Tourismuswerbung für Nordkorea:"Einmal gesehen, ist besser als 100-mal gehört"

Auch Yong Bom Ri muss sich an diesem Vormittag kritischen Fragen stellen. Ob es zutreffe, dass es in Nordkorea Arbeitslager und Folter gäbe? "Absolut nicht. Ich sage Ihnen, das ist nicht korrekt." Warum man während der Reise bewacht werde? "Es gibt kulturelle Unterschiede. Sie können zu Problemen führen. In unserer Kultur ist der Respekt vor dem Alter sehr wichtig. Wenn sich Touristen anders verhalten, kann das Koreaner verärgern." So geht das über Stunden. Dass 85 Prozent der Landesfläche bergig sind, will dagegen kaum einer hören. Yong Bom Ri, der von einem Diplomaten beobachtet wird, der zwar Deutsch spricht, aber kein Wort sagen darf, wirkt zunehmend erschöpft.

Walter Eggenberger und Ruedi Bless scheinen das Medieninteresse dagegen zu genießen. Nordkorea, das sei "nun wirklich das andere Reiseerlebnis", sagen sie und zitieren ein nordkoreanisches Sprichwort: "Einmal gesehen, ist besser als hundert Mal gehört". Vieles, was man über das Land zu wissen glaube, sei "dummes Zeug", sagt Eggenberger: Etwa, dass man für kritische Bemerkungen sofort ins Gefängnis gesteckt werde.

Swimming pool in Pyongyang

Ein Foto der "North Korean Central News Agency" aus dem August 2014 zeigt Nordkoreaner in der Munsu-Schwimmanlage von Pjöngjang.

(Foto: dpa)

Reiseveranstalter Ruedi Bless erzählt die lustige Geschichte, wie er beim Joggen durch Pjöngjang von einem Sicherheitsmann begleitet wurde, diesen aber bald abhängen konnte. Abends, sagte Bless, treffe man die Koreaner in der Bierhalle. Es gebe eine Mittelschicht, die sich das leisten könne - und mit der man ins Gespräch komme. Dass diese Mittelschicht klein ist und jeglicher Kontakt bewacht und über Dolmetscher stattfindet, sei aber auch wahr.

Ältere Besucher kommen wegen des Korea-Kriegs, jüngere aus Abenteuerlust

Aus Angst vor Ebola verhängte Nordkorea im Herbst eine Quarantäne von 21 Tagen für Ausländer. Mehrere Reisende aus den USA wurden in den letzten Monaten wegen "republikfeindlicher Verbrechen" festgenommen. Das Auswärtige Amt warnt: Es könnte jederzeit zu politischen Spannungen kommen. Trotzdem werden die Reisen zunehmend beliebt. Ältere Menschen kämen "vor allem wegen des Koreakrieges", sagt Bless, jüngere aus Abenteuerlust. 2011 sollen 5000 bis 6000 Touristen aus Westeuropa eingereist sein. Sie müssen gegen Diphterie, Tetanus, Polio, Masern und Hepatitis A geimpft sein - und sie bringen Devisen, die das bitterarme Land dringend braucht.

400 Aussteller präsentieren sich noch bis zum 18. Januar in Bern. Finnische Volkstanzgruppen, Waldnachbildungen mit Kieferngeruch und Vogelgezwitscher, hypermoderne Reisebusse oder thailändische Obst-Schnitzerinnen buhlen um die Aufmerksamkeit der erwarteten 40 000 Besucher. Nordkorea setzt auf ein Plakat, Farbfotos und eine Broschüre in wackeligem Deutsch.

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