pressekonferenz sagte Leibe später, es sei "der schwärzeste Tag der Stadt Trier nach dem zweiten Weltkrieg". Ein Trierer habe Menschen aus Trier getötet.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sprach am Abend von einem "schlimmen und schrecklichen Tag". Mitten an einem ganz normalen Tag seien Menschen aus dem Leben gerissen worden, sagte Dreyer. Sie sei mit ihren Gedanken bei den Verletzten und Schwerverletzten und hoffe und bete, dass sie überlebten und gesundeten.

Auch die Bundesregierung äußerte sich zu dem Vorfall. "Was in Trier geschehen ist, ist erschütternd", erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter. "Die Gedanken sind bei den Angehörigen der Todesopfer, bei den zahlreichen Verletzten und bei allen, die in diesem Moment im Einsatz sind, um die Betroffenen zu versorgen." In einer Stellungnahme von Kanzlerin Merkel heißt es: "Die Nachrichten aus Trier machen mich sehr traurig."

Die Polizei bat darum, keine Bilder und Videos des Vorfalls im Netz zu posten und sie stattdessen auf ein extra eingerichtetes Upload-Portal der Ermittler hochzuladen.

Mit Material der Agenturen

© SZ/dpa/olkl
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